Kommunaler Kundenservice mit Hilfe
moderner Netzwerke
Tele-Gemeinde
Studie für das Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten
Projektleitung: Sixtus Lanner
Projektteam
Haas Rainer
Hinkel Thomas
Mayerhofer Josef
Meixner Oliver
Reiter Barbara
Steiner Egon
Stifter Sabine
Wögerer Franz
Zepf Elmar
Wien, am 9. April 1999
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
.............................................................................................................
3
1 Bedeutung der Informationstechnologie für die Gesellschaft
...........................................4
2 Distance Learning
............................................................................................
17
3 Telearbeit
.........................................................................................................
53
4 Elektronic Commerce
...................................................................................... 67
5 Modell Zwettl
................................................................................................
100
6 Modell Perchtoldsdorf
................................................................................... 116
7 Modell Eschenau
...........................................................................................
125
8 Wartung und Aktualisierung von Informationen
.......................................... 139
9 Technische Trends und Entwicklungen
........................................................ 148
10 Zusammenfassung und Schlußfolgerungen
.................................................. 165
11 Autorenverzeichnis
.......................................................................................
171
VORWORT
Prognosen über die künftige Entwicklung der Informationstechnologie sind
vielversprechend. Die Realität zeigt aber, daß eine große Lücke klafft zwischen der
Erwartungshaltung einerseits und der Akzeptanz der Bevölkerung andererseits.
Fax und Handy sind heute für Jedermann selbstverständliche Hilfsmittel. Die einfache
Handhabung und ein günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis sind sicher Gründe dafür.
Nicht so selbstverständlich ist der Umgang mit dem Computer. Das Entwicklungstempo wird
vor allem davon abhängen, ob der Zugang zur Informationstechnologie überall auf
möglichst einfache und kostengünstige Weise gewährleistet ist. Diesbezüglich bestehen
regional erhebliche Unterschiede.
Die vorliegende Studie soll die Grundlage bilden für Pilotprojekte auf Gemeindeebene
(Tele-Gemeinde). Dabei geht es vor allem um folgende Fragen:
* Wo liegen die wirklichen Bedürfnisse, die nicht nur das Leben vereinfachen
und die Lebensqualität verbessern, sondern auch wirtschaftlich interessant sind?
* Wie kann eine praxisgerechte Umsetzung sichergestellt werden?
* Wer speist dieses System und aktualisiert die Informationen?
Die Studie stützt sich auf praktische Erfahrungswerte aus dem In- und Ausland.
Für den Erfolg der Pilotprojekte sind die technischen Voraussetzungen unerläßlich.
Mindestens ebenso notwendig ist aber eine für diese Technologie aufgeschlossene
Bevölkerung, sowie die Bereitschaft von Behörden, Firmen und sonstigen Institutionen, an
derartigen Pilotprojekten mitzuwirken.
1 Bedeutung der Informationstechnologie (IT) für die Gesellschaft
Schon Mitte der sechziger Jahre hat Marshall Mc Luhan das Ergebnis der globalen
Telematisierung als das Ende der technischen Analogiedarstellung gesehen: "Elektrisch
zusammengezogen ist die Welt nur mehr ein Dorf". Damit war dem Werkzeug Computer eine
eigene Dynamik zugeschrieben, die eines Tages die ganze Erde umfassen wird. Drei
Jahrzehnte später ist das Ergebnis greifbar und die Unaufhaltsamkeit nicht mehr in Frage
gestellt.
Mit dem Bild des "Dorfes" ist wohl der schnelle und nahe Kontakt assoziiert
gewesen. Tatsächlich hat sich aber die Ausbreitung der Telekommunikation fast
ausschließlich als nicht dörflicher sondern als städtischer Natur erwiesen.
Zunächst hat der Rechner den wissenschaftlichen, dann den wirtschaftlichen und den der
öffentlichen Verwaltung und erst später den privaten Bereich erschlossen. All dies hat
seine Entwicklung in der Großstadt erfahren und ist in den ländlichen Räumen erst
vereinzelt aufgetreten. Der Grund dafür ist offensichtlich: um die Mitte des 20.
Jahrhunderts sind zwei Neuerungen aufgetaucht. Parallel zum Rechner entstand das Denken in
Rückkoppelungen, in Selbststeuerungsmechanismen, in ganzheitlichen
Wirkungszusammenhängen, das mit dem Begriff "Kybernetik" bezeichnet wurde. Die
eng verwandten Innovationen sind im interdisziplinären Umfeld gewachsen, d.h. an
großstädtischen Wissenschaftszentren. Alle für die Anwendung notwendigen Grundlagen:
die Initiativen der Querdenker, die erforderlichen Daten und Investitionen standen nur in
den Zentralorten der Universitäten und nicht auf dem Lande zur Verfügung.
Neben der Unkenntnis des neuen Phänomens ist aber noch weit mehr für die
unterschiedliche Akzeptanz, die sprichwörtliche Skepsis gegen Neues und das Unvermögen,
einen unmittelbaren Nutzen zu erkennen, verantwortlich. So trat nicht unerwartet aus einer
großangelegten Untersuchung der ETH Zürich in der ersten Hälfte der 90er Jahre zutage,
daß die Akzeptanz des Computers durch die Landbewohner wesentlich geringer ist als die
der Großstädter.
Quer durch alle Bevölkerungsschichten sei es auf dem Land oder in der Stadt, bei
Erwerbstätigen oder Arbeitslosen, wird es künftig eine scharfe Grenze geben zwischen
einer elektronisch versierten Elite und einer Masse von "Info-Habenichtsen" -
solange der derzeitige Trend anhält und keine Gegensteuerung erfolgt.
Wie weit sich die Schere öffnet, wird von zwei Ursachen abhängen. Einmal rekrutiert sich
der Anteil der elektronisch Gebildeten aus dem dafür notwendigen Potential - heute
beherrschen die Autodidakten noch die innovative Szene. Zum anderen wird es davon
abhängen, wie künftig die heute schon kaum noch zu bewältigende Datenflut beherrscht
werden kann und wer aus der Beherrschung einen Nutzen zieht.
1.1 Nutzer, Nutzungen, Nutzen
Zum Ende der 90er Jahre zeichnen sich Nutzer, Nutzungen und Medien ab, die schon ein
großes Spektrum abdecken:
Nutzer
- Verwaltungen (öffentlich, privat) -
Verbände, Vereine, Kirchen
- Politik
-
Kunst und Kultur
- Wissenschaft
-
Bildung
- Private Haushalte
-
Wirtschafts-Unternehmen
(Landwirtschaft,
Handwerk, Industrie...)
Nutzungen
Von den Nutzern werden Tätigkeiten mit IT verrichtet, die einerseits konventionellen
Aufgaben gewidmet sind: Sekretariat, Buchhaltung, Schreiben etc.; und die andererseits
eine neue Form von Arbeit und Kommunikation annehmen:
* e-mail, sich informieren, konstruieren über CAD, Informationen verbreiten,
recherchieren, kaufen, sich bilden, spielen, sich unterhalten etc.,
und die eine ganz neue Art von Produkten und Dienstleistungen hervorbringen:
* Cyber-Literatur, Cyber-Kunst, Screen-Design, Tele-Arbeit, Internet-Auftritte und
-Präsentationen, Online-Banking.
Medien
Als Kommunikationsmittel werden ständig neue Werkzeuge weiterentwickelt, erfunden, auf
den Markt gebracht. Die Preise verändern sich in großer Geschwindigkeit. Der Markt ist
von Durchschnitts-Nutzern nicht mehr zu überschauen. Die Kommunikations-Industrie strebt
ein Multimedia-System an, das die verschiedenen Einzelgeräte überflüssig macht. Derzeit
bahnt sich allerdings eine Gegenentwicklung an: für einzelne Tätigkeiten werden einfache
nur auf eine Funktion ausgerichtete Geräte hergestellt. Offen ist auch allem Anschein
nach, ob sich das Multimediasystem eines Tages eher auf den TV-Schirm oder den
Rechner-Screen einpendelt.
Nutzen
Der Nutzen für die Menschen, die mit der IT arbeiten, spielen, kommunizieren, sich
informieren ist sehr unterschiedlich. Er hängt ab vom Bildungsgrad, von der
Geschicklichkeit, von der verfügbaren Ausstattung, von einer Betreuung in der Nähe.
Gerstner, der oberste Manager von IBM, stellt für die heutige Situation fest, die
Technologie sei schwer zu nutzen. Die Industrie baue, was sie für wichtig hält und
nicht, was die Kunden wollen.
Das Wesentliche der digitalen Informationstechnologie ist in den neuen
Zugangsmöglichkeiten zur Wirklichkeit zu sehen. Sie kann mit Hilfe des neuen Werkzeugs
neu dargestellt werden, nämlich virtuell. Die Wasserbauingenieure haben in der
Vergangenheit Ebbe und Flut an Flußmündungen mit Hilfe eines materiellen Modells analog
simuliert. Heute können sie mit Hilfe von Wort und Bild auf dem Rechner das
Naturphänomen digital auf dem Bildschirm nachvollziehen. Kaum noch eine natürliche
Erscheinung ist nicht so abzubilden und es entstehen Hoffnungen und Ängste gegenüber dem
mächtigen Medium. In erster Linie gelten sie der Vorstellung, die Menschen könnten
künftig mehr in der virtuellen als in der realen Welt leben. Die Arbeitszeit des
Bauzeichners und des Buchhalters entspricht dem schon weitgehend.
Daraus ergibt sich die Frage nach den Charakteristika, die heute schon erkennbar sind:
* Raum und Ort: Die digitale Kommunikation ist nicht mehr an bestimmte Orte gebunden. Die
Raumüberwindung fällt weg.
* Zeit: Auf der ganzen Erde sind Informationen zeitgleich (real time) zwischen Anbieter
und Nachfrager zu empfangen.
* Masse: Die Quantität an Informationen, die abrufbar, bearbeitbar, versendungsfähig
ist, hat praktisch keine Begrenzung mehr.
* Komplexität: Auf dem Rechner sind Wirkungszusammenhänge in der Wissenschaft, in der
Ökologie, in der Soziabilität etc. in einer Komplexität darzustellen, wie es bislang
nicht einmal denkbar war.
Auch wenn die Anwendung des neuen Instrumentariums noch nicht über mehr als einige Jahre
Erfahrung verfügt, sind einige wesentliche Chancen und Risiken, Vor- und Nachteile zu
erkennen.
Aus der Tatsache, daß die Raumüberwindung an Bedeutung verloren hat, wird die
raumordnerisch positive Konsequenz abgeleitet, der bislang herrschenden zentripetalen
Kraft zur Zentralität könne sich nun eine solche der Dezentralisierung entgegensetzen.
Das würde z.B. bedeuten, daß im peripheren ländlichen Raum hochqualifizierte
Arbeitsplätze entstehen können. Es würde weiterhin bedeuten, durch die digitalen
Dienstleistungen von Telelearning, Telemedizin, Online-Banking, Teleshopping könnte an
dezentralen Orten eine Versorgung erfolgen, wie sie in der Geschichte der Menschheit noch
nie möglich war.
Beide Phänomene könnten eine Reduktion von Verkehr und damit von Streß, Umweltschäden,
Energie zur Folge haben. Neuere Untersuchungen dämpfen diese Hoffnung.
Die Dezentralisierung könnte durch das entstehende Potential von Arbeitsplätzen und
Versorgung Wachstumsimpulse für periphere Räume bewirken. Allerdings besteht für die
geschilderten Chancen eine erhebliche Einschränkung: Solange der periphere Raum noch
nicht über die nötige Infrastruktur an Service und Beratung verfügt und solange der
Netzzugang hier noch teurer als in der Großstadt ist, werden sich die positiven Effekte
in Grenzen halten.
Auch für die negativen Konsequenzen sind die Erfahrungen noch zu gering, um mehr als
spekulative Aussagen machen zu können. Wenn für den ländlichen Raum mehr Arbeitsplätze
vermutet werden, so sind für die städtischen Zentren Arbeitsplatzverluste höchst
wahrscheinlich. Für die seitherige Phase zumindest sind sie jetzt schon nachweisbar. Ja,
es verschwinden sogar ganze Branchen.
Berechtigte Ängste bestehen für die Kultur des Miteinanderumgehens, für die Schreib-
und Sprachkultur. Das bezeichnende Wort "Man schreibt anders und anderes" gilt
abgewandelt auch für die Sprachkultur. Auch gegenüber einer solch kritischen Einstellung
gibt es berechtigte Einwände. Die Telefreaks sind überzeugt, es entstehe eine neue
Kultur, die der derzeitigen in der Qualität nicht nachstehe. Und der Beobachtung, der
Mensch isoliere sich am Bildschirm, wird begegnet, einsame Menschen hätten über den
Rechner die Chance, zahllose Kontakte zu knüpfen.
1.2 Pilotprojekte
Weltweit haben sich entwickelt und werden sich verstärkt noch weiterentwickeln
Pilotprojekte. Vorreiter waren im Westen Großbritannien und die USA. Die Bezeichnungen
für die Pilotprojekte waren sehr unterschiedlich: Telepolis, Cybercity, Virtuelle Stadt,
Teledorf, Telezentrum, Telestube etc. Ebenso verschiedenartig waren die Ziele, Funktionen,
Inhalte, Ausstattungen, Orte. Die Bezeichnungen machen deutlich, daß eigentlich ortlose
Projekte an Orte gebunden sind. Demgegenüber stehen Wirtschaftsbetriebe mit der
Bezeichnung "Virtuelle Unternehmen", die eher nur im virtuellen Netz existieren
(obgleich die beteiligten Menschen und Maschinen natürlich doch "verortet"
sind). In den 90er Jahren sind virtuelle Städte in den USA und in Europa entstanden, die
parallel oder überlagert zu den realen Städten ein Eigenleben führen. Eine der
ältesten ist die virtuelle Stadt Amsterdam. Sie wird verwaltet von einer
Bürgermeisterin, von Angestellten und hat mehrere zig-Tausend Bürger, die sich täglich
über 20.000 Kontakte unterhalten. Zunächst war jede kommerzielle Tätigkeit
ausgeschlossen. Ein solcher Grundsatz kann allem Anschein nach aus Gründen der fehlenden
Finanzmittel nicht mehr eingehalten werden.
Eines der ältesten Teledörfer, das englische Crickhowell televillage, 20 Meilen von
Cardiff/Wales ist vermutlich zu früh gestartet und inzwischen verblaßt. Für 300
Interessenten sollten 300 Arbeitsstudios gebaut werden, die über ein Glasfaser-Netzwerk
untereinander verbunden sind (LAN = Local Area Network). Das Umfeld war zunächst noch
wenig hilfreich, das allgemeine Bewußtsein nicht vorhanden und der Nutzen wenig
erkennbar. Insbesondere die Versuche mit dem Computer die Märkte von Handwerk, Gewerbe,
Fremdenverkehr, Landwirtschaft zu organisieren, scheiterte am Mißtrauen gegenüber der
gewünschten Anonymität betriebsinterner Daten.
In den USA stehen 3 Teledörfer im Mittelpunkt des Interesses:
* Rural Televillage (im SW von Colorado): Big Sandy, 1.400 Einwohner, in der Region im
Pikeville, mit modernsten Informationshighways ausgestattet. Vorgesehen sind
Konferenzräume mit Videoanschlüssen, Telearbeitsplätzen, ein Schulungszentrum mit
Telecenter, virtuelle Klassenzimmer, elektronische Bibliotheken, virtuelle Produktmärkte
für die Landwirtschaft, Telemedizin.
* Telluride - Als erste komplett vernetzte Gemeinde der Welt, Infozone für Kaufen und
Tourismus (Rathaus, Bibliothek, Postamt, Waschsalon). Jeder Bürger soll individuell auf
elektronischer Basis integrieren können. Erste Ansätze für ein "virtuelles
Rathaus" (24-Stunden-Bedienung, Antragsformulare mittels Computer möglich).
* Smart Valley (im Silicon Valley Network). Die Initiative 1992 hatte zum Ziel, eine
regional umfassende elektronische Gemeinschaft mit anwendungsorientierter
Informations-Infrastruktur zu schaffen, die kollektiv nutzbar ist (im Ausbildungsbereich,
in der Gesundheitsvorsorge, für die Regionalregierungen, im Geschäftsbereich und im
Privatbereich). Zentrum für Innovation (Betriebsansiedlungen, Arbeitsplätze, Forschung
und Entwicklung, öffentliche Verwaltung).
In der Öffentlichkeit seit einem halben Jahrhundert immer wieder vorgetragen, wird die
von der Walt Disney Company gebaute Retortenstadt Celebration bei Orlando/Florida, auf
2.000 Hektar errichtet für endgültig 8.000 Wohneinheiten oder 20.000 Menschen. Die
Attraktion ist eine Musterschule für 1.200 Schüler die als vollelektronisiertes
Bildungsinstitut "lebenslanges Lernen" anbieten soll. Sie ist an eine
nahgelegene Lehrerakademie angekoppelt. Glasfaserkabel verbinden die Schule mit jeder
Wohnung.
Während in den USA die bekannten Beispiele zwar ziemlich breit angelegt sind, stehen doch
gewisse Funktionen im Vordergrund: Käufermarkt und Tourismus, Innovation und
Betriebsansiedlungen, Landwirtschaft und Telearbeitsplätze, Bildung.
Ganz anders ein Beispiel aus Deutschland: Alsweiler im Saarland. Ein Dorf mit 2.400
Einwohnern wurde 1997 vom eingewanderten Apotheker dazu motiviert, sich als Ganzheit
darzustellen. So wurden vor 2 Jahren die ersten Internet-Seiten eingerichtet. Heute
existieren 400 Verzeichnisse mit 2.000 Dateien. Mit historischen Informationen zum
Heimatbuch, mit Hilfe eines Photoalbums und eines Dorfarchivs wird ein Beitrag zur
Identität geleistet. Ein aktuelles Schaufenster in die weite Welt bietet eine lokale
Enzyklopädie, ein Gewerbeforum, einen Vereinsschaukasten, ein Anschlagbrett und ein
Diskussionspodium. Der Apotheker fungiert für das Internet als Webmaster und als Sponsor.
Ein sehr weitgreifendes Modell für die Wissensstadt von morgen hat das Vorstandsmitglied
der Siemens AG München, H. Volkmann, mit dem Namen "Xenia" (die
Gastfreundliche, die Unbekannte) entwickelt. Die Leitlinie heißt: "Durch Anschauung
Wissen gewinnen, Wissen in Szene setzen". Das Zentrum der Wissensstadt führt vom
"Turm der Visionen" über das "Infotainment" zur "Werkstatt des
Wandels", zur "Universitas" und zum "permanenten
Informationsmarkt". In der Stadtmitte lädt ein See zur "Kontemplation"
ein.
Für die Telearbeit eine Prognose zu stellen, ist heute noch sehr spekulativ. Aus den
vielen Versuchen, die derzeit laufen, sollen zwei ein Schlaglicht auf die Situation
werfen.
* Telearbeitsprojekt von BMW in München
Die Firma BMW AG hat einer Gruppe von Mitarbeitern, die im Umland von München wohnen, die
Möglichkeit geboten, einen Teil der Woche zu Hause zu arbeiten. Die durchschnittliche
Entfernung zwischen Firmenstandort und Wohnort beträgt 50 km. Die Zahl der Probanden ist
noch klein. Der Test läuft nach Beurteilung des Projektleiters positiv und es wird eine
Erweiterung auf mehrere Hundert Telearbeiter erwartet.
* In Bruck an der Leitha, 35 km südöstlich von Wien, wurde in den letzten Jahren eine
"Telesiedlung" gebaut. Anlaß war die Verlegung der niederösterreichischen
Hauptstadtverwaltung von Wien nach St. Pölten. Da für die bislang nach Wien
arbeitspendelnden Mitarbeiter der Arbeitsweg unzumutbar geworden ist (täglich 3 Stunden
Fahrzeit), wollte man die Möglichkeit einräumen, mit Telearbeit der Tätigkeit
nachzukommen. Die 40 Grundstücke wurden mit Glasfaserkabeln erschlossen. Die Gebäude
sind heute verkauft und bewohnt. Auf einem Grundstück von 700 m2 wurde ein
Telekommunikationszentrum geplant, nicht gebaut und es gibt zur Zeit keine Aussicht auf
Realisierung. In der verwahrlosten Burg wurde ein Teleclub eingerichtet, in dem 11
PC-Arbeitsplätze zur Verfügung stehen (Kosten pro Arbeitsplatz: 10.000 - 15.000 öS).
Sie werden von privaten Interessenten, von der Volkshochschule und der Berufsförderung
genutzt. Um die Anschlußkosten zu reduzieren, wurde das Wiener Ortsnetz um 50 km
erweitert. Der stärkste Motor für das Fortkommen des Projekts ist das Engagement eines
freien Unternehmers. Das Projekt konnte hauptsächlich durch Sponsoring in Gang gesetzt
werden. Es befindet sich zur Zeit in Stagnation. Allem Anschein nach sind bei den beiden
Institutionen, von denen die wesentlichen Entwicklungskräfte erwartet werden, dem
Gemeinderat und der Landesregierung Desinteresse oder Mangel an finanziellen
Unterstützungsmöglichkeiten für den Rückzug verantwortlich.
Die USA verfügen über Erfahrungen mit der Telearbeit, die in Europa noch gemacht werden
müssen. Das Finanzberatungs-Unternehmen Merill Lynch unterhält ein "Telecommuting
Simulation Lab" in Somerset, New Jersey. Dort werden Mitarbeiter, die sich für
Telearbeit interessieren, einem Psycho-Test unterzogen. In einem Telearbeitsprogramm haben
500 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz zu Hause eingerichtet. Dabei wurden Risiken und
Ängste festgestellt:
* Von den Kollegen abgeschnitten zu sein.
* Der Tag entgleitet und die Zeit rinnt durch die Finger.
* Telearbeiter vermissen die Struktur des traditionellen Arbeitstages.
* Ausschluß vom dienstlich-sozialen Leben.
Wichtigste Voraussetzungen für das Gelingen von Telearbeit sind allem Anschein nach:
* Von d. Betriebsseite = Unternehmenskultur, in der Telearbeit karrierefördernd wirkt
* Von d. Arbeitnehmerseite = Fähigkeit, selbständig arbeiten können.
In den USA wurde eine Region um Pikeville (Kentucky) zu einem bedeutenden Zentrum für
Telearbeit. Es werden geboten: Elektronische Konferenzräume mit Videoanschlüssen,
Telearbeitsplätze und Schulungszentrum, Gemeindeinformationssystem, virtuelle
Klassenzimmer und Bibliotheken, virtuelle Produktmärkte, Telemedizin und Altenbetreuung,
Aufgaben- und Projektmanagement-Systeme, Logistiksysteme. Die Experten beschreiben die
Erfolgsfaktoren für eine Teleregion: geringe Kosten für Telekommunikation ohne
räumliche Tarifordnung, multidisziplinäre Vorgehensweise, Identifikation und Förderung
von Unternehmensnetzwerken, Reformierung des Bildungswesens, Verwertung von Erfahrungen
mit Vorläufersystemen, klare kommerzielle Bedarfsvorstellungen, umfassendes Wissen über
den Anwendungskontext "Region".
In Deutschland befassen sich Kommunalverwaltungen, Verbände und Beratungsunternehmen mit
dem Komplex, der als "virtuelles Rathaus" bezeichnet wird. Die Pilotprojekte
befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Im folgenden wird ein
Projektansatz skizziert, der an der Spitze der Entwicklung steht. Das Projektziel lautete:
Kommunaler aufzubauen auf der Grundlage eines Datenbanksystems. Akzeptanz und Nutzerzahlen
durch das Netz aller Bevölkerungsgruppen (Betriebe, Handel, Vereine, Kirchen, Schulen,
etc.) zu wecken und zu erhöhen.
Im einzelnen wurden angestrebt:
* Dienstleistungsangebote der Stadtverwaltung durch Informationsangebote verbessert
* neue Formen der Bürgerbeteiligung (Meinungsumfragen,...)
* lokale Infrastruktur (Amtsblatt, Anzeigenblätter, Prospekte, etc., Neue Qualität der
Information)
* günstiges Umfeld für lokale Unternehmen
* wirtschaftlichere Erledigung standardisierbarer Verwaltungsleistungen
Im Vorfeld des Projektes ergab eine wissenschaftliche Untersuchung, daß die größten
Bedürfnisse an Kommunikationspotentialen für ein elektronisches Netz in folgenden
Themenbereichen liegen:
- Vereine und Gruppen
-
Kultur und Freizeit
- Schule und Ausbildung
-
bürgerschaftliche Beteiligung
- Stadtverwaltung und -information - Einkaufen
Das "virtuelle Rathaus" wird aufgebaut in Form von 4 Blöcken:
* Rat: Interaktionsnetz zwischen Bürgerschaft und Gemeinderat
* Gemeindehaus: Info für Bürgerschaft zum Umgang mit der Verwaltung
* Online-Dienstleistungen (24-Stunden-Dienste)
* Umfagen: elektronisches Befragungssystem
* Zeitung: Infos auf regionaler Ebene als elektronisches Amtsblatt
Aus der seitherigen Erfahrung kann man auf eine Entwicklungszeit von 4-5 Jahren und eine
Umsetzungsphase von 10-15 Jahren schließen.
Der künftige Wettbewerbsfaktor
Seit den begründeten Voraussagen von John Naisbitt ist immer wieder erhärtet worden,
daß Kultur, Wissen und Bildung die wichtigsten Wettbewerbs- und Standortbedingungen der
Zukunft sind. Deshalb spricht man heute eher von Wissensgesellschaft als von
Informationsgesellschaft. Es geht künftig nicht mehr darum, daß ein bestimmtes, vom
Empfänger benötigtes Wissen ankommt. Die Hauptaufgabe der Zukunft wird es sein, solches
Wissen zu erarbeiten und für den Nutzer zugänglich zu machen.
Die Gesellschaft der Zukunft wird ein sehr unterschiedliches Wissen benötigen: für die
Wissenschaft, für die Wirtschaft - Produktion und Dienstleistung- für die Arbeitslosen,
für die Bildung, für die Freizeit etc. Es wird auch einen Unterschied geben zwischen dem
Wissen, das für die Globalisierung und dem, das für die Regionalisierung gebraucht wird.
1.3 Gesellschaftliche Konsequenzen
Nachdem kein Zweifel mehr darüber aufkommt, daß die Menschheit zur Zeit einen Wechsel
von der Industrie- zur Informationsgesellschaft erfährt, muß sich jeder Verantwortliche
und jeder Beteiligte mit den Konsequenzen dieses Wandels auseinandersetzen.
Sie werden einerseits darin zu erkennen sein, daß es das Alte nicht mehr gibt oder bald
nicht mehr geben wird, das heißt, die industrielle Fertigung und die damit verbundene
Form menschlicher Arbeit verliert dramatisch schnell an Bedeutung. Andererseits liegen in
dem Wandel zweierlei Ursachen für Konsequenzen: solche, die sich aus der Innovation des
neuen Handwerkszeugs, der neuen Technologie und solche, die sich aus der Fülle und der
Beschaffenheit der Informationen ergeben, die mit dem neuen Handwerkszeug gehandhabt
werden. Die schnelllebige Zeit, die für einen großen Teil der Menschheit in der modernen
Zeit Hektik und Streß bedeutete, wird in absehbarer Zukunft noch mehr an Schnelligkeit
gewinnen. Der Bedeutungsschwund der Zeit, der sich aus der Informationstechnologie ergibt,
reicht von den Nachrichten und Finanzströmen, die 24 Stunden lang über die ganze Erde
laufen bis zu der e-mail, die möglicherweise im Minutentakt beim privaten Netzteilnehmer
anlangt.
Der Münchner Medienphilosoph Florian Rötzer sieht einen neuen Lebensraum entstehen, den
der Tele-Existenz. Sie ist nicht mehr auf Zentren und räumliche Verdichtungen angewiesen.
Der "territoriale Mensch" ist nur noch zufällig im suburbanen Stadtgürtel
verortet. Er lebt aber im Cyberspace. Territorium und Revier boten dem Menschen
Identität, Stimulation, Sicherheit. Kann er sie im Cyberspace auch finden? Alles spricht
dafür, daß er die Kontakte mit den Fremden, mit der Familie, den Kollegen im Biergarten
noch mehr braucht als vorher, wenn er stundenlang im Internet gesurft ist. Selbst die
Tele-Freaks gestehen sich in den Pausen eine "face-to-face-Begegnung" zu.
Die Telematisierung macht erst wieder deutlich, wie umgebungs- und zeitbedingt unsere
Kommunikation ist. Auch die Videokonferenz wird nicht ersetzen können, was man in einer
Gesprächsrunde fühlt und riecht, wie das durch das Fenster fallende Licht sich
verändert und damit die Atmosphäre beeinflußt. Käme es wirklich zu der
prognostizierten Ortlosigkeit, würde das Territorialverhalten verschwinden. Der Eintritt
einer solchen Situation ist nicht wahrscheinlich. Einzelne Einbrüche werden sich jedoch
sicher einstellen. Die Frage, ob die virtuelle Stadt Fortschritt oder Rückschritt
bedeutet, ist berechtigt. Sie ist sicher nicht mit einfachen Erkenntnissen zu beantworten.
Medizinische Untersuchungen an japanischen Kindern, die tageweise vor dem Fernsehschirm
sitzen, haben erbracht, daß die Körperlichkeit, das Vermögen Arme und Beine zu bewegen,
verlorenzugehen droht.
Das Internet als herausragende Plattform der Informationsgesellschaft bringt die
Notwendigkeit einer neuen Ethik. Dies wird deutlich an zwei Phänomenen. Die Interaktion
beim E-Commerce, zur Cyber-Literatur, für rassistische oder pornographische Kommunikation
verlangen von Sendern und Empfängern Vertrauen und Kontrolle, Selbstbeschneidung. Bislang
sind geringe Chancen vorhanden, die damit verbundenen Probleme politisch oder juristisch
in den Griff zu bekommen. Die Infektionen mit Viren und die Übergriffe der Hacker haben
sich inzwischen zu sportlichen Wettbewerben entwickelt. Größere Institutionen schotten
sich inzwischen schon gegen solche Erscheinungen durch den Aufbau eigener Netze ab.
1.4 Lösungspotentiale
Große gesellschaftspolitische Konzepte werden künftig nur noch über eine hohe
Bürgerbeteiligung realisiert werden können. Motivation dazu ergibt sich aus Information
und Interaktion.
Ein Risiko liegt in der Gefahr, daß durch die direkten Interaktionskanäle die
repräsentative Demokratie Schaden nimmt.
Das nötige Wissen ist von der Wissenschaft in einer Form zu erbringen, die nicht mehr in
der Art unverständlicher Präsentation sondern dialogfähig geboten wird.
Die Bewältigung der Informationsflut ist für alle Bevölkerungsgruppen ein Hindernis,
das durch neue Zugriffsstrukturen gelöst werden muß.
Es gilt, eine neue Wahrnehmungskultur einzuleiten, die auf die Herkunft der Menschen, die
Besonderheiten der Wahrnehmenden Rücksicht nimmt.
Als Ergebnis öffentlicher Diskurse sollte der mögliche wirtschaftliche, soziale,
kulturelle und ökologische Nutzen und die möglichen negativen Folgen deutlich werden.
Wenn die künftige Wissensgesellschaft nicht nur den global Agierenden nützen soll,
sollte sie auch auf eine regionale Kultur der Herkunftbesonderheiten ausgerichtet sein.
Fortschritte für Arbeit, Freizeit und soziale Bedürfnisse sind künftig nur noch über
Kreatives und Innovatives zu erreichen. Die neuen Medien bieten dem Land außerhalb der
globalen Zentren dafür bislang nicht gekannte Kommunikationsmöglichkeiten.
Jetzt schon sind gesellschaftliche Konsequenzen der IT ersichtlich, die einer solchen
Entwicklung entgegenstehen, so z.B. die drohende Ortlosigkeit.
Die skizzierten Chancen und Risiken sind nur über ein integratives Konzept in Griff zu
bekommen.
Dazu kann der Aufbau eines Kommunalen Kunden-Services mit Hilfe moderner Netzwerke
ausschlaggebend beitragen. Ein solches Instrument gibt es noch nicht. An vielen Stellen
wird mit Hilfe verschiedener Ansätze daran gearbeitet. Um Fehler zu vermeiden und Energie
zu sparen, sollten die Erfahrungen genutzt werden. Dann könnte im Zuge dieses Projektes
sogar rasch Praktikables entstehen.
Kernpunkte eines derartigen Konzeptes sollten sein:
* Ein Service-Modell, das die privaten Aspekte einer Tele-Gemeinde im Sinne eines
Bürgernetzes für Kontakte, allgemeine Informationen, private Dienstleistungen umfaßt.
* Ein Service-Modell, das öffentliche und wirtschaftliche Aspekte einer Tele-Gemeinde im
Sinne eines "virtuellen Rathauses" und eines Wirtschaftsnetzes (Innovation,
Produktion, Dienstleistungen, Marketing) umfaßt.
* Ein Service-Modell, das öffentliche, private, wirtschaftliche und kulturelle und
insbesondere bildungspolitische Belange einer Tele-Gemeinde umfaßt, mit dem Ziel,
Kreatives und Innovatives zu schaffen.
Distance Learning
2.1 Problemstellung
Auf die Fragestellung, warum man über öffentliche Computernetze, insbesondere das
Internet, lernen solle, gibt es eine recht einfache wie plausible Erklärung:
Computernetzwerke fügen dem orts- und zeitunabhängigen (aber isoliertem) Lernen am
Einzelplatzcomputer eine neue, wichtige Komponente hinzu: die zwischenmenschliche
Kommunikation und Kooperation über öffentliche Netzwerke. Im Prinzip stellt dies die
logische und konsequente Weiterentwicklung des Lernens am Computer anhand spezieller
Lehrmaterialen (Computer-Based Training) und der offenen Lernumgebungen von CD-ROMs
(multimediales/hypermediales Lernen) dar. Es geht demnach um das Lernen in virtuellen
Räumen, um den Datenaustausch in Bruchteilen von Sekunden und um die Interaktion zwischen
Lehrenden und Lernenden bzw. zwischen den Lernenden selbst. Schlagworte hierzu sind das
"globale Klassenzimmer", "Tele-Vorlesungen" oder
"Tele-Labors". Warum diese neuen Ausbildungsformen bedeutende Potentiale für
die Zukunft eröffnen, ist Gegenstand der folgenden Ausführungen. Dabei werden
Erfahrungen der Verfasser ebenso dargestellt wie Studien, die national bzw. international
im Bereich Tele-Lernen gefunden wurden.
2.2 Begriffliche Abgrenzung Distance Learning
Der Begriff Fernunterricht, Tele-Lernen bzw. Fernlehre, im englischsprachigen Raum als
distance education, distance learning oder open distance learning (ODL)1 bezeichnet, ist
nur unzureichend geeignet, die vielfältigen Möglichkeiten der Neuen Medien
wiederzugeben. Auch vor der rasanten Entwicklung des Internet und anderer
Vernetzungsmöglichkeiten gab es so etwas wie Fernunterricht nach heutigem
Sprachverständnis, meist indem die entsprechenden Lernmaterialien an die Lernenden auf
dem Postweg zugeschickt wurden, im Selbststudium gelernt wurde und die physische
Anwesenheit an der Lehrinstitution nur zu Prüfungszwecken notwendig war (vgl.
http://www.ifs.univie.ac.at/~c9000961). Aufgrund dieser Unzulänglichkeit wird von manchen
Autoren auch der Begriff Tele-Lernen als Äquivalent für Fernunterricht verwendet, doch
auch dieser ist verwirrend. Man denke daran, daß in anderen Ländern schon längst das
Fernsehen oder das Radio zur schulischen Bildung Verwendung findet, vor allem in solchen,
wo eine dünne Besiedlungsdichte mit großen Distanzen einhergeht, z.B. in Finnland oder
Australien. Deshalb wird im folgenden der englische Begriff Distance Learning bzw. ODL
verwendet, damit eine eindeutige Begriffsabgrenzung möglich ist.
Der Terminus Distance Learning wird in der Literatur auf recht unterschiedliche Weise
definiert. Allerdings lassen sich bestimmte Kennzeichen festhalten, die alle gängigen
Definitionen mehr oder weniger stark implizieren:
* Lehrende und Lernende sind physisch voneinander getrennt und über die vielfältigen
Möglichkeiten der Neuen Medien miteinander vernetzt;
* die Kontrolle des Lehrfortschritts obliegt eher dem Lernenden als dem Lehrenden;
* zur Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden kommen asynchrone wie synchrone
Medien und Technologien zur Anwendung. Bei asynchroner Kommunikation liegt ein time-lag
zwischen dem Verfassen einer Botschaft und der Aufnahme der Botschaft durch denjenigen, an
den die Botschaft gerichtet ist (z.B. Email). Zu synchroner Kommunikation kommt es dann,
wenn dieser time-lag nicht besteht, z.B. in sog. Chat-Rooms.
(vgl. SHERRY 1996)
Tabelle 1: Pro und Kontra zum Lernen im Netz
Pro Lernen im Netz
Kontra Lernen im Netz
Dem Lerner bringt die Zukunft eine größere Verantwortung: Er managt seine intellektuelle
Entwicklung zunehmend selbst. Als Schlüsselqualifikation zählt nicht mehr, Redemonologe
dem Gehalt nach wiederzugeben und beim stundenlangen Zuhören einen interessierten
Eindruck zu erwecken. Der Schüler von morgen sucht sich den Lehrer nach seinen
Bedürfnissen aus. Er trifft die Wahl dann, wenn er das Wissen im Alltag braucht. Er sucht
sich weltweit Menschen, die ihn ein Stück des Weges begleiten - Menschen, mit denen er
über das Gelernte diskutiert. Er testet seinen Fortschritt an der Praxis. Und er tauscht
öfter die Rollen: Wer heute lernt, kann morgen Moderator, Redakteur und Coach für andere
sein.
(REIMANN und SCHULT 1996, S. 186)
Was genau wird mit Computern unterrichtet? Auf den ersten Blick lernen die Schüler Lesen,
Maschineschreiben und die Anwendung von Programmen. Ich möchte wetten, daß der geheime
Lehrplan ganz anders aussieht: Ihnen wird beigebracht, stundenlang auf den Bildschirm zu
starren. Wie man ohne Widerworte akzeptiert, was eine Maschine sagt. Daß die Welt ein
passiver vorprogrammierter Ort ist, wo ein Mausklick die richtige Antwort bringt. Wie man
vergängliche und oberflächliche Kontakte per e-mail-Direktübertragung knüpft. Daß es
keiner Selbstbeherrschung bedarf, weil man Frustrationen per Taste wegzappen kann. Daß es
auf Grammatik, analytisches Denken und menschliche Beziehungen nicht ankommt.
(STOLL 1995, S. 218)
Quelle: DÖRING 1997
Außer der weitgehenden Selbstbestimmung des Lernprozesses ermöglicht das Lernen mit
Hilfe der Neuen Medien noch stärker als traditioneller Unterricht, Fragen aufzuwerfen
bzw. selbst zu entdecken und erst dann Antworten aus den Informationsverknüpfungen zu
finden (vgl. THISSEN 1997). Dabei kommen geeignete Informationstechnologien zur Anwendung,
damit die Kommunikation zwischen dem Lehrenden und Lernenden bzw. die Vermittlung von
Wissen über große Distanzen hinweg ermöglicht wird. Diese Technologien sind Gegen-stand
der folgenden Ausführungen.
2.3 Informationsmedien und -technologien
2.3.1 CD-ROM
CD-ROMs sind hervorragend dazu geeignet, eine große Datenmenge unter Verwendung von Text,
Bild und Video sowie interaktiven Anwendungen für den Lernenden in multimedialer Form
aufzubereiten. Probleme ergeben sich allerdings dadurch, daß dieser Datenträger nur
einmal beschrieben werden kann und Informationen daher nur durch Austausch des
Datenträgers aktualisiert werden können. Darüber hinaus stehen der Lernende und
Lehrende nur indirekt über die Lehrmaterialien in Verbindung. Daher ist dieses Medium
eigentlich nicht als ODL-Technologie zu sehen. Allerdings stellt es kein Problem dar, die
Lehrmaterialien mit Hyperlinks zu Datenbeständen und Anwendungen globaler Netze zu
verknüpfen, was einer Öffnung dieses Mediums hin zu einem ODL-Medium gleichkommt.
2.3.2 World Wide Web (WWW)
Die genannten Nachteile können über das WWW ausgeglichen werden (Aktualisierung), wobei
ebenso eine Fülle an multimedialen Daten zur Verfügung gestellt werden können. Die
Lehrinhalte können dabei durch sog. Hyperlinks miteinander verknüpft werden (dies ist
auch bei CD-ROMs üblich), weiters sind Verknüpfungen zu weiterführenden Lehrmaterialien
aus anderen Quellen möglich (vgl. o.V., 1997a). Der Zugang zum WWW wird über Provider
hergestellt, die Kosten dafür sind unter anderem zeitabhängig (neben der Gebühr, die an
den Provider abgeführt werden muß), sobald der Zugang über das Festnetz der Telekom
hergestellt wird. Dies kann unter Umständen einen entscheidenden Nachteil gegenüber der
CD-ROM darstellen, vor allem dann, wenn große Datenmengen transferiert werden müssen
(z.B. bei Videos). Da dieser Datentransfer nicht nur Kosten verursacht, sondern auch
längere Wartezeiten mit sich bringt, ist auch die abnehmende Aufmerksamkeit des Lernenden
zu berücksichtigen.
2.3.3 e-mail
Über e-mails kann die Kommunikation zwischen dem Lernenden und Lehrenden rasch und
effektiv durchgeführt werden. Neuere e-mailprogramme erlauben dabei die Verwendung von
Bildern ebenso, wie auch unterschiedliche Formatierungen innerhalb des übermittelten
Textes. Auch gesprochene Botschaften können natürlich als Datenfile übermittelt werden,
allerdings ist die Kommunikation über e-mails immer asynchron, d.h. eine unmittelbare,
reaktive Kommunikation ist nicht möglich (dies gilt im übrigen auch für die folgenden
Informationsmedien).
2.3.4 Diskussionsforen
Über Newsgroups oder Mailinglisten können sich mehrere Personen der Diskussion
bestimmter Sachthemen widmen. Diese virtuellen Diskussionsformen haben daher den Vorteil,
daß sich alle in den Lernprozeß verwickelten Personen beteiligen müssen, wodurch eine
Mehrzahl an Meinungen generiert werden. Auch bleibt mehr Zeit zur Reflexion der
Diskussionsbeiträge (vgl. o.V. 1997a). Mailinglisten bedienen sich zur Datenübermittlung
des traditionellen Emails, Newsgroups können auf eigens dafür installierten Servern
unter Verwendung einer geeigneten Software aufgerufen werden.
2.3.5 Shared-Edititing-Systeme
Darunter sind Softwarelösungen zu verstehen, die es mehreren Teilnehmern ermöglichen,
gemeinsam Dokumente zu erstellen bzw. zu bearbeiten. Dadurch können räumlich (und/oder
zeitlich) getrennte Lerngruppen als virtuelles Teamwork agieren und gemeinsam eine
Aufgabenstellung bearbeiten.
2.3.6 Java-Applets
Durch Java-Applets bzw. CGI (Common Gateway Interfaces) wird die Datenabfrage bzw. die
gezielte Suche nach Informationen z.B. über Formulare ermöglicht. Diese Suchabfragen
werden in Informationsmaterialien, die über das Internet angeboten werden, integriert und
ermöglichen dadurch ein Mehr an Interaktion mit dem Medium, als dies bei einfachen
HTML-Seiten der Fall ist.
2.3.7 Softwareagenten
Darunter ist die persönlichkeitsbezogene Bereitstellung von Informationen zu verstehen,
wobei diese Agenten Softwarelösungen darstellen, die über ein mehr oder weniger großes
Ausmaß an "Lernfähigkeit" und "Aufmerksamkeit" verfügen (vgl. VAN
DE VELDE 1997). In ihrer fortgeschritteneren Version können sie sogar einen persönlichen
Begleiter und Führer für Lernende darstellen. Darunter sind Agenten zu verstehen,
"die nach dem Information-Push-Modell funktionierten. Das Netz würde sich dann in
einen, active pool of information' verwandeln, in einen Bereich, in dem ich nicht mehr
selber nach Informationen suchen muß, sondern in dem mir ausgewählte und gewünschte
Informationen von digitalen Butlern' geliefert werden, und zwar von zahlreichen
Butlern, die um meine Aufmerksamkeit und meine Gunst geradezu buhlen müssen, und sich
daher besonders anstrengen, meinen Informationsansprüchen gerecht zu werden. Darüber
hinaus bringen mich diese Agenten, falls gewünscht, ständig in Kontakt mit Leuten, mit
denen ich mich wirklich gerne unterhalten möchte'. Sie versetzen mich also in einen
context for interaction', in dem ich wunderbar mit genau den richtigen Leuten
plauschen und verkehren' kann" (KREMPL 1997).
2.3.8 Einseitige Übermittlung von Sprach- und Videodaten
Eine recht ausgereifte Technologie stellt mittlerweile die Übermittlung von Soundfiles,
in geringerem Ausmaß von Videofiles dar. Vor allem ist hierbei RealAudio und RealVideo
(siehe http://www.realaudio.com) zu nennen, die maßgeblich an der Verbreitung dieser
Technologien geführt haben. Im Prinzip werden Sprach- und Videodaten wie ein normales
Datenfile auf einem Client-Server zur Verfügung gestellt. Eine spezielle Software lädt
die Daten "stückweise" von diesem Server, sobald dies gewünscht wird, weshalb
nicht das gesamte File heruntergeladen werden muß. Es kann daher sofort mit dem Anhören
bzw. Ansehen begonnen werden, wobei im Hintergrund ständig neue Daten vom Server bezogen
werden. Durch diese Zwischenpufferung kommt das einer Radio- bzw. TV-Übertragung relativ
nahe, auch wenn deren Qualität naturgemäß reduziert ist. Im Bereich des ODL kann diese
Technologie einen wichtigen Beitrag zur Bereicherung und Erläuterung von
Bildungsangeboten leisten. Vor allem handelt es sich dabei um eine recht ausgereifte
Technologie die kostengünstig eingesetzt werden kann. Neben Texten und Bildern stehen
dadurch auch Sprache, eingeschränkt sogar Videos zu Erklärung von Sachverhalten zur
Verfügung.
Die bisher dargestellten Informationsmedien bzw. -technologien stellen im Prinzip eine
asynchrone Verbindung zwischen Lernenden und Lehrenden her. D.h., es kommt zwar zu keiner
unmittelbaren Kommunikation in Echtzeit zwischen beiden, allerdings haben beide damit ein
"hohes Maß an Freiheit und Selbstbestimmung, da Ort und Zeitpunkt sowie
Geschwindigkeit des Lernprozesses im Idealfall frei gewählt werden können" (o.V.
1997a). Im Unterschied hierzu ist bei den synchronen Informationsmedien ein bestimmtes
Maß an Abstimmung und Koordination vonnöten, da die beiden Parteien in zeitlicher
Abstimmung über das Netz aufeinandertreffen. Zu diesen Medien sind die folgenden Punkte
zu zählen:
2.3.9 Internet Chat Relay
Über diese Chatprogramme, kurz IRC genannt, ist es möglich, daß sich eine Vielzahl von
Teilnehmern simultan in einem virtuellen Raum (Chatroom) treffen und über bestimmte
Themenbereiche diskutieren. Zu den bekanntesten Softwarelösungen zählen sicherlich
PowWow (http://www.tribal.com) bzw. Microsoft Chat (http://www.microsoft.com/). Allen
Programmen ist gemeinsam, daß die Teilnehmer über die Tastatur miteinander
kommunizieren, d.h. daß die geschriebene Sprache noch immer vorherrschend ist und die
echte, mündliche Kommunikation über das Netz maximal bei einer Kommunikation zwischen
zwei Personen geführt werden kann, z.B. über Internet Phone. Dies hat aber sehr
wesentliche Vorteile. Aus didaktischen Gründen ist es für eine überlegte und objektive
Diskussion häufig besser, wenn die Diskussionsbeiträge schriftlich festgehalten werden
(die Macht des Faktischen), wie eben bei einer Diskussion über IRCs. Naturgemäß müssen
bei einer derartigen Kommunikation auch bedeutende Nachteile in Kauf genommen werden. So
können Mimik und Gestik des Gegenübers, ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen
Kommunikation, nicht beobachtet werden. Auch ist der Unterhaltungswert derartiger
Chatprogramme nicht gerade als hoch anzusehen, was zu einer raschen Abnahme des Interesses
nicht zuletzt aufgrund eines raschen Gewohnheitseffektes der Teilnehmer führen kann.
Microsoft Chat beispielsweise versuchte daher, die Kommunikation der Teilnehmer dadurch zu
bereichern, daß jedem Chat-Teilnehmer ein eigener Comic-Charakter zugewiesen wird,
wodurch auch ein eingeschränktes Übermitteln von Gefühlen, Mimik und Gestik möglich
wird (Ärger, Lachen, Verwunderung usw.). Die dadurch entstehenden Comicstrips entbehren
nicht eines gewissen Unterhaltungswertes, weshalb sie vor allem dort zu einem wesentlich
größeren Entertainmentwert führen, wo das Involvement der Teilnehmer nicht 100%ig
vorausgesetzt werden kann (bei einer streng wissenschaftlich geführten Diskussion von
Experten über IRCs wird diese Kommunikation dagegen eher störend denn bereichernd sein).
Nähere Informationen zu dieser Technologie sind dem Kapitel 2.7.5 zu entnehmen.
2.3.10 Videokonferenzsysteme und Internet-Telefonie
Zu den noch nicht völlig ausgereiften Technologien - vor allem wegen der noch immer zu
geringen Übertragungsgeschwindigkeit der globalen Netzwerke - können
Videokonferenzsysteme und Internet-Telefonie gezählt werden. Diese weisen vor allem dann
noch bedeutende Mängel auf, wenn keine übermäßig hohen Investitionen für die
eigentliche Hardware getätigt werden sollen. Das bekannteste Beispiel für eine derartige
Softwarelösung dürfte CU-SeeMe sein (http://www.cuseeme.com/) bzw. Internet-Phone. Die
Verfasser konnten selbst an einer Videokonferenz teilnehmen, wobei diese ausgesprochen gut
funktionierte, da die Österreichische Telekom selbst an der Durchführung dieser
Videokonferenz maßgeblich beteiligt und interessiert war. So konnten
überdurchschnittlich gute und konstant gehaltene Übertragungsgeschwindigkeiten
garantiert werden, einer der Hauptgründe für das gute Gelingen der Videokonferenz (siehe
hierzu Kapitel 2.7.5).
Trotz der Mängel, die auch heute bei dieser Technologie vorkommen, werden diese Systeme
in Zukunft an Bedeutung gewinnen, da sich die Datentransferraten stetig erhöhen. Schon
heute ist es zu relativ geringen Kosten möglich, daß auch Privathaushalte über einen
ISDN-Anschluß verfügen (eine reduzierte Bildwiederholrate, z.B. 10-15 Bilder/Sekunde,
ist für eine Videokonferenz durchaus ausreichend). Dieser Anschluß hat den
entscheidenden Vorteil, daß eine doppelt so hohe Übertragungsrate wie beim
herkömmlichen Telefonanschluß erzielt wird. Daher wird heute bei vielen Videokonferenzen
zumindest ein ISDN Anschluß, häufig auch ein LAN (Local Area Network), verwendet, weil
es sich beim ISDN um eine ökonomische Lösung zur Realisierung von Videokonferenzen
handelt. Naturgemäß gibt es regional starke Unterschiede in der Dichte der
ISDN-Anschlüsse. Im städtischen Bereich ist sie sicherlich höher als in den meisten
ländlichen Regionen, auch wenn sich dieser Unterschied Stadt/Land zunehmend verringert.
Einen allgemeinen Überblick zum Thema Videokonferenzen ist unter der Internetadresse
http://www.kn.pacbell.com/wired/vidconf/description.html zu finden. Der Nutzen, der nach
gängiger Ansicht aus Videokonferenzsystemen für ODL und für die Verwender erzielt
werden kann, ist vielgestaltig (siehe REED, 1998):
* Erhöhung der Motivation der Fernlernenden
* Erhöhung der Kommunikations-, Präsentations- und Managementfähigkeiten
* Erhöhung der Vernetzung mit der "Welt da draußen"
* Vertiefung des Gelernten und Verbesserung der Lernvorgangs
Insgesamt werden bei Videokonferenzen üblicherweise bessere Fragen gestellt, der Lernende
nimmt mehr Bedacht auf die Kommunikation und bekommt dabei recht konkrete Vorstellungen
über die kulturellen Unterschiede in der Kommunikation, da auch Gestik und Mimik des
Gegenübers übermittelt wird. Insgesamt gesehen scheint diese Technologie daher eine
Technologie der Zukunft zu sein, die gerade im Bereich des ODL zu einer wichtigen
Bereicherung der synchronen Kommunikation führen wird.
2.3.11 Dreidimensionale, virtuelle Lernwelten
Zu den Entwicklungen der jüngsten Zeit gehören in VRML (Virtual Reality Markup Language)
programmierte virtuelle Welten, in denen der User einen virtuellen Charakter zugewiesen
bekommt bzw. selbst entwirft (Spielfiguren, sog. Avataren). Hier gibt es bereits eigens
entwickelte Client-Server Lösungen (z.B. von der Firma BLACKSUN; vgl. o.V. 1997a),
allerdings ist der derzeitige Anwendungsbereich rein kommerzieller Natur, hauptsächlich
für Marketingzwecke (vgl. o.V. 1997a). Auch hier böte sich eine Weiterentwicklung hin zu
einer hochmotivationalen, didaktisch ausgereiften Lehrplattform an, auch wenn hierbei dann
besser von Edutainment (Kunstwort aus Education und Entertainment) zu sprechen sein wird.
In diesen Bereich wären auch die sog. MUDs (Multi-User-Dungeons)2 und MOOs
(Multi-User-Dungeons Object Oriented) zu zählen, i.e. ebensolche virtuelle (Spiel)welten,
in denen sich die Besucher treffen können. Ansätze zu Lernwelten, die auf dieser
Technologie basieren sind bereits vorhanden (z.B. die MOO der DIVERSITY UNIVERSITY; siehe
http://www.du.org/places/du/dumoo/loginto.htm).
2.4 Aktivitäten im Netz
Im Prinzip können die oben genannten Informationsmedien bzw. -technologien für vier
verschiedene Aktivitäten im Netz - heute ist damit meistens das Internet gemeint -
eingesetzt werden (vgl. DÖRING, 1997):
1. Informationen abrufen
2. Informationen anbieten
3. Kommunikation mit anderen, örtlich getrennten Personen3
4. Kooperation mit anderen, örtlich getrennten Personen3
Naturgemäß handelt es sich bei den meisten Handlungen, die der einzelne im Internet
setzt, um eine Mischform aus obigen Aktivitäten. Es ist aber dennoch zielführend, sich
die Aufteilung von Handlungen im Internet nach obigem Schema zu verdeutlichen, damit die
Frage, welche Medien bzw. Technologien bei der Realisierung eines ODL-Vorhabens Verwendung
finden sollen, beantwortet werden können. Die ersten beiden Punkte stehen im Zusammenhang
mit der Distribution von Information über Netzwerke. Die beiden letzten mit der
computergestützten Interaktion zwischen den Teilnehmern innerhalb eines ODL-Netzwerks
(Lehrende, Lernende und administrative Teilnehmer).
2.4.3 Informationen abrufen
Damit von Benutzern Information sinnvoll abgerufen werden können, muß er/sie sich recht
einfach Zugang zu diesen verschaffen können. D.h. er/sie benötigt Suchmaschinen, damit
die entsprechenden Quellen gefunden werden und Navigationshilfen, damit er/sie sich in der
einzelne Informationsquelle zurechtfindet usw. Recht anschaulich wird dies im WWW.
Einerseits sind zahlreiche Suchmaschinen verfügbar, auch solche, die sich nur spezifisch
auf einen Teilbereich oder ein Interessensgebiet beschränken, andererseits sind viele
Internet-Angebote so strukturiert, daß man sich auf ihnen relativ leicht orientieren kann
und recht rasch das findet, was man eigentlich sucht (naturgemäß ist auch Gegenteiliges
zu finden).
2.4.4 Informationen anbieten
Informationen müssen in entsprechender Weise zur Verfügung gestellt werden. D.h. daß
sowohl auf die Inhalte als auch auf das äußere Erscheinungsbild Rücksicht genommen
werden muß. Standen früher eine Zurverfügungstellung von Inhalten im Vordergrund4, muß
heute zunehmend auch die "Verpackung" der Inhalte berücksichtigt werden, um
beim Benutzer auf Interesse zu stoßen. Das trifft natürlich ganz besonders auf
Lehrinhalte zu, da Wissen relativ leicht vermittelt werden kann, wenn das Interesse des
Lernenden geweckt werden kann und relativ schlecht, wenn dies nicht oder nur unzureichend
gelingt. Gerade in Zeiten der Informationsüberflutung scheint es wichtiger denn je, die
Inhalte entsprechend zu präsentieren.
Für beide Aktivitäten gilt, daß eine Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden hier
noch nicht notwendig ist, auch wenn es zu einer (eingeschränkten) Interaktion zwischen
demjenigen, der Informationen sucht und der jeweiligen Suchmaschine kommt. Für diese
Aktivitäten genügen im Prinzip einschlägige Browser-Programme (Netscape, MS Explorer)
bzw. FTP-Programme, damit der Datentransfer vom und zum Server effizient gestaltet werden
kann. Will man darüber hinaus eine aktive Kommunikation zwischen Personen in die
Lehrinhalte integrieren, so sind weitere Softwareprogramme notwendig, die bis hin zu sehr
speziellen Expertenlösungen gehen können.
2.4.5 Kommunikation mit anderen, örtlich getrennten Personen
Der heute einfachste Weg, mit anderen Personen in Kommunikation zu treten, stellen
sicherlich e-mails dar. Diese haben gegenüber dem traditionellen Postweg vor allem zwei
Vorteile:
* eine wesentlich höhere Übertragungsgeschwindigkeit der Botschaft;
* die Möglichkeit, relativ große Datenmengen zu verschicken.
Allerdings scheint eine Kommunikation in der Lehre (gilt auch für den nächsten Punkt
Kooperation), die nur auf Basis von e-mails gestaltet wird, nicht unbedingt befriedigend.
Sie sollte vielmehr nur eine Bereicherung des ODL darstellen.
Bereits angesprochen wurden auch die folgenden Technologien: Chatrooms, virtuelle Räume,
Videokonferenzsysteme usw. Diese stellen eine wesentliche Bereicherung in der Lehre über
e-mails hinaus dar und konnten auch von den Verfassern schon eingesetzt werden. Die
Erfahrungen, die hierbei gemacht werden konnten, sind Gegenstand des Kapitels 2.7.6.
2.4.6 Kooperation mit anderen, örtlich getrennten Personen
Im Prinzip gelten obige Ausführungen auch für die Kooperation zwischen Personen.
Allerdings wird es häufig notwendig sein, in Echtzeit zusammenzuarbeiten. In diesem Fall
ist die Kooperation z.B. über den Austausch von e-mails nicht zielführend, da der
Datentransfer doch gewisse Verzögerungen mit sich bringt, was schnell zu einer Abnahme
der Motivation führen kann. Besser scheinen hierzu letztgenannte Technologien geeignet zu
sein, um eine Kooperation in Echtzeit zuzulassen.
2.5 Didaktische Herausforderung an ODL
2.5.3 Rahmenbedingungen
In der Literatur werden vor allem fünf Punkte genannt, die ein Scheitern der
ODL-Bemühungen verursachen werden. Teilweise konnten auch die Verfasser selbst ähnliche
Erfahrungen im Zusammenhang mit ODL machen, diese werden Gegenstand des Kapitels 2.7 sein.
1. Die Lehrkraft hat zu wenig Kompetenz im Bereich Neue Medien. Dies kann häufig
beobachtet werden, wenn Lehrkräfte mit den Segnungen der Neuen Medien beglückt werden,
ohne daß sie dies selbst wollten. Daher muß bei Projekten, wie dem hier vorliegenden
nicht nur an die Abnehmer der Informationen gedacht werden, sondern auch an die
Informationsanbieter. Dies könnten z.B. die Gemeinde, geeignete Schulungszentren
(Telezentren bzw. -häuser) usw. sein.
2. Die Teilnehmer haben kein und nur sehr geringes Interesse für die Neuen Medien. Diese
Frage sollte sich jeder Informationsanbieter stellen, ehe er an die Informationen selbst
denkt: Interessiert sich die potentielle Zielgruppe für dieses Medium, um an meine
Informationen zu gelangen bzw. um mit mir zu interagieren/kommunizieren? Für das Thema
der Studie muß demnach die Frage gestellt werden, ob die Bevölkerung, die in den
Ortschaften der Pilotprojekte leben, genügend Interesse für die Neuen Medien hat. Und
wenn nicht, stellt sich weiters die Frage, ob mittelfristig Interesse geweckt werden kann.
3. Der Internetzugang ist stark reglementiert. Zwar stellt sich dieses Problem zunehmend
weniger, da die Kosten für Hardware stetig gesunken sind, doch muß naturgemäß auch die
Frage gestellt werden, wie die potentiellen Interessenten zu erreichen sind (Dichte der
Haushalte, die über eine Internetzugang verfügen; Schulungsplätze in Telehäusern in
der Umgebung usw.). Auch stellt die Frage nach den Kosten für die Vernetzung (Wo ist der
nächste Provider? Wie hoch sind die Kosten/Minute bzw. Kosten/Schulungseinheit?) ein
nicht unerhebliches Hemmnis dar.
4. Es steht keine oder eine nur unzureichende Benutzungsberatung zur Verfügung. Ehe an
die Vermittlung von Wissen gedacht werden kann, muß naturgemäß immer auch
berücksichtigt werden, daß ausreichende Computerkenntnisse vonnöten sein werden, damit
Installations-, Bedienungs- und sonstige damit im Zusammenhang stehende Probleme soweit
als möglich vermieden werden können.
5. Die Erwartungen, die an die Neuen Medien in diesem Zusammenhang gestellt werden, sind
zu hoch. Die Verlagerung der Lehre z.B. in virtuelle Räume stellt sicherlich noch nicht
den Stein der Weisen dar. Es muß vor allem betont werden, daß die Neuen Medien kein
Ersatz für den persönlichen Kontakt zwischen den Lehrenden und den Lernenden sein kann.
Vor allem in der Startphase gilt dies ganz besonders.
Naturgemäß werden immer gewisse Probleme im Zusammenhang mit obigen Punkte auftreten.
Durch konsequente Planung, vor allem auch unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der
eigentlichen Nutzer, kann aber davon ausgegangen werden, daß diese Problembereiche recht
positiv beeinflußt werden können. Letztendlich wird es notwendig sein, sich mit obigen
Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen, damit ein Lehrkonzept über ODL greifen kann (vgl.
DÖRING 1997).
2.5.4 Benutzerfreundlichkeit von Kommunikationssystemen
Obige Rahmenbedingungen können durch verschiedene Maßnahmen verringert, im Optimalfall
sogar verhindert werden, was einer effektiven Nutzung der Neuen Medien für die Fernlehre
gleichkommt. Der wichtigste Punkt dabei ist die entsprechende Auswahl und Gestaltung der
zu verwendenden Kommunikationsmedien und -technologien, die das Kommunikationssystem
ausmachen. Damit ein Kommunikationssystem im Bereich ODL als geeignet bezeichnet werden
kann, muß es vor allem ausreichend benutzerfreundlich sein. Um von einer
benutzerfreundlichen Kommunikationssystem im ODL-Bereich sprechen zu können, müssen
bestimmte Kriterien gegeben sein (vgl. FRITSCH 1997):
* Selbsterklärungsfähigkeit: Das System und die darin enthaltenen Funktionen sollten
für den Benutzer leicht verständlich sein und sich im Idealfall selbst erklären. Der
Benutzer sollte nicht dazu gezwungen werden aufgrund wenig aussagekräftiger Bezeichnungen
der Steuerungsmöglichkeiten nachzuforschen, was damit gemeint sein könnte.
* Erwartungskonformität: Das System sollte sich so verhalten, wie dies vom Benutzer
erwartet wird. Überraschungen sind in diesem Bereich negativ zu bewerten. Ein Verstoß
gegen die Erwartungskonformität ist z.B. dann gegeben, wenn der Benutzer das System
anweist, eine Nachricht zu verschicken, diese Nachricht aber entgegen seinen Vorstellungen
nicht sofort verschickt wird, sondern erst lokal zwischengespeichert und nach Aufruf eines
weiteren Befehls versendet wird.
* Übersichtlichkeit: Das System sollte eine einfache und klare Struktur aufweisen, d.h.
es soll dem Benutzer helfen, die Übersicht zu behalten und ihn nicht verwirren. Zur
Übersichtlichkeit trägt eine einheitliche und strukturierte Oberflächengestaltung bei,
die sich auch in tieferen Programmhierarchieebenen fortsetzt. Zusätzlich können vom
Benutzer frei definierbare Gestaltungselemente der Oberfläche hilfreich sein.
* Steuerbarkeit: Der Benutzer steuert das System und nimmt bewußt Einfluß auf den
Programmablauf. D.h., daß u.a. auch die Reihenfolge der durchzuführenden Aktionen nicht
vom System bestimmt wird, sondern der Benutzer bewußt darauf Einfluß nehmen kann. Er/Sie
sollte bestimmen wann er/sie welche Nachricht lesen oder schreiben möchte. Auch die Art
der Darstellung der Struktur der Beiträge sollte von ihm/ihr gesteuert werden können.
Zur Steuerbarkeit gehört daher auch die Navigation durch die vorhandenen Mitteilungen und
das Einfügen neuer Mitteilungen.
* Fehlertoleranz: Macht der Benutzer einen Fehler, soll das System eine Korrektur
ermöglichen, z.B. durch die Möglichkeit, erteilte Befehle rückgängig zu machen.
Falscheingaben sollten möglichst (z.B. durch entsprechende Rückfragen) vermieden oder
zumindest erkannt werden. Systemkritische Befehle (Löschen, Überschreiben, Datenversand
über Internet etc.) sollten auf alle Fälle durch Rückfragen bestätigt werden.
* Ausführungsgeschwindigkeit: Indem moderne Programme stetig an Umfang zuge-nommen haben,
müssen auch die Hardwarevoraussetzungen der gesteigerten Komplexität von
Programmabläufen Rechnung tragen. Darüber hinaus ist gerade im Bereich von interaktiven
Anwendungen in öffentlichen Netzwerken, wie sie für ODL-Zwecke sinnvollerweise
eingesetzt werden können, auf ausreichende Übertragungsgeschwindigkeiten zu achten.
Gerade hier liegt auch die Schwierigkeit in der Beurteilung der
Ausführungsgeschwindigkeit. Häufig liegt es nicht an einer schlechten
Hardwareausstattung, daß Programmabläufe im Bereich ODL zu schleppend vor sich gehen,
sondern an einer zu langsamen Serververbindung bzw. Übertragungsgeschwindigkeit.
* Automatische Installation/Deinstallation: Die Vorbereitung des Systems bis zum ersten
Programmaufruf sollte sowohl auf dem Server als auch auf den Clients möglichst einfach
sein. Auch das Entfernen des Systems sollte auf einfache Weise vorgesehen werden. Dies ist
eine für die Systemadministratoren (Seminaranbieter) äußerst wichtige Forderung. Die
Systembenutzer werden nur insoweit betroffen sein, als die Nutzung des ausgewählten
Kommunikationstools die Einrichtung zusätzlicher Anwendungen erfordert
(HelperApplications, z.B. AcrobatReader, WordViewer, Videokonferenzsoftware o.ä.).
* Ressourcenschonung: Das Kommunikationsystem sollte auf allen beteiligten Rechnern, d.h.
dem Server und den Clients, möglichst wenige Ressourcen für sich beanspruchen
(Arbeitsspeicher, Festplatte). Diese Forderung muß schon deshalb gestellt werden, weil
mit einer ressourcenschonenden Softwareprogrammierung meist auch ein Weniger an Daten, die
übertragen werden müssen, verbunden ist. Dies kommt u.a. der Ausführungsgeschwindigkeit
(siehe oben) entgegen.
Leider müssen häufig Kompromisse eingegangen werden. So ist es beispielsweise nicht
möglich, die Datentransferrate beliebig zu erhöhen. Ist es aus didaktischen Gründen
sinnvoll, bestimmte Systeme (z.B. Videokonferenzsysteme) zu verwenden, kann des daher
durchaus vorkommen, daß die Performance des Gesamtsystems reduziert wird. Eben weil die
kontinuierliche Übertragung von Bildern doch eine wesentlich höhere Systembelastung mit
sich bringt, als wenn darauf verzichtet wird. Je komplexer die ODL-Systeme aussehen
müssen, damit in gewünschtem Maße Wissen vermittelt wird, um so eher wird es zu einer
Verletzung obiger Prämissen kommen. Es ist aber ratsam vorab mit den zukünftigen Nutzern
zu klären, wo Restriktionen möglich sind und wo nicht.
Obige Kriterien gelten im übrigen auch für dem ODL verwandte Bereiche, wie Virtual
Government, Telearbeit usw. Auch bei diesen Anwendungen der Neuen Medien ist es wichtig
auf Lösungen hinzuarbeiten, die selbsterklärend, ressourcenschonend, tolerant gegenüber
Falschbedienung usw. sind. Es sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, daß
Programme so geschrieben werden, daß sie dem Menschen einfach und verständlich
nähergebracht werden könne, ohne daß diese zu Computer- und Kommunikationsexperten
ausgebildet werden müssen.
2.6 Virtuelle Bildungseinrichtungen im universitären Bereich
2.6.3 Fernuniversitäten
Da Universitäten als Bildungseinrichtungen im Bereich ODL nach wie vor eine vorrangige
Stellung einnehmen und schon sehr frühzeitig das Potential für derartige
Informationsangebote erkannten, soll im folgenden auf einige Beispiele näher eingegangen
werden, vor allem auf solche, die sich in diesem im Bereich besonders profilieren konnten
(vgl. o.V. 1997b). Diese Beispiele zeigen insbesonders, daß eine Ausbildung mithilfe der
Neuen Medien durchaus möglich und sinnvoll ist. Bei einigen ist die physische Anwesenheit
von Studenten überhaupt nicht mehr notwendig.
Als derartige reine Fernuniversitäten können z.B. die beiden folgenden genannt werden.
Diese können als Virtuelle Lernumwelten angesehen werden (Virtual Education Environment
[VEE]; vgl. http://www.athena.edu/campus/vee.html).
* In Deutschland bietet mit Ausnahme einiger kleinerer Institute nur die Fernuniversität
Hagen (http://www.fernuni-hagen.de/) Kurse rein virtuell und zum Teil auch über Internet
an. Diese Universität ist bereits seit langem etabliert und bietet auch umfassendes
Informationsmaterial zu diesem Thema an.
* In den Vereinigten Staaten hat sich die erst jüngst gegründete "Virtual Online
University" (http://www.athena.edu/) ebenfalls in diesem Sektor etablieren können.
Ein Beispiel einer österreichischen Bildungseinrichtung, die sich ganz auf ODL
konzentriert ist die Virtuelle Fachhochschule für Telekommunikation in Salzburg
(http://www.edvz.sbg.ac.at/~samson/fhis/mud/vfh.htm). Diese ist allerdings noch im
Projektstadium und wird bei Projektfertigstellung mehrere Möglichkeiten im Bereich der
Fernlehre bieten:
* Interaktive Kurse, die von eingeloggten Vortragenden unter Zuhilfenahme von graphischen
Darstellungen im zur VFH gehörigen Graphik-client und dem WWW gehalten werden.
* Ein internes Mail- und Newssystem, das die asynchrone Kommunikation zwischen Studenten
und Professoren ermöglicht.
* Eine Skriptenbörse, die aufbauend auf FTP und lokalen Skripten dem Benutzer
Informationsmaterial und Kursunterlagen zur Verfügung stellt.
* Zugang zum WWW.
* Tutorien für die individuelle Betreuung der Studenten (z.B. in persönlichen
Sprechstunden im virtuellen Privatraum der Vortragenden) durch den jeweiligen
Vortragenden.
2.6.4 ODL zusätzlich zum Präsenzunterricht
Weit häufiger verbreitet sind Unterstufen des Ausbildungsmodells einer Fernuniversität,
die vollständig über ODL betrieben wird. Meist handelt es sich dabei um virtuelle
Studiengänge oder einzelne virtuelle Kurse, die an einer (möglichst anerkannten)
"realen" Universität oder Hochschule zusätzlich zu den Präsenzangeboten
angeboten werden. Manchmal ist es bei einzelnen Lehrbetrieben auch hier nicht nötig,
jemals die Universität vor Ort zu besuchen. An bestimmten Hochschulen ist allerdings die
körperliche Anwesenheit für die Ablegung von Prüfungen Pflicht, wie z.B. an der
City-University in Seattle (http://www.cityu.edu/) oder für eine Vorauswahl wie etwa eine
ansonsten rein im virtuellen Raum operierende Einrichtung in Hongkong
(http://www.online.edu/).5 (vgl. o.V. 1997b)
An in Europa gelegenen Bildungseinrichtungen ist vor allem die "Open University"
in London, GB (http://www.open.ac.uk/) zu nennen. Diese bietet online
Studienmöglichkeiten an, allerdings nur einzelne Kurse ohne vollständigen Abschluß. In
Deutschland wird an vielen Universitäten mit dem Einrichten von virtuellen (Aufbau-)
Studiengängen experimentiert, die meisten sind aber über das Experimentierstadium noch
nicht hinausgelangt. Stark vertreten sind dabei vor allem wirtschaftswissenschaftliche
oder wirtschaftsinformatische Lehrgänge wie z.B. an der Universität des Saarlandes
(http://lehre2000.iwi.uni-sb.de/) oder an der Universität Erlangen-Nürnberg
(http://www.wi1.uni-erlangen.de/wi1.html). Nicht zuletzt ist hierzu auch die Initiative
des Instituts für Agrarökonomik, Universität für Bodenkultur Wien
(http://www.boku.ac.at/iao/) zum interkulturellen Lernen im Marketingbereich zu zählen.
Die Erfahrungen die hierbei gewonnen werden konnten, werden Gegenstand des Kapitels 2.7.4
sein).
Weitere, außerhalb Europas angesiedelte, Bildungsangebote finden sich an den folgenden
Einrichtungen:
* Athabasca University, http://www.athabascau.ca/ (Kanada, rund 46 Online-Studiengängen)
* Algonquin Universität, http://www.algonquinc.on.ca/distance/main.html (Kanada,
Wirtschaftsstudiengänge und Computer-Einführungskurse)
* University of Kansas, http://www.cc.ukans.edu/ (USA)6
* University of Arizona, http://www.cmi.arizona.edu/ (USA)6
* University of South Africa, http://www.unisa.ac.za/ (Südafrika)
2.6.5 Bildungsnetzwerke
Eine wichtige Vermittlungsfunktion stellen Netzwerke zum Thema Distance Education dar. Sie
bilden eine recht gute Ausgangsbasis, um die Vielzahl an Ausbildungsmöglichkeiten
überblicken zu können. Beispiele hierzu konnten vor allem im US-amerikanischen Raum
gefunden werden:
* Global Network Acadamy Online Distance Education Catalog
(http://catalog.gnacademy.org/gnacademy/cgibin/frontpage.cgi)
* The Online Distance Education Learning Resource (http://www.edsurf.net/)
* The World Knowledge Network (http://www.wcc-eun.com/index.html)
Meist stellen diese Netzwerke Zusammenschlüsse mehrerer Bildungseinrichtungen dar
(Universitäten, Colleges etc.), damit eine Bündelung der Bildungsangebote erreicht
werden kann. Daneben haben sich auch Index-Verzeichnisanbieter etabliert, die zwar eine
Vermittlerfunktion einnehmen, aber keine eigenen Bildungsangebote einbringen. Ein Beispiel
für ersteres stellt das The World Knowledge Network (siehe oben) mit der Sektion
"Electronic University Network" dar. Von dieser werden rund 32 Abschlüsse mit
über 300 ODL-Kursen zu den verschiedensten Themen angeboten. Ein Beispiel für einen
Index-Verzeichnisanbieter stellt die
Global Network Acadamy dar. Hier werden rund 15.000 ODL-Kurse mit den unterschiedlichsten
Suchmöglichkeiten angeboten.
Neben den genannten Funktionen haben Netzwerke von Bildungseinrichtungen aber noch einen
weiteren entscheidenden Vorteil: Expertenwissen kann aggregiert werden und vielfältige
Aufgabenbereiche können zwischen den am Netzwerk beteiligten Institutionen aufgeteilt
werden, ohne daß dies dem Lernenden unbedingt bewußt werden muß. Dadurch kann auch mit
kleineren Teilnehmerzahlen operiert werden, ohne daß dafür der Aufwand zu hoch werden
würde. "Fernstudienprogramme sind dadurch charakterisiert, daß sie prinzipiell an
jedem Ort und zu jeder Zeit stattfinden können. In der Regel ist mit ihrer Entwicklung
ein höherer Produktionsaufwand verbunden, der seine Effizienz durch eine möglichst
große Zahl der Studierenden erzielt. Die Großorganisationen spezialisierter
Fernuniversitäten mit ihren fünf- bzw. sechsstelligen Studierendenzahlen erweisen sich
daher als naheliegender Lösungsansatz. Große Zahlen Fernstudierender sowie ein orts- und
zeitunabhängiger Zugang zu den Fernlehrangeboten sind aber auch in Netzwerken von
Hochschulen und deren Wissenschaftlern erreichbar" (BERNATH und KLEINSCHMIDT, 1995,
S. 5).
Die abschließende Aufstellung von ODL-Bildungseinrichtungen im universitären Bereich
wurde u.a. einer Aufstellung der Fernuniversität Hagen entnommen (siehe
http://www.fernuni-hagen.de/FeU/Restwelt/restwe_f.html):
Tabelle 2: Fernlehreinrichtungen
Land
Universität
URL
Australien
Churchill / Victoria, Monash University
http://www.monash.edu.au/
Geelong / Victoria, Deakin University
http://www.deakin.edu.au/
Murdoch, Murdoch University
http://www.murdoch.edu.au/
Costa Rica
Universidad Estatal a Distancia (UNED)
http://www.uned.ac.cr/
Dänemark
Jutland Open University
http://www.au.dk/uk/sam/ufolkeeu/ aabenudd.htm
Großbritannien
Open University
http://www.open.ac.uk/
Hong Kong
Open University of Hong Kong
http://www.ouhk.edu.hk/
Indien
Indira Gandhi National Open University
http://www.indialog.com/ignou/
Israel
Open University of Israel
http://www.openu.ac.il/
Kanada
Athabasca, Athabasca University
http://www.athabascau.ca/
Montreal, Concordia University
http://www.concordia.ca
Ontario, Laurentian University
http://www.laurentian.ca/
Vancouver, University of British Columbia
http://www.ubc.ca/index.html
Wolfville, Acadia University
http://webster.acadiau.ca/conted/
Mexiko
Universidad Virtual del Sistema Tecnologico de Monterrey
http://www.ruv.itesm.mx/
Niederlande
Open universiteit
http://www.ouh.nl
Norwegen
Norsk fjernundervisning (NFU)
http://www.nfu.no/
Portugal
Universidate Aberta
http://www.uni-ab.pt/
Schweden
Umeå University
http://www.univex.umu.se
Uppsala University
http://www.uu.se
Spanien
Universidad Nacional de Educacion a Distancia
http://www.uned.es/
Südafrika
University of South Africa (UNISA)
http://www.unisa.ac.za/
Südkorea
Korea National Open University
http://www.knou.ac.kr
Thailand
Sukhothai Thammathirat Open University
http://www.stou.ac.th
USA
New York, New York University
http://www.sce.nyu.edu/virtual
New York, SUNY Empire State College
http://www.esc.edu/HTMLpages/about.htm
Pennsylvania, Pennsylvania State University
http://www.cde.psu.edu/de
Virginia, Catholic Distance University
http://www.cdu.edu/
Seattle, City-University
http://www.cityu.edu/
Virtual Online University
http://www.athena.edu/
Dabei zeigt sich, daß neben den USA vor allem
Länder mit großer Fläche und relativ geringer Besiedelungsdichte als führend in diesem
Bereich angesehen werden können, da in diesen Ländern ein erhöhter Bedarf an derartigen
Ausbildungsmöglichkeiten besteht (Kanada, Skandinavien, Australien) und auch eine
längere Tradition in diesen Bereichen gegeben ist.
Dies wirkt sich nicht zuletzt in einer wesentlich höheren Quote an TelearbeiterInnen aus,
als dies bisher in Österreich verzeichnet werden konnte. Für diese höhere Quote sind
vermutlich zwei Gründe maßgeblich (beide stehen in engem Zusammenhang miteinander):
Durch die geringere Besiedlungsdichte und größere Entfernungen besteht ein wesentlich
höherer Bedarf an Telearbeit, weil dies u.a. zur Kostensenkung beiträgt.
Durch das höhere Ausbildungsniveau der Bevölkerung im Bereich der Neuen Medien herrscht
gleichzeitig eine höhere Akzeptanz derselben - ein wichtiger Faktor auch für die
Akzeptanz von Telearbeit.
Dies zeigt, daß durch den Einsatz Neuer Medien im Bildungsbereich langfristig auch eine
höhere Telearbeitsquote erzielt werden kann, da die Menschen mit den Technologien
vertrauter sind.
2.7 Anwendungen im Bereich ODL mit Vorbildcharakter
Im folgenden werden in aller gebotener Kürze einige Anwendungen bzw. Fallstudien
dargestellt, um die vielfältigen Möglichkeiten der Neuen Medien aufzuzeigen und
gleichzeitig die Problembereiche, die hierbei festgehalten werden können, zu erläutern.
2.7.1 Teach/Me
Unter Teach/Me ist eine interaktive Lernsoftware zu verstehen, die im Rahmen eines
EU-Projektes von internationalen Partnern, darunter auch der TU Wien, entwickelt wurde.
Mittlerweile sind mehrere Betaversionen zum Testen der Software erschienen, demnächst ist
mit der Veröffentlichung der ersten Vollversion von Teach-Me zu rechnen. Neben einem
bestehenden Bildungsangebot im Bereich Datenanalyse (Teach/Me Data Analysis) ist besonders
das Teach/Me Developpers Kit für die Erstellung eigener Lehrmaterialien interessant.
Anhand dieser Entwicklungssoftware ist es möglich, Lehrmaterialien zu spezifischen Themen
zu entwickeln und potentiellen Interessenten zur Verfügung zu stellen (computer-based
teaching). Zu diesem Zweck werden Informationen anhand einer entsprechenden Toolbox zu
einem Internet-Bildungsangebot umgewandelt. Sodann ist es möglich, diese Lehrmaterialen
über das Internet auf Basis der HTML- und VRML-Standards zu distribuieren. Der Lernende
benötigt hierzu eine spezielle Software, die ähnlich wie ein handelsüblicher Browser
funktioniert. Im Prinzip wird durch Teach/Me Lehrmaterial in der folgenden Form zur
Verfügung gestellt:
* Textbuch, inkl. Bebilderung (Hypertextmodus)
* Kursprogramm, das vom Anwender selbst gestaltet werden kann
* Index über das gesamte Informationsmaterial
* Sog. MindMap zum leichten Auffinden von Informationen
* Netzwerkbasierte Basisprüfungen (Datenaustausch über Email)
* Interaktive Beispiele zum Themengebiet
* Hinzufügen eigener Notitzen an jede Informationsseite
Abbildung 1: Teach/Me Hauptmenü
Der große Vorteil, der bei der Aufbereitung der Lehrmaterialen anhand derartiger Software
gegenüber herkömmlichen multimedialen Datenträgern (z.B. CD-ROM) gegeben ist, stellt
die Möglichkeit jederzeitiger Aktualisierung des Basis-Datenmaterials dar, da die
Lehrmaterialen von der Software jederzeit heruntergeladen werden müssen. Außerdem
können Nutzerberechtigungen vergeben werden, womit ein unberechtigter Zugang zu diesen
Bildungsangeboten weitgehend ausgeschlossen werden kann.
Abbildung 2: Downloadfenster
Bisher ist die Software noch im Entwicklungsstadium, weshalb auch nur eine Betaversion
verfügbar ist. Nach Auskunft der Entwickler wird aber mit Herbst 1999 die erste
Vollversion des Entwicklungstools verfügbar sein. Dann ist es möglich, selbst
Lehrmaterialien über Internet in recht einfacher Art und Weise zur Verfügung zu stellen.
Die Verfasser hatten selbst die Möglichkeit als Betatester bei der Projektentwicklung
mitzuwirken und können der Software abschließend ein recht gutes Zeugnis ausstellen.
Originalbeschreibung von Teach/Me:
"Teach/Me is not only a new type of textbook, but it is also a new technology for
computer-based teaching. You may use this new technology as a basis for your own material
which you wish to present to your students. Teach/Me Developer provides a powerful
toolbox, together with a template application, for presenting your material to the
students. You can implement Teach/Me Developer as an empty envelope which "only"
has to be filled with material - using all the powerful properties of any Teach/Me
application. Teach/Me Developer also provides facilities to encrypt both the texts and
images, thus protecting non-registered users from abusing your investment in the material.
You may configure your application as a stand-alone application on CDROM, or, you may use
it in an in-house LAN, or, you may even distribute your material over the internet. In any
case Teach/Me provides you with the same powerful features and the same intuitive
interface."
http://qspr03.tuwien.ac.at/teachme/
Email: info@vias.org
2.7.2 LISA - Lehrerinformationssystem
Hinter LISA verbirgt sich ein äußerst vielseitiger und effektiver Schulbuchverbandes.
Interessant dabei ist, daß nicht nur allgemeine Informationen für Lehrer im Hinblick auf
Schulbücher angeboten werden (Buchtips, Neuheiten etc.), sondern auch sogenannte Net
Tours für Schüler und Lehrer. Darunter sind recht einfache Reisen durch das WWW zu
bestimmten Themenbereichen zu verstehen. Auf der homepage von LISA werden Net Tours
folgendermaßen erklärt:
"Net Tours dienen zur Gestaltung spezieller Unterrichtsstunden. Mit jeder Net Tour
lässt sich zumindest ein Unterrichtsprinzip vermitteln. Gleichzeitig schulen Sie Ihre
SchülerInnen in den Umgang mit dem World Wide Web ein, ohne dass sich jemand im
Datenstrom verirrt" (siehe http://www.lisa.or.at/lisa/nettours/nettours_s.htm).
Derzeit werden geleitete Internettouren zu folgenden Themenbereichen angeboten:
* Geschichte
* Anatomie des Menschen
* Menschenrechte
* Geographie, Länderkunde
* Umwelt- und Sozialthemen
Diese Informationsangebote stellen ein recht anschauliches Beispiel dafür dar, wie auf
recht einfache, aber effektive Weise bestehende Informationen genutzt werden können, um
eigene Bildungsangebote zusammenzustellen. Sie sind daher kostengünstig in der
Programmierung (lediglich die Erstellung einiger HTML-Seiten sowie eine entsprechende
Internet-Recherche ist notwendig) und dennoch recht effektiv, wenn genügend
Informationsmaterial im WWW gefunden werden kann (das kann bei den meisten Themen heute
bereits angenommen werden).
2.7.3 Diskussion im Internet - Plattformen-Leistungsvergleich
An der Fernuniversität Hagen wurden im November 1997 ein recht anschaulicher Vergleich
unterschiedlicher Plattformen zur Durchführung von virtuellen Seminaren durchgeführt.
Die
ser Vergleich sei im folgenden kurz angesprochen, da er wichtige Hinweise für die
Durchführung derartiger Lehrveranstaltungen enthält. Vor allem geht es hierbei darum,
wie eine Diskussionsrunde im Internet am effektivesten gestaltet werden muß, um beim
Teilnehmer auf Akzeptanz zu stoßen.
Kriterien, die hierbei formuliert wurden:
* Organisation der Diskussionsbeiträge in einer eindeutigen Baumstruktur
* Versendung von Mitteilungen direkt aus der Anwendung heraus
* Mitteilungsformate (Text, HTML, Grafik, Video- und Soundfileformate) sollten möglichst
frei wählbar sein
* Lesen/Anzeigen von Mitteilungen: Format eindeutig identifizierbar, Autor angegeben,
Anzeige wievieler Ebenen usw.
* Neue Beiträge sollten als soche gekennzeichnet werden
* Auf Wunsch Information an Teilnehmer via Email, bei neuen Diskussionsbeiträgen
* Echtzeit Online-Kommunikationsmöglichkeit, z.B. über Chatprogramm
* Zugangsrechte sollten vom Systemadministrator bereichsweise vergeben werden können
* Individuelle durch Systemadministrator gestaltbare Oberfläche, abgestimmt auf
Bedürfnisse der Teilnehmer
* Günstig in der Anschaffung, verläßlich im Betrieb
Von der Autorin wurden drei verschiedene Kommunikationstools getestet und bewertet. Diese
Bewertung wird hier in tabellarischer Form wiedergegeben. Die vollständige Bewertung ist
der Internetseite http://www.fernuni-hagen.de/ZIFF/vergleich.html zu entnehmen.
Tabelle 3: Bewertung unterschiedlicher Diskussionsplattformen
+ vorhanden und gut
o vorhanden, nicht gut gelöst
- nicht verfügbar
HyperNews7
BSCW8
WebBoard 2.09
Baumstruktur mit mehrerern Ebenen
+
+
o
URLs und HTML in Beiträgen
+
o
o
Hochladen von Dateien
-
+
+
Rechtschreibprüfung
-
-
+
Vorschau
+
-
+
Editieren nach dem Versenden
-
+
o
Anonymes Versenden
+
-
+
Ansicht der Ebenen einstellbar
+
+
o
Aktualisierung
o
+
+
Emailnachricht über Neues
+
-
o
Suche in Nachrichten / Benutzern
o
+
+
Cookie statt Paßwortabfrage
-
-
o
Synchrone Kommunikation
-
+
o
Unterstützung von Frames
+
-
o
Gestaltbarkeit der Oberfläche
o
+
o
Archivierung der Beiträge
o
+
+
Mitgliedschaftskontrolle
+
+
+
Installationshilfen
-
-
+
Preis
Freeware
Freeware
Shareware
2.7.4 Economics of Mountain Systems - Postgraduale Ausbildung mit Europäischer Dimension
Auch an der Universität für Bodenkultur wurde damit begonnen, einen Postgradualen Kurs
über ein Netzwerk von europäischen Institutionen zu entwickeln. Dieser Kurs, kurz als
EMS bezeichnet, beschäftigt sich mit den spezifischen Problemen der Bergregionen in
Europa und soll in Zukunft Spezialisten in diesem Bereich ausbilden. Hierzu war es
notwendig, die Sichtweise von unterschiedlichsten europäischen Regionen einzubringen,
weshalb von Beginn an in einer vernetzten Struktur (Deutschland, Frankreich, Italien,
Portugal, Österreich) zusammengearbeitet wurde. Daraus ergab es sich, daß auch der Kurs
einen modularen Aufbau erhalten wird, wobei jedes der folgenden Module nur an einer der
beteiligten Institutionen im Präsenzunterricht angeboten werden wird, alle anderen von
den Studierenden aber über ODL gelernt werden können:
* Regional Marketing - Deutschland
* Regional Development - Frankreich
* Agriculture and Forestry - Italien
* Diversification of Economic Mountain Systems - Portugal
* Human Resource Management - Österreich
Die oben angesprochenen Synergieeffekte von Netzwerken (siehe Kapitel 2.6.5) kommen auch
hier zum Tragen, da es nicht möglich wäre, einerseits alle Module von einer einzigen
Institution entwickeln zu lassen, andererseits alle Module in den normalen Lehrbetrieb an
jeder einzelnen Institution zu integrieren. Durch eine Aufteilung der Aufgaben (diese
wurde soweit möglich nach Interessenslagen durchgeführt) kann ein derartiger Kurs aber
relativ rasch und einfach in das Lehrprogramm integriert werden, wobei auch hier gängige
ODL-Technologien zur Anwendung kommen werden (siehe Kapitel 2.3).
Die bisherige Zusammenarbeit hat sich als äußerst befruchtend dargestellt, da neben den
unterschiedlichen Ausbildungsstrukturen, Ausgangssituationen in den Bergregionen der
Länder usw. auch ein z.T. völlig unterschiedlicher kultureller Zugang zu Fragen der
Ausbildung und interessierenden Themenbereichen vorherrscht (Stichwort "Cultural
Differences"). Der Großteil der Zusammenarbeit wird über das Jahr gesehen per Email
und dem Datentransfer über das Internet abgewickelt, nur einmal pro Jahr wird ein Treffen
in einem der Partnerländer organisiert. Letzteres vor allem deshalb, weil es sich gezeigt
hat, daß zur wirkungsvollen Zusammenarbeit auch der persönliche und über das fachliche
hinausgehende Kontakt äußerst wichtig ist.
http://www.boku.ac.at/iao/ems/
Email: meixner@edv1.boku.ac.at
2.7.5 Erfahrungsbericht einer Videokonferenz
zwischen Australien, Österreich und Norwegen
Am 3. September 1996 wurde unter Leitung der Technischen Universität Wien eine
halbtägige Konferenzschaltung zwischen
* Canberra/Australien,
* dem Gjoevik College/Norwegen,
* dem Techno Z Salzburg (Fachhochschulstudiengang "Telekommunikationstechnik und
-systeme"),
* der Donauuniversität Krems,
* der Technischen Universität Wien
organisiert. Die Erfahrungen, die hierbei von den Verfassern als Teilnehmer und
Vortragende gewonnen werden konnten, seien im folgenden kurz dargestellt.
Wie bereits angesprochen, funktionierte die technische Seite der Präsentation
ausgesprochen gut - die für mehrere Stunden aufrecht gehaltene Datenleitung (ISDN) war
sehr stabil, die Übertragung von Bild und Ton erfolgte unter minimaler Zeitverzögerung,
die Übertragung der einzelnen Präsentationen und die anschließende Diskussion erwies
sich als problemlos10. Dies war sicherlich nur deshalb möglich, weil die Österreichische
Telekom selbst an der Durchführung dieser Videokonferenz interessiert war und eine
ISDN-Leitung mit voller Kapazität zur Verfügung stellte.
Dadurch konnte den einzelnen Präsentationen im Prinzip recht gut gefolgt werden, auch
wenn darauf hingewiesen werden muß, daß gerade bei Videokonferenzen entsprechendes
Anschauungsmaterial (Folien etc.) unabdingbare Voraussetzung ist, da bei einer rein
sprachlichen Präsentation Informationen nur recht schwer übermittelt werden können. Von
der technischen Ausstattung her erwies es sich als ausreichend, über eine Videokamera an
jedem Teilnehmerort (statisch oder sehr vorsichtig bewegt), einem Videomischpult zur
Überblendung zwischen Personen und Anschauungsmaterial, eine entsprechende Tonanlage
sowie einiger Präsentationshilfsmittel (Videobeamer, Overheadprojektor usw.) zu
verfügen. Allerdings wurden in der Zwischenzeit wesentlich bessere Videokonferenzsysteme
entwickelt und auf den Markt gebracht, wodurch es heute z.B. bereits möglich ist,
einzelne Bildschirmarbeitsplätze mit kostengünstigen Videokameras auszustatten, um
dadurch eine wesentlich verbesserte Bildsteuerung bis hin zum Einblenden einzelner
Personen zu ermöglichen. Auch wurden die Präsentationshilfsmittel (Folien etc.) zum
damaligen Zeitpunkt noch gefilmt, also indirekt in das Netz eingespeist, was sicherlich zu
Qualitätsverlusten geführt hat und heutzutage auch nicht mehr zeitgemäß ist.
Zu berücksichtigen ist bei derartigen Videokonferenzen naturgemäß auch ein möglicher
Zeitunterschied, der im vorliegenden Fall zwischen Australien und Europa doch relativ
groß ist. Insgesamt gesehen scheint es sich dabei aber um eine Technologie zu handeln,
der in Hinkunft eine zunehmend wichtiger werdende soziale Funktion zukommt, nämlich sich
mit Personen über Internet zu vernetzen und dabei doch einen reduzierten Eindruck vom
Gegenüber zu erhalten. Bei rein virtuell gehaltenen Treffen über Internet kommt diese
soziale Komponente sicherlich zu kurz.
2.7.6 Erfahrungsbericht der ODL-Lehrveranstaltung "Markstrat Simulation"
Im Rahmen einer Lehrveranstaltung zum Thema Marketing-Strategien werden am Institut für
Agrarökonomik seit rund 3 Jahren die Vorteile des Internet mit denen einer
Computersimulation verbunden.
Durch das Marketing-Simulationsprogramm MARKSTRAT (aktuelle Version 3.0) werden den
Studenten theoretische Konzepte des Marketing (Positionierungsmodelle, Portfolioanalyse,
Zielgruppenansprache, Erfahrungskurve, Kostendegression, Grenzkostenrechnung, Verwaltung
von Marketingbudgets usw.) auf spielerische Weise nähergebracht (nähere Infos hierzu
unter http://www.boku.ac.at/iao/markstrat/). Dadurch werden den Studenten die
theoretischen Konzepte wesentlich verständlicher, da sie selbst im Spielverlauf als
Marketingabteilung im Team agieren. Die Vorteile dieser Lehrmethode sind einleuchtend
(vgl. SCHIEBEL und MEIXNER 1998):
Die Studenten bilden Gruppen und müssen lernen, in der Gruppe zu kooperieren und
zusammenzuarbeiten.
Die unterschiedlichen Gruppen stehen in einem Wettbewerb zueinander und alle getroffenen
Entscheidungen beeinflussen sich gegenseitig.
Das Hauptgewicht der Simulation liegt in der richtigen Zielgruppenansprache und in der
adäquaten Produktentwicklung. Es wird also gezeigt, wie wichtig es ist, die Zielgruppe(n)
zu kennen und durch entsprechende Produktentwicklung, Preispolitik und
Kommunikationspolitik anzusprechen.
Diese Lehrveranstaltung wurde dahingehend weiterentwickelt, daß die Studenten der
Bodenkultur die Möglichkeit bekommen haben, sie mit ausländischen Studenten zu vernetzen
und gemeinsam mit Ihnen diese Simulation durchzuführen. Dabei kommt im Prinzip folgendes
Schema zum Tragen:
Abbildung 3: ODL-Lehrveranstaltung Markstrat
Alle Gruppen stehen miteinander über das Chatprogramm Microsoft Chat während des
gesamten Spielverlaufs (rund eine Woche) in Verbindung, der Support wird einerseits über
MS Chat als auch über face-to-face Beratung durch die Spielleitung bzw. den lokalen
Instruktoren durchgeführt. Der Datenaustausch erfolgte zum Großteil ebenfalls über MS
Chat, nur manchmal mußte auf Email ausgewichen werden, da geringfügige Netzwerkprobleme
bei der Übermittlung großer Datenmengen auftraten. Die Kommunikation auf Basis von MS
Chat hat sich als sehr positiv erwiesen, da der Entertainment-Wert dieses Programms
relativ hoch ist, wie aus untenstehender Abbildung ersichtlich sein sollte (siehe hierzu
auch 2.3.9).
Abbildung 4: Microsoft Chat zur Kommunikation während Markstrat
Die Erfahrungen, die hierbei gewonnen werden konnten, sind im folgenden kurz dargestellt:
Negative Erfahrungen
Als das zentrale Problem zur Durchführung eines derartigen distance-learning-Projektes
kann das Auffinden von geeigneten ausländischen Partnern genannt werden. Es steht im
engem Zusammenhang mit der unterschiedlichen Struktur von universitären
Bildungseinrichtungen. Übertragen auf andere ODL-Bereiche bedeutet dies, daß sehr viel
Überzeugungsarbeit zu leisten ist, ehe an die Durchführung vergleichbarer
Bildungsveranstaltungen gedacht werden kann.
Weitere Problembereiche:
* Wissenstransfer: Es gestaltet sich einigermaßen schwierig, das notwendige Wissen zu
transferieren. Dies gilt zunächst für den Wissenstransfer zu den lokalen Instruktoren,
wie auch für den Wissenstransfer hin zu den interessierten Studenten über das Internet.
Hier zeigte sich, wie wichtig der persönliche Kontakt zu den Beteiligten ist, ehe an die
eigentliche Lehrveranstaltung gedacht werden kann.
* Softwareprobleme: Häufig scheitert die Teilnahme an Markstrat an zwischenzeitlich
auftretenden Softwareproblemen; treten diese regelmäßig auf, schwindet das Interesse der
Teilnehmer sehr rasch.
* Motivation der Studenten, an Markstrat teilzunehmen: Es gestaltet sich einigermaßen
schwierig, Studenten anfangs dafür zu motivieren, überhaupt an diesem Spiel
teilzunehmen. Sobald das Spiel aber einmal erfolgreich gestartet wurde, stellt die
Motivation der Studenten kein Problem mehr dar.
Positive Erfahrungen
Diesen negativen Erfahrungen stehen jedoch eine Vielzahl von positiven Erfahrungen
gegenüber:
* Motivation während des Spiels: Sowohl die Studenten, als auch die
Instruktoren/Administratoren zeigten ein stark gesteigertes Interesse während dieses
Spiels. Dieses ist nicht zuletzt auf den relativen Neuheitsgrad einer derartigen
Lehrveranstaltung - abseits konventioneller Lehrmethoden - zurückzuführen.
* Kommunikation: Durch die Kommunikation über den Computer konnte eine gesteigerte
Bereitschaft, miteinander zu kommunizieren, registriert werden. Da es sich nur um
geschriebene Botschaften handelt, letztendlich also kaum persönlichkeitsbezogene
Hemmnisse verbaler und nonverbaler Form zum Tragen kommen, hielt diese Kommunikation
während des gesamten Spielverlaufs konstant an.
* Konkurrenz: Das ohnehin hohe kompetitive Verhalten der Gruppen aufgrund der Struktur von
MARKSTRAT konnte durch die Internationalisierung weiter gesteigert werden.
* Anwendung einer Fremdsprache: Der positive Synergieeffekt, der sich einstellt, sobald
eine Gruppe aus einem nicht-englischsprachigen Land kommt, kann nicht hoch genug
eingeschätzt werden. Denn viele Studenten haben keine Möglichkeit (aus persönlichen
oder finanziellen Gründen etc.), ein Auslandsstudium zu absolvieren. Deshalb sollte jede
Möglichkeit genutzt werden, mit fremdsprachigen Kollegen in Kontakt zu treten.
* Unterschiedlicher Zutritt zum Marketing: Interkulturelles Lernen führt zu einer
Annäherung des Denkens. Durch die Teilnahme plurinationaler Gruppen treffen
unterschiedliche Sichtweisen und Problemlösungsmethoden zum Marketing aufeinander. Die
unterschiedlichen Methodenzutritte fördern das gegenseitige Verstehen und damit die
Achtung für andere Kulturen und Sichtweisen.
* Anwendung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien: Schließlich war dieses
Projekt für zahlreiche Studenten das erste Mal, daß sie über einen längeren Zeitraum
hinweg (Markstrat international benötigt rund eine Woche) mit neuen Informations- und
Kommunikationstechnologien in Kontakt sind. Die anfangs auftretende Scheu wird dabei rasch
von einer bereitwilligen Nutzung dieser Medien verdrängt.
Naturgemäß können nicht alle Erfahrungen unmittelbar auf andere Bereiche, wie die
Erwachsenenbildung übertragen werden. Allerdings zeigten die Erfahrungen mit diesem
ODL-Projekt, daß sehr positive Impulse durch den Einsatz neuer Medien erzielt werden
können. Ähnliches wird auch in der Studie zur Informationsgesellschaft, die im Auftrag
der Österreichischen Bundesregierung erstellt wurde, festgehalten:
"... in konkreten Projekten [kommen] auch die Chancen der neuen Unterrichtsmittel zum
Vorschein und können wertvolle Hinweise für methodisch-didaktische Verbesserungen
liefern. Computerunterstützte Lern- und Trainingsprogramme (computer-based training,
CBT), die selbständiges Arbeiten erlauben, werden oft mit den Zielen höherer
Flexibilität für die Lernenden und zwischenzeitlicher Entlastung der Lehrenden
verbunden; multimedial angereicherte Hypertexte bzw. Hypermediaanwendungen - das heißt
Kombinationen von Text, Bild, Graphik, Animation, Tonsequenzen etc. - wiederum können zur
Erhöhung der Anschaulichkeit oder Darstellbarkeit der Lehrinhalte beitragen; auf den
neuen Diensten und Anwendungen der Telekommunikation aufbauende Informations- und
Kommunikationsnetze dienen vorwiegend dazu, die Suche und den Zugang zu
unterrichtsrelevantem Informationsmaterial zu erleichtern sowie den Kreis jener, die in
den Lernprozeß eingebunden werden, zu erweitern (Konzepte für distance education,
tele-teaching, tele-learning)" (BKA, 1997, S. 56; Hervorhebung d. Verf.).
http://www.boku.ac.at/iao/markstrat/
Email: meixner@edv1.boku.ac.at2.7.7 Weitere
Fallstudien
Lernen im Internet: Erfahrungen über ein virtuelles Seminar
http://www.uni-hildesheim.de/zfw/lak/Veranstalt/Texte/VS.htm
Dabei handelte es sich um ein 10-wöchiges Seminar, das gemeinsam von der Universität of
Maryland und dem Fernstudienzentrum der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg 1997
durchgeführt wurde.
Thema des Seminars: Distance Education (Erfahrungen, Modelle,
Applikationen usw.)
Erfahrungen: durchwegs positiv, Teilnehmer konnten die Erfahrungen in
der Praxis nutzen, "knowledge building community"
Negativ: verwendete Technologie (HyperNews, siehe oben) verlangt sehr viel Aufmerksamkeit
und Konzentration (Lesen und Schreiben)
Fernlehre-Pilotversuch Virtuelles Klassenzimmer
http://www.iic.wifi.at/IIC/depilot.htm
ISDN-Vernetzung des WIFI IIC Graz mit Teilnehmern WIFI Hartberg, Europasaal der
Wirtschaftskammer Steiermark und ILINC New York zu einem multimedialen, virtuellen
Klassenzimmer
Thema der Veranstaltung: Präsentation einschlägiger Applikationen im
ODL-Bereich (v.a. Software LearnLinc in Verbindung mit Multimedia-Autorensystemen) für
betriebliche Aus- und Weiterbildung (Audio, Video, synchronisierte Computer Based
Training-Inhalte [CBT], Multiple Choice Tests, Whiteboard, Videokonferenz usw.)
Erfahrungen: Software LearnLinc bestens geeignet für ODL, schwer
verfügbare Top-Trainer können an verschiedenen Orten simultan eingesetzt werden
Telezentrum Wien Autokaderstraße
http://www.wifiwien.at/tz/tzfrm_1.htm
Angebot des Telezentrums:
Selbstlernkurse (CBT - Computer Based Training), Internetkurse, Das
Büro von morgen, Teledienstleistungen und Räumlichkeiten, Teleworking, MS-Office(tm)-
Intensivkurse, Distance Learning, Lernen am Arbeitsplatz oder zu Hause (coop.unlimited),
Modulares Kursangebot
Lehrinhalte: Distance Education: derzeit nur Grundlagen der EDV,
Betriebssystem Windows 95
Präsenzkurse: Anwenderprogramme: MS-Word, MS-Excel, MS-Access; Internetkurse,
Rechtschreibung, Maschinschreiben, Briefgestaltung nach Ö-Norm, Zeichensetzung ;
Telefonieren am Arbeitsplatz, Fremdsprachen, Englisch-Vokabeltrainer
Lernen in Computernetzwerken. Erfahrungen mit einem virtuellen Seminar
http://infix.emp.paed.uni-muenchen.de/lsmandl/forschungsberichte/abs64.html
Erfahrungen: verwendeten Hard- und Software geeignet, hohe Akzeptanz bei
Teilnehmern; Lernergebnisse nur teilweise der Zielsetzung des Seminars entsprechend;
Kommunikation und Kooperation in der virtuellen Seminargruppe eher gering; Notwendigkeit,
große Informationsmengen zu bewältigen eher problematisch (Orientierungs-,
Selektionsprobleme)
2.8 Zusammenfassung und Schlußfolgerungen für ein ODL-Projekt
2.8.1 Rahmenbedingungen
Unter dem Kapitel 2.5.3 wurde detailliert ausgeführt, welche Rahmenbedingungen dazu
führen, daß ODL-Bemühungen scheitern können. Positiv formuliert bedeutet dies:
* Daß zunächst die Lehrkräfte ausreichend geschult werden müssen, um über genügend
Kompetenz im Bereich Neue Medien zu verfügen.
* Bei den Teilnehmern durch geeignete Informationskampagnen, Ermittlung der
Bedürfnisstruktur usw. Interesse für die Neuen Medien geweckt wird.
* Regionen für ODL-Projekte ausgewählt werden, die über eine entsprechende
Infrastruktur verfügen (Provider in der Nähe, Telezentrum verfügbar usw.)
* Eine ausreichende Benutzungsberatung zur Verfügung gestellt wird.
* Den potentiellen Nutzern realistische Möglichkeiten im Bereich Neue Medien vermittelt
werden, um von vornherein eine realistische Erwartungshaltung beim potentiellen Anwender
zu erzielen.
2.8.2 Schulung und Motivation der Trainer
Nur wenn auch die Trainer bzw. Lehrenden von der Sinnhaftigkeit des ODL-Projektes
überzeugt sind und über ein dementsprechendes Fachwissen verfügen, wird es möglich
sein, daß sie Wissen an die Auszubildenden weitergeben. In diesen Bereichen existieren
bereits zahlreiche Schulungsmöglichkeiten bei einschlägigen Institutionen (WIFI etc.),
die zur Einschulung der Trainer genutzt werden könne.
2.8.3 Persönlicher Kontakt zu Lernenden
Trotz der Möglichkeiten, die die Neuen Medien bieten, nämlich über große Distanzen
hinweg miteinander zu kommunizieren, scheint es dennoch notwendig zu sein, vorerst mit den
potentiellen Interessenten für ODL-Bildungsangebote persönlich in Kontakt zu treten.
Dies könnte z.B. in Form von Einführungslehrveranstaltungen geschehen, bei denen den
Auszubildenden ein allgemeiner Überblick über Techniken und Methoden der Neuen Medien
gegeben wird, damit bei ihnen ein Interesse für die neuen Medien geweckt wird. Bereits
bei derartigen Einführungslehrveranstaltungen sollte nicht darauf verzichtet werden, das
die Auszubildenden selbst Erfahrungen mit dem Medium machen können (learning by doing).
D.h., es wird notwendig sein über einen entsprechend ausgestatteten Schulungsraum zu
verfügen (PC-Userraum).
Beginn: Einführung in Neuen Medien (Kennenlernen des Mediums)
Nachfolgend: Virtuelle Kurse zu anderen Themen
2.8.4 Soft- und Hardwareerfordernisse
Die unter dem Punkt 2.5.4 (Benutzerfreundlichkeit von Kommunikationssystemen)
angesprochenen Kriterien sollten vor allem im Softwarebereich unbedingt beachtet werden.
Dagegen erscheint der Hardwarebereich nur insofern interessant, als alle Beteiligten über
eine entsprechende Hardwareausstattung verfügen müssen bzw. Zugang zu solcher haben
müssen, damit sie am ODL-Projekt teilnehmen können.
D.h. die verwendeten Kommunikationssystem müssen die folgenden Kriterien erfüllen:
* Selbsterklärungsfähigkeit
* Erwartungskonformität
* Übersichtlichkeit
* Steuerbarkeit
* Fehlertoleranz
* Ausführungsgeschwindigkeit
* Automatische Installation/Deinstallation
* Ressourcenschonung
Am besten wird es wohl sein, vor Implementierung von Softwareprogrammen Testläufe mit der
Zielgruppe durchzuführen, damit abgeschätzt werden kann, ob obige Erfordernisse gegeben
sind.
2.8.5 Fragen, die vorab zu klären sind
Beispielhaft werden im folgenden einige Fragen formuliert, die man sich stellen sollte,
ehe man an die operative Umsetzung eines ODL-Konzeptes herangeht.
* Wie sieht es mit der EDV-Ausstattung der Haushalte im Zielgebiet aus?
* Wieviele Haushalte verfügen über einen Internetzugang (normal/ISDN)?
* Stehen Telezentren zur Verfügung?
* Wie hoch ist das Interesse an den Neuen Medien bei der lokalen Bevölkerung?
* Wie kann die lokale Bevölkerung informiert werden? Wie kann sie erreicht werden?
* Welche Inhalte sollen vermittelt werden?
* Wo gibt es Informationsbedarf?
* Welche weiteren Dienste sollen über die Neuen Medien angeboten werden (Telearbeit,
Virtual Government etc.)?
Der wichtigste Punkt, der wohl über allen Detailfragen stehen muß, ist wohl die
Forderung nach einer Vision, die notwendig ist, damit im Bereich Neue Medien etwas bewegt
werden kann. Schon immer waren es die Innovatoren, die dazu beigetragen haben, eine Vision
zu realisieren und die beispielgebend für andere Projektvorhaben waren.
3 Telearbeit
Zwischen der Ausbildung von interessierten Personen über öffentliche Netzwerke und der
Überführung in eine Arbeitswelt, die ebenfalls die Neuen Medien zur Modifikation
bisheriger Tätigkeiten nutzt, ist es ein relativ kleiner Schritt. Denn hat man einmal den
Menschen von der Sinnhaftigkeit der Neuen Medien überzeugt, kann es bei genauer Analyse
der betrieblichen Tätigkeiten durchaus sinnvoll sein, bestimmte Bereiche auszulagern und
Telearbeitsplätze zu schaffen. Innovative Unternehmen konnten bereits zeigen, daß dies
nicht nur zu einer effektiveren Betriebsorganisation und der Realisierung von
Kosteneinsparungspotentialen beitragen kann, sondern auch, daß Telearbeit eine soziale
Komponente enthält, die nicht zu unterschätzen ist: Telemitarbeiter sind üblicherweise
besser motiviert und zufriedener, weil sie zumindest einen Teil ihrer Arbeit zu Hause
durchführen können und daher über mehr Selbstbestimmung ihrer Tagesabläufe verfügen.
So ist es wenig verwunderlich, daß Experten eine veränderte Arbeitswelt der Zukunft
erwarten, verändert durch die "Telematik", eine Kombination von Informations-,
Telekommunikations- und Computertechnik (vgl. o.V. 1998). Dank Computerterminals und
Telekommunikationsnetzen wird es nicht mehr nötig sein, immer mehr Mitarbeiter am
Hauptsitz einer Unternehmung oder Verwaltung zu konzentrieren. Telearbeit würde es
erlauben, eine erhebliche Zahl von administrativen Arbeitsplätzen zu den Mitarbeitern
nach Hause oder in ein dezentrales, lokales Telearbeitszentrum zu verlegen. Im folgenden
wird auf einige wichtige Aspekte der Telearbeit eingegangen. Naturgemäß müssen dabei
Restriktionen in der Ausführlichkeit in Kauf genommen werden, damit der Rahmen der Studie
nicht gesprengt wird. Es sind aber bereits zahlreiche, sehr gut geeignete
Informationsquellen verfügbar, die einen umfassenden Überblick zum Thema Telearbeit
bieten (siehe hierzu Kapitel Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. am Ende
der Studie).
3.1 Begriffsabgrenzung
Unter Telearbeit versteht man heute allgemein berufliche Erwerbstätigkeit an einem
Arbeitsplatz, der mit Bildschirm ausgerüstet, betriebsorganisatorisch dezentral zu Hause
oder in der Nähe des Wohnortes eingerichtet ist und Telekommunikationsverbindung zu einem
räumlich entfernten Standort des Arbeit- oder Auftraggebers ermöglicht. Grundsätzlich
können unterschiedliche Varianten der Telearbeit unterschieden werden:
* Tele-Heimarbeit
* Satellitenbüro
* Nachbarschaftsbüro
* Telezentrum
* Tele-cottage
* Mobile Telearbeit
* Alternierende Telearbeit
3.2 Potential für Telearbeit
In den USA steigt die Zahl der Telearbeitenden seit 1992 jährlich um 15%. Es arbeiten
bereits rund 1/4 der Büroarbeiter zumindest teilweise in den eigenen vier Wänden.
Optimistische Prognosen für Westeuropa schätzen das Potential der Telearbeiter auf rund
7,5% der Erwerbstätigen bis zum Jahr 2000. Allerdings ist derzeit dieses Potential bei
weitem noch nicht ausgeschöpft. In Europa gibt es die meisten Telearbeiter in
Großbritannien (560.000), i.e. 2,5% der Bevölkerung. Dagegen arbeiten nur 120.000
Arbeitnehmer in Deutschland auf Telearbeitsplätzen (0,43%). Ein ähnlich niedriger, wenn
nicht sogar noch niedriger Anteil dürfte wohl auch in Österreich zu verzeichnen sein.
Einschlägige Studien ergaben auch, daß der deutschsprachige Raum eher konservativ
eingestellt ist und Telearbeit noch nicht wirklich zum Thema avanciert ist (vgl.
http://newmedia.idv.uni-linz.ac.at/fhtw95/S4368/projekt2.html).
Tabelle 1: Telearbeit in Europa - Stand und Perspektiven
Telearbeiter in 1000
Telearbeitsplatz-Potential in 1000
GB
560
1670
F
220
1495
D
150
2867
E
100
900
I
100
1726
(vgl. http://www.iid.de/informationstechnik/telearbeit/bmbf_studie/kap1_3.html#2.)
Hochrechnung auf Basis einer Umfrage bei 5347 Personen über 14 Jahren und 2507
Führungskräften (im Auftrag der EU)/April 94 IWD, 30.3.95. Inwieweit diese Zahlen auf
heutige Verhältnisse zutreffen, kann nicht abgeschätzt werden.
Allerdings ist davon auszugehen, daß Telearbeit in Zukunft zunehmend an Wichtigkeit
gewinnen wird. Dieser Trend wird durch die Medien und erfolgreiche Beispiele aus dem
Bereich der Wirtschaft noch weiter verstärkt. In Österreich sind es hauptsächlich
Initiativen einzelner Firmen (IBM oder AUA; siehe unten), die Telearbeitsplätze zur
Verfügung stellen. Im öffentlichen Bereich herrscht hier sicherlich noch ein bedeutender
Aufholbedarf.
3.3 Vor- und Nachteile von Telearbeit
Ein herausragender Aspekt der Telearbeit ist die freie Zeiteinteilung durch den
Arbeitnehmer. In dem allgemeinen Wandel in der Lebensqualität haben sich die Werte
gegenüber früheren Zeiten verschoben. Die Freiheit der persönlichen Zeiteinteilung
fernab von steigenden Bürostreß stellt einen wichtigen Wert der heutigen Arbeitswelt
dar. Man ist nicht an feste Arbeitszeiten gebunden, sondern die Zeit, in der man arbeitet
relativ frei einteilen. Es fallen lange Fahrzeiten weg, wodurch dem Telearbeiter mehr
Freizeit zur Verfügung steht. Im richtigen Moment Zeit für die Kinder haben und für die
Kinder da zu sein, ist der Effekt, den Telearbeiter bei Befragungen am positivsten
bewertet haben. Dabei mußten die Kinder jedoch erst lernen, daß Vater und Mutter
während der Arbeit zu Hause nicht ständig ansprechbar sind. Ein anderer Vorteil liegt in
der höheren Produktivität der Telearbeit. Der Telearbeiter hat mehr Ruhe zum Arbeiten,
keine störenden Gespräche der Kollegen oder klingelnde Telefone. Auch die freie,
kreative Gestaltung seines Arbeitsraumes bietet gute Möglichkeiten, seine Arbeitslaune
erheblich zu steigern, um somit effektiver und leistungsfähiger zu arbeiten. Insgesamt
führt das zu einer höheren Motivation des Telearbeiters.
Befragungen in den USA haben ergeben, daß die Lebensqualität der Telearbeiter sich
deutlich gesteigert hat, wenn sie daheim arbeiten. Aber ebenso deutlich wird erkennbar,
daß die Telearbeiter mehr oder weniger schnell ein Gefühl der sozialen Isolation
verspüren. Der direkte Kontakt zu den Kollegen kann durch keinen Computer und kein
Netzwerk ersetzt werden. Von daher ist Telearbeit nicht für jeden Arbeitnehmer in
gleicher Weise geeignet.
Ungünstig kann sich Telearbeit auch auf das Familienleben auswirken. Durch fehlende
Trennung von Beruf und Privatleben können Probleme bei der Arbeit sich direkt auf die
Familie auswirken. Die Familie kann dann nicht mehr als Berater oder Ruhepol fungieren,
sondern ist aktiv am Geschehen beteiligt. Daher muß jeder Arbeitnehmer für sich
entscheiden, ob für ihn Telearbeit in Frage kommt oder nicht. Bis heute ist es aber eher
ein Privileg denn eine Pflicht, wenn ein Arbeitnehmer die Möglichkeit zur Telearbeit
bekommt.
Eine realistische Alternative zu der Telearbeit zuhause sind die Telezentren. Bei dieser
Form der Telearbeit fallen viele Probleme, die sich aus sozialer Isolation und Spannungen
in der Familie ergeben können, weg. Auf diese und weitere Formen der Telearbeit wird noch
weiter unten eingegangen.
Zusammenfassend wird im folgenden eine taxative Aufzählung möglicher Vor- und Nachteile
von Telearbeit wiedergegeben. Die vollständige Beschreibung der genannten Punkte ist
unter http://www.fim.uni-linz.ac.at/telework/sonntag/vor_nach.htm#H2_5 verfügbar.
Vorteile für Arbeitnehmer
- Höhere Lebensqualität/mehr Freizeit
- Kürzerer Pendelweg
- Flexible Arbeitszeit
- Ersparnisse
- Wiedereinstiegsmöglichkeit in den Beruf
- Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Nachteile für Arbeitnehmer
- Soziale Isolierung
- Höherer Arbeitsdruck
- Raumprobleme
- Mehrfachbelastung durch Arbeit und Familie
- Geringerer Lohn/Weniger Sozialleistungen
- Abdrängen in die Selbständigkeit
- Abkoppelung vom Betriebsgeschehen
- Schlechtere Beförderungsaussichten
Vorteile für Arbeitgeber
- Höhere Produktivität
- Höhere Flexibilität
- Bessere Qualität
- Höhere Verfügbarkeit
- Stärkere Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen
- Besseres Image
- Zusätzliches Arbeitskräftepotential
- Kosteneinsparungen durch Wegfall des Büroarbeitsplatzes
Nachteile für Arbeitgeber
- Zusätzliche Kosten
- Umstellung auf Management By Objectives (MBO)
- Widerstand von Mitarbeitern/Gewerkschaften
- Umstellungsprobleme
- Höherer Organisationsaufwand
- Schlechterer Gruppen-Zusammenhalt / Innerbetriebliche Spannungen
- Geringerer Informationsaustausch
- Verlust der Identifikation mit dem Unternehmen
- Datenschutz-/Datensicherheitsprobleme:
Datenschutz am Telearbeitsplatz
Datenschutz auf dem Telekommunikationsweg
Abhören: Die Daten werden während einer Übertragung kopiert.
Manipulation: Die Daten werden unbemerkt bei der Übertragung verändert.
Kommunikationsunterbrechung: Die Verbindung wird verhindert.
Maskerade: Eine dritte Person/Rechner gibt sich als berechtigter
Kommunikationspartner aus.
Wiederholung: Eine kopierte Datenübertragung wird später noch einmal eingespielt.
Abstreiten: Der Erhalt einer Nachricht wird abgestritten.
Vorteile für die Volkswirtschaft
- Vielfältigeres Arbeitsangebot
- Arbeitsdezentralisation
- Bessere Nutzung der Telekommunikationsinfrastruktur
- Verringerung des Verkehrsaufkommens durch Verringerung des Pendelverkehrs
- Bessere internationale Wettbewerbsfähigkeit (Standortvorteil)
Nachteile für die Volkswirtschaft
- Arbeitsplatzabbau durch Auslagerung von Arbeitsbereichen ins Ausland (Billiglohnländer)
- Probleme mit der Gewerkschaft
- Soziale Spannungen
- Neue Infrastrukturanforderungen (Ausbau der öffentlichen Netzwerke)
3.4 Formen von Telearbeit
3.4.1 Tele-Heimarbeit
Bei der Tele-Heimarbeit erfolgt die Arbeit nicht mehr in den Räumen des Arbeitgebers,
sondern in der Wohnung der Mitarbeiter. Dies ist nur dann sinnvoll möglich, wenn
ausreichend Platz zur Verfügung steht. Ebenso muß berücksichtigt werden, daß durch die
Familie wieder eine zusätzliche Ablenkung hinzukommen kann, während man durch die
Auslagerung aus dem Büro eigentlich Unterbrechungen durch Kollegen, Kunden oder
Vorgesetzte verringern wollte. Es hat sich aber gezeigt, daß die Unterbrechungen durch
die Familie nach einer kurzen Eingewöhnungsphase eher vernachlässigt werden können.
Negativ bei dieser Form der Telearbeit ist sicherlich der fehlende Kontakt zu Kollegen.
Deshalb wird meist eine alternierende Telearbeit eingeführt (siehe unten).
3.4.2 Satellitenbüro
Ein Satellitenbüro ist eine Art Zweigstelle oder Filiale eines einzelnen Betriebes, wo
ganze Funktionsbereiche (d. h. ganze Abteilungen oder eine größere Anzahl von
Mitarbeitern auf einmal) ausgelagert werden. Wichtig für die Abgrenzung zur Filiale ist
jedoch, daß sich die Standortwahl nicht am Kundenbedürfnis oder günstigen
Verkehrsverbindungen (Auto, Bahn usw.) orientiert, sondern die Auswahl des Ortes von den
Wohnorten der Mitarbeitern abhängt. Daraus ergibt sich allerdings sofort das Problem,
daß die Mitarbeiter eines Funktionsbereiches wohl kaum alle aus einem kleinen Umkreis
kommen. Ein Satellitenbüro ist daher hauptsächlich bei sehr großen Umorganisationen in
Betracht zu ziehen, bzw. wenn neue Bereiche errichtet werden, bei denen dann dieses
Konzept eingesetzt werden kann. Aufgrund des alleinigen Betriebes durch eine einzelne
Firma ist dieses Modell nur für große Firmen geeignet, da Einsparungen erst ab einer
größeren Anzahl von Mitarbeitern (ca. mindestens 10, besser aber viel mehr) realisiert
werden können. Stehen bereits günstige Räumlichkeiten und die
Telekommunikationsinfrastruktur zur Verfügung, so kann auch mit einer geringeren
Mitarbeiterzahl erfolgreich gearbeitet werden. Gegenüber der Teleheimarbeit bietet sich
der große Vorteil, daß die Mitarbeiter untereinander Kontakt haben, weshalb es auch
immer ausgeprägte Kommunikationsbereiche gibt (=Besprechungsräume, Leseecke, ...).
3.4.3 Nachbarschaftsbüro
Ein Nachbarschaftsbüro ähnelt einem Satellitenbüro, jedoch sind dort Mitarbeiter
mehrerer Firmen untergebracht, wobei eine Firma davon oder alle gemeinsam das Büro
betreiben. Auch hier muß sich der Standort an den Mitarbeitern orientieren. Solche
Nachbarschaftsbüros können leicht aus Satellitenbüros entstehen, wenn durch Auslagerung
an andere Orte (Rückkehr in die Zentrale, Tele-Heimarbeit, nähere Nachbarschaftsbüros)
Räumlichkeiten frei werden, die anschließend anderen Firmen zur Verfügung stehen. Ein
großes Problem ist hier, daß es meistens nur ein einziges Netzwerk (LAN) gibt, an das
alle Mitarbeiter angeschlossen sind (Datenschutzproblem). Daher werden sich normalerweise
auch nie Konkurrenzbetriebe in einem solchen Nachbarschaftsbüro befinden. In sozialer
Hinsicht ist dieses Konzept besser geeignet als das Satellitenbüro, da man an seinem
Arbeitsplatz sowohl Leute trifft, die in der selben Firma arbeiten, als auch solche
anderer Firmen, was zu erweiterten sozialen Kontakten führt. Der Vorteil für Firmen ist,
daß die hohen anfänglichen Kosten (Errichtung, Einrichtung,
Telekommunikationsausstattung usw.) wegfallen und man genau jene Leistungen (z. B.
spezielle Drucker) mieten kann, die benötigt werden. Ebenso kann auf diese Weise ein sehr
kostengünstiger Einstieg in die Telearbeit erfolgen, was besonders wichtig ist, da viele
Firmen zur Zeit noch sehr skeptisch über den Nutzen dieser neuen Arbeitsform sind.
Ergeben sich für den Betrieb mittelfristig keine Vorteile aus der Telearbeit, kann
relativ kostengünstig wieder zum alten System zurückgekehrt werden. Meist wird dabei
sowohl eine hochwertige technische Ausstattung inklusive Standard-Programmen angeboten,
als auch Sicherheits-Leistungen wie Zutrittskontrolle, spezielle Datenschutzeinrichtungen
oder Sicherheitsexperten. Als Betreiber kommen hauptsächlich Großfirmen und die
öffentliche Hand in Frage, um Arbeitsplätze in Problemregionen, wie z. B. am Land, zu
schaffen. Dies ist im Ausland auch durchaus der Fall, doch in Österreich sind bisher nur
sehr wenige Ansätze/Versuche gestartet worden, die alle von Privatfirmen initiiert
wurden.
3.4.4 Telezentrum
Hier gibt es einen kommerziellen Betreiber, der einzelne Büros oder Gebäudeteile an
Firmen vermietet, damit deren Mitarbeiter dort arbeiten können. Telezentren bieten nicht
nur rein Telearbeitsplätze, sondern auch zusätzliche Angebote (wie z. B.
Sekretariatsleistungen, Netzwerksbetreuung, Bildungsangebote usw.) hinzukommen, sodaß ein
integriertes Ganzes entsteht, in dem Telearbeit nur ein Aspekt ist. Ein Beispiel hierzu
ist das Telezentrum in Bruck an der Leitha ("Bruck an der Leitung", siehe unten)
oder Waldviertel Management (vgl. http://www.wvnet.at).
3.4.5 Tele-cottage
Zwischen dem Konzept Tele-cottage oder Tele-village dem Begriff Telezentrums herrscht ein
enger Zusammenhang. Ein Tele-cottage besteht meistens aus einem Telezentrum, zusätzlich
sind die umgebenden Wohnhäuser explizit auf Teleheimarbeit hin gebaut worden. Dabei wird
speziell auf eine soziale Integration (z. B. integrierter Kindergarten) gelegt. Das
bedeutet, daß bei jedem Haus für einen leistungsfähigen Netzwerksanschluß (oder eine
einfache und billige Einrichtung eines solchen) gesorgt ist, sodaß Telearbeit jederzeit
ohne aufwendige Investitionen und Installationen möglich ist. Das Problem bei diesem
Modell ist die zusätzliche Verteuerung des ohnehin nicht billigen Wohnungsbaus, was
bisher zumindest in Österreich dazu geführt hat, daß kein einziger Fall einer solchen
Siedlung realisiert wurde. Einzig das Telezentrum Bruck ist in Österreich der einzige
konzeptionelle Ansatz, ein Tele-cottage zu errichten, wobei die speziellen Vorschriften
für die Tele-Anbindung im Baurechtsweg vorgeschrieben werden sollen.
3.4.6 Mobile Telearbeit
Unter mobiler Telearbeit versteht man das Arbeiten von vielen verschiedenen Orten, auch
von Autos, Hotels, Flugzeugen, Kunden etc. aus. Daher ist diese Form der Telearbeit
besonders für Verkaufs- und Außendienstpersonal geeignet. Sie bedarf jedoch spezieller
Ausstattung, da diese nur wenig Raum und Gewicht bei möglichst großer
Leistungsfähigkeit einnehmen darf. Oft ist ein Laptop und, bei Bedarf, ein Drucker in
einem Koffer eingebaut, sodaß keinerlei Aufbau, außer dem Anstecken zum Aufladen der
Akkus, mehr notwendig ist ("mobiles Büro"). Die Kosten für eine derartige
Ausstattung sind mittlerweile relativ niedrig anzusetzen, weil sowohl Hardware, als auch
Software und Telekommunikationskosten ständig zurückgehen und noch weiter sinken werden.
Die höchste Mobilität garantieren analoge Modems in Verbindung mit Funktelefonen, die
praktisch überall eingesetzt werden können, zumindest solange man sich in Gebieten
aufhält, die an das entsprechende Mobiltelefonnetz verfügen.
3.4.7 Alternierende Telearbeit
Bei alternierender Telearbeit wird die Arbeit zeitlich zwischen mehreren Orten aufgeteilt,
wobei alle diese Orte verschiedene der obigen Telearbeits-Konzepte sein können. Meist
fällt darunter ein Arbeitsplatzwechsel zwischen der Wohnung und der Firmenzentrale und
eine Aufteilung der Arbeitswoche in Telearbeitstage und konventionelle Arbeitstage. Aber
auch zwischen einem Nachbarschaftsbüro und Arbeit in Geschäftsräumen von Kunden des
eigenen Betriebes ist denkbar. Der Hauptaspekt liegt hier darin, daß der Ort mehr oder
minder regelmäßig gewechselt wird.
3.5 Anwendungen im Bereich Telearbeit mit Vorbildcharakter
Im folgenden werden einige Anwendungen bzw. Fallstudien im Bereich Telearbeit vorgestellt.
Dabei muß aber bedacht werden, daß es derzeit im deutschsprachigen Raum noch sehr viel
Nachholbedarf gibt, weshalb noch recht wenige konkrete Fallstudien vorliegen.
3.5.1 Telearbeit in der Schweiz
Eine Studie hat gezeigt, daß sowohl technisch wie auch einstellungs- und
verhaltensmäßig auf der Arbeitnehmerseite relativ günstige Ausgangsbedingungen und
Voraussetzungen für die stärkere Nutzung der Telearbeit in der schweizerischen
Bevölkerung vorherrschen (vgl. o.V. 1998). Allerdings herrscht auch noch immer relativ
große Skepsis bei weiten Teilen der Bevölkerung, auch wenn die Bereitschaft, selbst mit
Hilfe der modernen Informatik- und Telekommunikationsmittel, allein oder in der Gruppe
Telearbeit zu leisten, im Verlauf der letzten Jahre zugenommen hat. Neuerdings könnte
sich die Mehrheit der Befragten vorstellen, Telearbeit in irgendeiner der möglichen
Formen auszuführen. Als Vorteile der Telearbeit wurden vor allem genannt:
* die Flexibilisierung der Arbeit
* die Flexibilisierung der Arbeitszeit
* der Wegfall des Arbeitsweges.
Als hauptsächlichster Nachteil erscheint die Gefahr des Verlustes von sozialen Kontakten
und der die Gefahr der Isolierung und Vereinsamung des Arbeitnehmers in seinen vier
Wänden. Der Anteil derjenigen, welche die neue Arbeitsform als für sich realisierbar
einstufen, hat seit 1987 langsam, aber kontinuierlich zugenommen, liegt aber noch immer im
einstelligen Prozentbereich.
3.5.2 Telearbeit in Bayern (Firma BMW)
BMW plant, ca. 5 % der Arbeitsplätze in den Bereichen Entwicklung, Einkauf und Technik
(insgesamt rd. 300 Personen) an einen Telearbeitsplatz am Wohnort zu verlagern. Dies
eröffnet die Möglichkeit, Arbeitsplätze mit den verschiedensten Anforderungsprofilen
unter technischen, wirtschaftlichen, organisatorischen und sozialen Aspekten praxisnah zu
erproben (vgl. http://www.leo.org/~bartel/bayonline.html#MittelstandsInfo).
Die folgenden Fallstudien wurden der folgenden Quelle entnommen:
http://www.fim.uni-linz.ac.at/telework/sonntag/beispiel.htm#H2_4
3.5.3 Telearbeit in Österreich (AUA)
Aus Kostengründen wurden über 100 Planstellen der Belegabrechnung von Wien nach Indien
verlagert, wodurch man sich hohe Kosteneinsparungen und eine Qualitätsverbesserung
erhoffte. Eine Qualitätsverbesserung wurde deshalb erwartet, da in Indien ausschließlich
Hochschulabsolventen angestellt werden, was in Österreich aufgrund des hohen Lohnniveaus
nicht möglich war. Trotzdem ergeben sich durch das niedrigere Lohnniveau
Kosteneinsparungen beim Personalaufwand. Durch den geringeren Lohn kann daher auch mehr
Personal zur Prüfung der Belege angestellt werden. Mit 31 Mio. öS Einsparungen pro Jahr
konnte das erste Ziel problemlos erreicht werden, doch eine Qualitätsverbesserung konnte
nicht erreicht werden. Erst nach einer längeren Anlaufphase konnte der gleiche Standard
wie in Österreich sichergestellt werden. Hauptprobleme waren die indische Bürokratie und
die kulturelle Unterschiede. Die österreichischen Mitarbeiter, die zur Einschulung und
Überwachung bzw. Leitung dort eingesetzt sind, mußten sich erst an die indische
Mentalität und Arbeitsmoral und an das Klima gewöhnen. Das größte Problem besteht aber
in den relativ schlechten Datenverbindungen, die hohe Antwortzeiten nach sich zogen. Diese
konnten von anfangs 30-40 Sekunden schließlich auf 6-7 s herabgedrückt werden. Aufgrund
der Online-Tätigkeit und der Tatsache, daß sich die Computer in Wien befinden und auch
nicht ausgelagert werden sollen, ergibt sich mit den langen Antwortzeiten ein
theoretisches Einsparungspotential von 5 Personen für jede Sekunde Antwortzeit weniger,
da dann die gleiche Arbeit von weniger Personen erledigt werden kann, wenn diese kürzer
auf Anfragen warten. Das zeigt, daß die Qualität der Kommunikation von entscheidender
Bedeutung für Telearbeit sein kann.
3.5.4 Schweizer Telekom
Bereits 1987 lagerte die Schweizer Post den gesamten Auskunftsdienst in das Bergdorf
Schiers (ca. 2400 Einwohner) aus. Mit 12 Bildschirmarbeitsplätzen wurden 29
Teilzeitarbeitsplätze geschaffen. Es ergaben sich sehr hohe Einsparungen durch niedrigere
Personal und Raumkosten sowie höhere Produktivität und Flexibilität (ca. 125.000 SFr.
pro Jahr). Dieses Projekt diente lange Jahre immer wieder als Vorzeigemodell für
Satellitenbüros, da es sehr früh implementiert wurde und sehr erfolgreich ist.
3.5.5 Jamaica Digiport International (JDI)
Auch dieses Projekt wurde wegen Kosteneinsparungspotentialen realisiert. Diese Firma wird
gemeinsam von AT&T, Cable (USA) und Wireless (UK) betrieben und stellt
Telekommunikationsverbindungen und Ausstattung für 10 verschiedene Firmen bereit. Die
Arbeit erfolgt von rund 600 Angestellten in einer Zollfrei-Zone auf Jamaika, wobei nur
niedrig qualifizierte Tätigkeiten angeboten werden (z. B. Dateneingabe). Die Löhne
betragen zwischen 10 % und 20 % der in Amerika für diese Tätigkeiten zu bezahlenden
Beträge.
3.5.6 "Bruck an der Leitung"
Dieses Projekt wird immer wieder als das österreichische Paradeprojekt präsentiert und
ist nicht mehr ganz neu, doch besteht bis jetzt nur eine Projektstudie und keinerlei
Aussicht auf baldige Implementierung. An dem Projekt sind im Rahmen der
Telematik-Initiative des Landes Niederösterreich beteiligt:
* IBM Consulting Group,
* Zentrum für Soziale Innovation,
* Akademie der Wissenschaften.
Es sollte sowohl ein Telezentrum mit kleineren Geschäften und Gemeinschaftseinrichtung
als auch insgesamt 80 Wohnungen und 30 Einfamilienhäuser mit sehr guter
Telekommunikationsabindung enthalten.
3.5.7 Telearbeitszentrum Floridsdorf
Dieses Telearbeitszentrum wird von der Firma Kapsch errichtet und besitzt 20
Telearbeitsplätze, die mit PC's und Standardsoftware ausgestattet sind. Als
Kommunikationsanschluß dient eine ISDN-Verbindung. An Zusatzleistungen werden Zutritts-
und Kontrollsysteme sowie eine Konferenzraum angeboten. Die Arbeitsplätze sind die ganze
Woche rund um die Uhr zugänglich, es sind daher auch flexible Arbeitszeiten möglich.
Zwei bis drei Arbeitsplätze werden von Kapsch selbst belegt (aus dem firmeninternen
Telearbeitsprojekt heraus, siehe unten), die anderen werden frei vermietet (Stadt Wien,
Seminar-Zentrum Mariahilf, Forschungszentrum Seibersdorf). Neben den Telearbeitsplätze
werden noch weitere Dienste, wie Schulungen etc., angeboten.
3.5.8 IBM - Außerbetriebliche Arbeitsstätten
Es wurden Mitarbeiter aus folgenden Bereichen in dieses Projekt einbezogen: Vertrieb,
Service, Labor, Forschung und Entwicklung, Produktmanagement und Verwaltungstätigkeiten.
Bei der Begleituntersuchung kam man zu sehr positiven Ergebnissen:
* erhöhte Produktivität
* effizientere Arbeit
* positive Auswirkungen für Familie
* Erhöhung der persönliche Lebensqualität.
3.5.9 Allianz Lebensversicherung-AG
Es wurden Mitarbeiter aus dem Bereich der Sachbearbeitungstätigkeiten im
Versicherungsbetrieb betrachtet, wobei pro Gruppe 3-4 Mitarbeiter für Telearbeit
ausgewählt wurden, was zwischen 25 und 50 % der Gruppenmitglieder entspricht. Es wurden
nur Vollzeitmitarbeiter mit hoher Qualifikation und guten Fähigkeiten zu selbständiger
Arbeit ausgewählt, wobei keine einzige Führungsposition ausgelagert wurde. Rund 80-90%
der Arbeit wird von zu Hause erledigt. Bisherige Erfahrungen:
* Vermutete Probleme im Arbeits- und Sozialverhalten sind vollständig ausgeblieben,
* positive Erwartungen größtenteils erfüllt,
* durch die bei der Sachbearbeitungstätigkeit notwendige Online-Verbindung ergaben sich
hohe Mehrkosten von rund öS 3.500 pro Arbeitsplatz und Monat
* Produktivitätsauswirkungen konnten nicht festgestellt werden (selbe Arbeitsmenge an die
Mitarbeiter übertragen).
* keine Probleme bei Ablauforganisation und Technik
* Verbesserungsmöglichkeiten durch die Nutzung elektronischer Dokumentenzuteilung und
weiterleitung möglich
Aufgrund der hohen Zusatzkosten und der geringen Einsparungen kann nicht abschließend
gesagt werden, ob dieser Versuch weitergeführt wird.
3.5.10 Bay Area
Bei diesem Projekt handelt es sich um einen der größten und wichtigsten Pilotprojekte im
Bereich Telearbeit. Unter anderem arbeiteten Firmen wie 3Com, Cisco, HP, Novell, SGI,
Pacific Bell, IBM, AT&T, Bank of America usw. zusammen. Das Ziel war und ist es, vor
allem Teleheimarbeit bei den Firmen einzuführen. Es gibt zwei Hauptunterstützungen für
Firmen in dieser Region, die Smart Valley Inc. und das Bay Area Telecommuting Assistance
Project der Regierung. In diesem Bereich gibt es ca. 300.000 Telearbeiter (nach
amerikanischer Definition), was 4,5 % der Beschäftigten entspricht. Es werden im
Durchschnitt 1,85 Tage pro Woche am Teleheimarbeitsplatz verbracht (Einsparung von
durchschnittlich 58 Meilen = 93 km und 145 Minuten Fahrzeit pro Tag). Begleitend wurden
einige Untersuchungen gemacht, deren Ergebnisse öffentlich zugänglich sind.
3.6 Zusammenfassung zur Telearbeit
Vor allem bei administrativen Tätigkeiten scheinen bedeutende Potentiale gegeben zu sein.
Allerdings herrscht bei weiten Teilen der Unternehmer, bei der öffentlichen Verwaltung
und nicht zuletzt auch bei der Bevölkerung doch noch eine gewisse Skepsis gegenüber
diesen Arbeitsmodellen. Es wird noch eine Menge Überzeugungsarbeit bedürfen, um diese
Skepsis mittel- bzw. langfristig zu reduzieren. Allerdings zeigen die positiven Beispiele,
vor allem aus dem wirtschaftlichen Bereich, daß hier noch bedeutende Potentiale brach
liegen. Für Österreich muß leider festgehalten werden, daß es eher als Bremser in
dieser Entwicklung angesehen werden muß. Durch geeignete Methoden könnte aber auch hier
zu einer Verbesserung beigetragen werden. Ein erster wichtiger Schritt ist das
Näherbringen der Neuen Medien zum Menschen, z.B. in Form von Lehre und Schulung in diesen
Bereichen. Im übrigen sollten auch von der öffentlichen Verwaltung verstärkt Impulse in
diese Richtung gesetzt werden.
Zusammengefaßte Ergebnisse bisheriger Untersuchungen zur Telearbeit:
* Telearbeiter schätzen die Vorteile viel größer als erwartet ein.
* Erfahrene Telearbeiter möchten mehr Tage pro Woche von zu Hause aus arbeiten.
* Manager und nicht-telearbeitende Mitarbeiter finden, daß die Vorteile überwiegen,
befürchten aber stärkere Nachteile als die Telearbeiter selbst.
* Die Anzahl der Telearbeitstage steigt mit der Zufriedenheit mit der Ausstattung zu
Hause.
* Je zufriedener die Mitarbeiter mit der Telearbeit sind, um so geringer sind die
Befürchtungen von Nachteilen durch die Telearbeit.
* Die größten Befürchtungen beim Anstreben von Telearbeit werden in der fehlenden
Unterstützung durch das mittlere und obere Management gesehen.
* Telearbeiter berichteten über hohe Produktivitätssteigerungen sowohl individuell bei
ihnen selbst als auch hinsichtlich der Gruppenarbeit.
* Die Manager schätzten die Produktivitätsteigerung erheblich kleiner ein. Ihre
Erwartungen vor der Einführung wurden z.T. nicht erfüllt.
* Die größten Probleme bei einer Ausweitung der Telearbeitstage sind Besprechungen und
soziale Probleme bzw. Managementprobleme.
* Die Technologie ist für Telearbeit ausreichend. Problematisch ist, wer für die Kosten
aufkommt (Angestellter - Firma) sowie die technologische Umsetzung der Gruppenarbeit.
Schlußfolgerungen:
* Gruppenarbeit und produktive Konferenzen werden durch die derzeit verfügbare
Technologie noch nicht ausreichend unterstützt (siehe hierzu auch die Ausführungen zu
Videokonferenzsysteme).
* Die derzeitige Technologie unterstützt einzelne Telearbeit (ausreichend bis) gut.
* Formale Telearbeitsprogramme werden in Betrieben benötigt, bei denen das notwendige
technische Wissen und die Firmen-Kultur noch fehlt. Wo diese Voraussetzungen gegeben sind,
ist keine formale Einführung notwendig.
Die größten Probleme bei der Einführung von Telearbeit:
* Natürlicher menschlicher Widerstand gegen Änderungen jedweder Art
* Befürchtungen der Manager über die Führung entfernter Mitarbeiter
* Befürchtungen der Telearbeiter über Integration und soziale Beziehungen
* Betriebe verkennen die Notwendigkeit der Einführung formaler Planung und von Prozessen,
die Mitarbeitern die Einteilung und Durchführung von Telearbeits-Tagen ermöglichen (Wer
ist wann wo?).
4 Electronic Commerce
4.1 Problemstellung
Die rasant fortschreitende technologische Entwicklung der modernen
Telekommunikationsmedien hat zur Ausbildung eines weltweit agierenden neuen
Wirtschaftszweiges geführt, dessen Aktivitäten allgemein unter dem Begriff Electronic
Commerce zusammengefaßt werden. Seit 1995 steht als einer von mehreren technologischen
Basisdiensten vor allem das Internet mit dem World Wide Web im Mittelpunkt der
Medieninteressen. Nach den ersten euphorischen Jahren, in welchen Firmenauftritten im
Internet große wirtschaftliche Erfolge prophezeit wurden, folgte vor allem in Europa die
Zeit der Ernüchterung. Mit einiger Verzögerung scheint es nun aber, daß auch
europäische und österreichische Unternehmen erfolgreiche Aktivitäten im Internet
nachweisen können (vgl. LOTTER und STREIMELWEGER, 1999, 110ff.).
Technologisch gesehen ist der Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen über moderne
Netzwerke kein Problem mehr. Konnten vor einem Jahrzehnt lediglich textorientierte
Informationen übertragen werden (BTX in Österreich oder Minitel in Frankreich), so ist
heute die Übertragung von Bildern, Tönen, ja sogar von Videos technisch geschehen kein
Problem. Die Probleme liegen vielmehr auf Seiten der Gesellschaft, die sich in Richtung
Zweiklassengesellschaft ("information haves' and have nots'"; OECD,
1997b, S. 19) zu bewegen scheint. Auf der einen Seite stehen jene, die Zugang zu den
modernen Netzwerken haben und diesen Zugang vermehrt nützen. Auf der anderen Seite jene,
die entweder nicht über die notwendigen Mitteln verfügen oder aufgrund fehlende
Ausbildung nicht die Fähigkeiten besitzen, um von den Möglichkeiten der modernen
Netzwerke zu profitieren. Neben der sozioökonischen Spaltung in Informationsreiche und
-arme ist auch ein Trend zur räumlichen Polarisierung bezüglich Versorgung mit und
Nutzung von modernen Netzwerken zu verzeichnen. Denn sowohl die Infrastruktur wie die
Nutzung der Telekommunikationsmedien ist in den Ballungszentren qualitativ und quantitativ
besser als in vielen ländlichen Regionen Österreichs.
Die Problemstellung, die in den folgenden Abschnitten beantwortet werden soll, lautet
demnach: Welche Maßnahmen (Pilotprojekte) sind zu setzen, um bestehenden
sozioökonomischen als auch regionalen Ungleichgewichten in bezug auf die Nutzung
elektronischer Marktplätze entgegenzuwirken?
Um dieser Problemstellung adäquat gerecht zu werden, erfolgt zunächst eine begriffliche
Abgrenzung sowie ein kurzer Überblick über Anwendungsfelder und Technologien des
Electronic Commerce. Darauf aufbauend werden die einzelnen Technologien/Dienste in Bezug
auf Funktionsweise, Vor- und Nachteile aus Sicht der Unternehmen oder Nutzer beschrieben.
Anschließend werden wichtige Barrieren skizziert, soweit dies nicht bereits bei den
jeweiligen Diensten erfolgt ist. Anhand von Fallstudien aus dem In- und Ausland werden
schließlich Empfehlungen für mögliche Pilotprojekte sowohl für den Business to
Consumer wie auch für den Business to Business Bereich abgeleitet.
4.2 Electronic Commerce und Elektronische Märkte
4.2.1 Begriffliche Abgrenzung
Electronic Commerce bezeichnet generell jede Form von kommerzieller Aktivität, die auf
der Verarbeitung oder Übertragung digitaler Daten basiert. Nach dieser allgemeinen
Definition umfaßt Electronic Commerce ein sehr weites Spektrum wirtschaftlicher
Tätigkeiten wie z.B. den elektronischen Handel von Gütern und Dienstleistungen, online
Zustellung digitalen Inhalts in Text- oder Bildform, elektronische Geldübermittlung,
elektronischer Aktienhandel, Auktionen, Design und Produktentwicklung über Netzwerke,
Stellenausschreibungen, After-sales Service, Direkt-Marketing usw. (vgl. OECD, 1997a,
5f.). Die folgende Abbildung stellt diesen Sachverhalt grafisch dar:
Abbildung 1: Anwendungsfelder der Electronic Commerce
Historisch gesehen wurde der Begriff mit der breiten Anwendung von Electronic Data
Interchange eingeführt (EDI, siehe folgendes Kapitel), in den letzten Jahren wurden unter
diesem Begriff vor allem Aktivitäten mit Hilfe der Internetdienste subsumiert.
Eng verbunden mit dem Konzept des Electronic Commerce (EC) ist das Konzept der
Elektronischen Märkte. "Within our economic system, electronic commerce must be seen
in the context of markets ... Electronic markets, therefore, are one selected
institutional and technical platform for electronic commerce" (WIGAND, 1997, 3).
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen realen und elektronischen Märkten ist der
"spezifische Einsatz der Informationstechnologie, welcher zu einer buchstäblichen
Aufhebung des Raumes führt" (SCHMID, 1995, 18).
"In ihnen (Elektronische Märkte( sind die Angebote und Nachfragen als ortslose
Informationsobjekte (Hervorh. nicht im Original( für eine räumliche verteilte Käufer-
und Verkäuferschaft simultan verfügbar" (SCHMID, 1995, 19). Wenn in elektronischen
Märkten Angebot und Nachfrage als "Informationsobjekte" bezeichnet werden,
erweitert sich zwangsläufig der Angebotscharakter eines Elektronischen Marktes. Somit
kann das Angebot ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Information sein.
Neben dem unterschiedlichen Angebotscharakter unterscheiden sich elektronische Märkte von
herkömmlichen Märkte auch durch die zur Anwendung gelangenden Geschäftsmodelle. Es
existieren sowohl elektronische Märkte, die sich durch den Verkauf von Produkten oder
Dienstleistungen finanzieren, als auch elektronische Märkte, die über Mitgliedsbeiträge
oder Eintrittsgebühren der Marktteilnehmer finanziert werden. Werbeeinnahmen durch den
Verkauf von Werbefläche sind vor allem im Bereich elektronischer Zeitungen und Magazine
ein häufig anzutreffendes Geschäftsmodell.
4.2.2 Kommunikationstechnologien und Anwendungsfelder
Prinzipiell kann man alle vorkommenden EC-Aktivitäten einer der drei folgenden Kategorien
zuordnen:
* Broadcasting: Verbreitung von Informationen mit Hilfe elektronischer Hilfsmittel aus
Gründen der Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit für das Unternehmen.
* Interacting: Digitale Marktforschung, Beschwerde- und Reklamationssammlung von
Konsumenten, elektronischer Geschäftsverkehr, Wissenstranfer
* Transacting: Verkauf von Produkten und Diensten
EC oder Elektronische Märkte gehen also über den reinen Verkaufsaspekt von Produkten und
Dienstleistungen hinaus und können für Unternehmen oder Konsumenten auf der Ebene des
"Broadcasting" oder "Interacting" ebenso nutzenstiftend sein.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Vielzahl an Technologien und
Anwendungen, die sich im Einsatz befinden. Die gruppenbildenden Kategorien sind die Art
des Netzwerkes und die an der Kommunikation teilnehmenden Geschäftspartner.
Tabelle 2: Anwendungsfelder des Electronic Commerce (vgl. HOGE, 1993, HANSEN, 1996; OECD,
1997a)
An geschlossenen Netzwerken können nur mittels gegenseitiger Übereinkunft bestimmte
Partner oder Mitglieder teilnehmen. In geschlossenen Netzwerken sind ebenfalls Business to
Consumer Transaktionen möglich, wie z.B. zwischen Unternehmen und Konsumenten, die
Mitglied bei CompuServe sind. Online-Käufe werden dabei aufgrund vorher festgelegten
Regeln zwischen den Mitgliedern abgewickelt.
EC, welcher über das Internet und das World Wide Web (WWW) abgewickelt wird, stellt eine
sehr stark wachsende Kategorie dar, welcher besonderes Augenmerk zu widmen sein wird. Die
Geschäftsabschlüsse die über das Internet getätigt werden, erfolgen in den meisten
Fällen zwischen Geschäftspartnern, die sich weder bekannt sind noch besondere Regeln
oder Übereinkünfte vor Transaktionen beschlossen haben.
Um den Rahmen der vorliegenden Studie nicht zu sprengen, werden jene Anwendungen und
Dienste, die sowohl in ländlichen Regionen als auch in Großstädten einen mehr oder
weniger festen Bestandteil des alltäglichen Lebens bilden, nicht in die weiteren
Erläuterungen einbezogen. Dazu zählen vor allem jene Anwendungen, die sich des
Fernsehens oder Radios als Medium bedienen. Ebenso wird nicht auf die Besonderheiten des
digitalen Fernsehens eingegangen, da "Video on Demand" oder
"Tele-Shopping" in ihrer Anwendung weder ausgeprägte regionale noch
sozioökonomische Unterschiede aufweisen. Die Anwendung von Videokonferenzen und CD-ROMs
wird im Kapitel über Distance Learning eingehend besprochen, weshalb dies an dieser
Stelle nicht weiters notwendig ist. Besonders CD-ROMs kommen überwiegend lokal zum
Einsatz und beanspruchen kaum Netzwerkdienste, weshalb auf dieses Medium nicht weiter
eingegangen wird.
Desweiteren ist es innerhalb dieser Studie nicht notwendig auf international oder national
durchgeführte Bank-zu-Bank Geschäfte oder Aktientransfers einzugehen, da diese keine neu
zu erschließenden Möglichkeiten für kommunale Gemeinden darstellen.
Sehr wohl aber werden in der vorliegenden Studie die Vor- und Nachteile und
Nutzungsbarrieren der folgenden Anwendungen besprochen:
* Electronic Data Interchange,
* Audiotexdienste,
* Kiosksysteme
* Interaktives Fernsehen und Teleshopping
* Internetdienste
4.3 Electronic Data Interchange
Electronic Data Interchange (EDI) dient ausschließlich dem zwischenbetrieblichen
elektronischen Austausch von Geschäftsdaten zwischen Computeranwendern von Industrie,
Handel, Spediteuren, Finanzdienstleistern und Behörden. Es handelt sich also um eine
reine Business-to-Business Lösung. Der wichtigste Unterschied zur Kommunikation via
e-mail ist, daß mittels EDI elektronische Dokumente, d.h. klar strukturierte
Informationen mit rechtsverbindlichem Charakter ausgetauscht werden wie z.B. Bestellungen,
Lieferscheine, Rechnungen oder Zahlungen. Die Übertragung von unstrukturierten
Informationen wie Nachrichten oder Notizen wäre ein typisches Anwendungsfeld für e-mail.
In Österreich verwenden um die 800 Unternehmen EDI. Vor allem im Einzelhandel wird das
System von großen Unternehmen wie REWE, ADEG oder SPAR eingesetzt, um Ihre Bestellungen
abzuwickeln (vgl. HANSEN, 1996, 22).
Die Nutzer von EDI benötigen als technologische Infrastruktur PC, Modem, Telefon- oder
Standleitung. Die Kommunikation zwischen den Teilnehmern basiert auf Protokollen wie X.25,
X.400 oder X.12 und auf nationalen und internationalen Normen wie z.B. EDIFACT (vgl.
BECKER und EHRHARDT, 1996, 39f.). EDI findet nur nach gegenseitiger Vereinbarung statt und
ist je nach Branche und Unternehmensgröße auf einige Dutzend bis maximal einige hundert
Kontaktpartner beschränkt. Der Versand der Informationen erfolgt hauptsächlich
automatisch, die maximale Reichweite ist national (selten international, vor allem bei
multinationalen Unternehmen).
4.3.1 Vorteile von EDI
Der Einsatz von EDI bringt folgende Vorteile mit sich (vgl. BECKER und EHRHARDT, 1996,
40ff.):
* Einsparung von Bürokosten, durch Wegfall von wiederholtem Erfassen von Daten und damit
einhergehender Reduktion der Fehlerhäufigkeit. Einsparung von Porto- und Papierkosten,
etc.
* Effizientere Handhabung von Informationen und Datenaustausch wodurch neue
Geschäftsstrategien möglich werden wie z.B. "Just-In-Time" Produktion mit
einer starken Reduktion der Lagerhaltungskosten
* Raschere Zahlungsabwicklung
* Erleichterung von Grenzkontrollen und Zollabfertigungen
4.3.2 Nutzungsbarrieren von EDI
Die Nachteile von EDI stellen sich folgendermaßen dar:
* Hohe Investitionskosten bei schwer kalkulierbarem Nutzen
* Zumindest zeitweise wird teures Fachpersonal benötigt
* Eventuelle Abhängigkeit von externen Unternehmensberatern
* Hard- und Software sind selten mittelstandsorientiert
* Die langfristige Festlegung auf ein System ist erforderlich, ohne das klar wäre, wo bei
den technischen Innovationen ein Standard erreicht ist, der nicht ständig überholt wird
* Der Nutzen für das Unternehmen kann erst mit zeitlicher Verzögerung nach der
Investition zum Tragen kommen
Aus diesen Ausführungen wird ersichtlich, daß EDI sich nicht zur interaktiven
Kommunikation mit potentiell Tausenden, Hunderttausenden oder gar Millionen privater
Kunden oder Interessenten eignet. Es ist also kein sogenanntes Masseninformationssystem.
Hinzukommt die mangelnde Flexibilität, die hohen Investitionskosten und die Gefahr der
raschen Veralterung der eingesetzten Technologie. Gerade für Klein- und Mittelständische
Unternehmen (KMU's) empfiehlt sich als kostengünstige Alternative die Verwendung von
internetbasierten Electronic Commerce Applikationen zur Abwicklung von elektronischem
Geschäftsverkehr über ein sogenanntes Extranet. Einer OECD-Studie zur Folge ergeben sich
dadurch sowohl für große Unternehmen wie für KMU's Kosteneinsparungspotentiale zwischen
10 bis 50%. General Electric berichtet, daß vor Einführung internetbasierter Extranets
25% aller Bestellungen (von 1,25 Mio. Bestellungen) nachbearbeitet werden mußten. Nach
Einführung sank die Fehlerquote auf 2%. Diese Werte decken sich mit den Erfahrungen
anderer Firmen, die Reduktionen bei der notwendigen Arbeitszeit zur Bestellabwicklung von
50 bis 96% berichten (vgl. OECD, 1997b, 14).
4.4 Audiotexdienste
Audiotexdienst ist ein Sammelbegriff für Telefon-, Informations- und
Unterhaltungsangebote, für die der Nutzer entweder gleichviel, mehr (premium rate
services) oder weniger (free phone services) als die normalen Telefongebühren zahlen
muß. Audiotexdienste sind klassische Business-to-Consumer Anwendungen. In Österreich
handelt es sich um einen noch relativ jungen Markt, der sich hauptsächlich auf Wien
konzentriert. Ein spezieller Dienst sind die interaktiven Audiotexdienste, die vorwiegend
zur automatisierten Beantwortung von Routineanfragen verwendet werden. Der Suchprozeß
wird dabei auf den Kunden übertragen. Handelt es sich um Standardfragen werden diese vom
Audiotex-System sofort beantwortet, ansonsten wird der Anrufer zum passenden
Ansprechpartner weitergeleitet. Technologische Voraussetzung auf Seite des Benutzers ist
die Verwendung eines digitalen Telefons.
Die Anwendung der Audiotexdienste reicht von Erotic-Hotlines bis zu seriösen 24 Stunden
Services oder Produktinformationen. Immer mehr Firmen nutzen diesen Dienst als
Serviceleistung für Ihre Kunden. Die weiteste Verbreitung haben Audiotextdienste in
Europa in Großbritannien, Niederlanden und der Schweiz.
Die Hauptanwendung von interaktiven Audiotexdiensten liegt im Service- und
Dienstleistungssektor. Vor allem Banken sind Vorreiter in diesem Bereich durch die
Verwendung von bereits stark verbreiteten Telefonkonto-Serviceangeboten. Ein anderes
Beispiel ist das Powerphone-Service der Wirtschaftsuniversität Wien (vgl. HANSEN, 1996,
S. 25ff.). Dieses Service ermöglicht die Abwicklung von Routinevorgängen wie
Prüfungsanmeldungen oder Notenabfragen. So wird einerseits die Administration entlastet
und andererseits die Studierenden. Die Studierenden ersparen sich, ohne an Öffnungszeiten
gebunden zu sein, zeitaufwendige Wege. Die Identifikation erfolgt mittels Matrikelnummer
und PIN-Code (engl.: personal identification number). Die Eingabe erfolgt per
Zifferntastatur und die Menüführung wird mittels Sprachcomputer abgewickelt, der die
jeweiligen Optionen und ihre Auswahl vor jedem Schritt erläutert.
Weitere nutzenstiftende EC-Anwendungen, unabhängig von regionaler Lage und Größe der
kommunalen Gemeinde, wären z.B. die bereits vielfach anzutreffenden
Kartenreservierungssysteme für Kino- oder Theaterveranstaltungen. Ebenso denkbar wären
Tarif- oder Fahrplanauskünfte mittels Audiotexdienst. Besonderes Potential sehen die
Autoren im Bereich Behördenservice. Dieser ist zwar nicht dem EC zuzuordnen und wird
deshalb auch nur am Rande erwähnt. Bei eingehender Analyse sollte es aber in diesem
Bereich möglich sein, Routinen zu identifizieren, die mittels Audiotextdienst abgewickelt
werden könnten.
Vorteile von Audiotexdiensten
Verglichen mit Internetdiensten und geschlossenen Onlinediensten wie CompuServe oder
America Online verfügt Audiotex über ein wesentlich größeres Absatzpotential in den
privaten Haushalten, aufgrund der ubiquitären Verbreitung des Telefons. Zusatzgeräte
sind nicht notwendig, lediglich digitale Telefonnetze müssen vorhanden sein. Der größte
Vorteil liegt sicherlich in der denkbar einfachen Bedienung. Andere Medien wie TV, Radio,
Presse oder Internetdienste setzen Audiotexdienste vermehrt als unterstützendes
Instrument für Werbung und Verkauf ein. So werden für jene Kunden, welchen z.B. die
Bestellung per Internet nicht sicher genug ist, Audiotexdienste für die Bestellannahme
oder für weiterführende Produktinformationen verwendet. Europaweit ist ein starkes
Wachstum für Audiotexdienste zu verzeichnen. Die weitere Entwicklung wird wesentlich von
den angebotenen Inhalten und der Preisgestaltung abhängen.
Nutzungsbarrieren
Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß im Vergleich zu den USA, Frankreich oder der
Schweiz der Einsatz von Premium Rate Services und Free Phone Services noch unterentwickelt
ist. Die Ursachen dafür liegen neben dem späten Einstieg im Jahre 1993 in der Existenz
technischer und rechtlicher Barrieren.
Anzuführen sind hier vor allem
* mangelnde individuelle Tarifgestaltung
* fehlende 100%ige Distribution von digitalen Telefonen in Österreich
* geringe Kostenkontrolle von seiten des Benutzers
* eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten aufgrund des Telefons
* mancherorts anzutreffende schlecht durchdachte, komplizierte Leitsysteme
Ein wesentliches Problem ist auch, daß die Benutzer von Audiotextdiensten nicht immer
ident sind mit jenen, die die Telefonkosten tragen. Problematisch ist auch der schlechte
Ruf der Telefonmehrwertdienste als Sex-Hotlines. Europaweit liegt der Anteil von
Erotik-Angeboten am Gesamtumsatz von Audiotexdiensten zwischen 30 und 70% (vgl. HANSEN,
1996, 30).
4.5 Kiosksysteme
Kiosksysteme (Synonym: Selbstbedienungs-Computerterminals) sind meist auf öffentlichen
oder frei zugänglichen, stark frequentierten Plätzen aufgestellt. Eine spezifische
Einschulung der Benutzer ist für die Bedienung nicht notwendig. Die Nutzung erfolgt
meistens stehend, wobei die Nutzungsdauer im Durchschnitt wenige Minuten beträgt.
Kiosksysteme sind offene Business-to-Consumer Anwendungen, welche von jedermann
grundsätzlich unbeaufsichtigt und unlimitiert benutzt werden können. Die
Benutzerführung erfolgt über vorgegebene Masken und Menüs.
Man unterscheidet zwischen Unterhaltungs- Transaktions- und Informationskiosken. Typische
Transaktionskioske sind die weitverbreiteten Bankomaten oder Ticketautomaten. Zu den
Unterhaltungskiosken zählen alle Spielautomaten. Informationskioske werden überwiegend
im touristischen Bereich oder auf Messen als Orientierungshilfen (Leitsysteme für
Besucher) aufgestellt. Auf deutschen Bahnhöfen geben Kioske z.B. Standardfahrkarten aus
und erteilen in elektronischer Form Fahrplanauskünfte.
Neben erfolgreichen Kiosksystemen gibt es aber auch viele Mißerfolge. BP hat z.B. soeben
seinen Test von elektronischen Verkäufern an Münchner Tankstellen nach zwei Jahren
abgebrochen. Nach Aussage von BP-Sprecher Uwe Reif war die Wirtschaftlichkeit der
Kiosksysteme "nicht so, daß sich die Investitionen lohnen". BP hatte u.a.
Lebensmittel eines lokalen Sparhändlers und Waren des Otto-Versands zur Bestellung und
dem späteren Abholen an der Tankstelle angeboten. Die Resonanz der Autofahrer war aber
bescheiden.
Im Kapitel Fallstudien wird eine Kiosk-Anwendung aus Deutschland detaillierter
beschrieben. Es handelt sich dabei um eine Anwendung, die eine interessante Möglichkeit
für ein Pilotprojekt in ländlichen Regionen darstellen könnte (siehe Business-to-, S.
39).
Vorteile von Kiosksystemen
Die Vorteile von Kiosksystemen sind:
* Ein 24-Stunden Angebot von Informationen und Service
* Relativ geringe Betriebskosten
* Möglichkeit zur Präsenz an vielen öffentlichen Plätzen
* Personalkosteneinsparungen durch Entlastung des Personals von Routinetätigkeiten
* Kenntnis über die Interessen der Benutzer durch Analyse der automatisch registrierten
Abfragen
* Möglichkeit Verkaufsfunktionen zu integrieren
Nutzungsbarrieren von Kiosksystemen
Ist ein Kiosk einmal aufgestellt, gibt es von seiten der Benutzer kaum Barrieren. Die
größte Barriere liegt in den hohen Entwicklungskosten für die Software. Die Hardware
kann relativ günstig angeschafft werden, jedoch die Entwicklungskosten der Software
liegen im Bereich von ATS 800.000,- bis ATS 1,5 Millionen.
Ein weiteres Problem liegt in der anonymen und meist sehr heterogenen Zielgruppe. Dadurch
muß das Informationsangebot sehr breit angelegt werden, wodurch für den einzelnen
Benutzer das Auffinden der gewünschten Information recht langwierig und mühsam ausfallen
kann.
4.6 Interaktives Fernsehen und Teleshopping
Radio- und Fernsehgeräte sind in Österreich heute zwar flächendeckend in fast jedem der
3 Mio. Privathaushalte vorhanden. Sie erlauben bislang jedoch lediglich den Empfang von
Information, also die unidirektionale Informationsübermittlung vom Sender zum Zuhörer
und Zuschauer. Dennoch findet bereits vereinzelt zwischen Radio- und Fernsehmoderatoren
auf der einen und dem Konsumenten auf der anderen Seite eine einfache Form bidirektionaler
Kommunikation statt, indem der Zuhörer / Zuschauer ermuntert wird, per Telefon an der
Sendung mitzuwirken. Neue interaktive Dienste ermöglichen dem Zuschauer jedoch eine
aktivere Rolle als bisher. Dafür ist echte bidirektionale Kommunikation erforderlich; d.
h. der Konsument muß einen Rückkanal zur Verfügung haben. Eine Möglichkeit dafür ist
die ADSL-Technik (Asymetrical Digital Subscriber Line), bei der sowohl der Datenkanal zum
Konsumenten als auch der Rückkanal über die Telefonleitung geführt wird. Das ankommende
Signal für die Darstellung am Fernseher aufzubereiten und den Rückkanal zur Verfügung
zu stellen, sind zwei der wesentlichen Aufgaben, die von einem neuen Zusatzgerät, der
sog. "Set-top-Box" erfüllt werden. Die Bandbreite des Datenkanals zum
Empfänger über den normalen Telefonanschluß kann über kurze Entfernungen (bis ca. 3
km) bis zu 1,5 Mbit/s betragen, der Rückkanal kommt mit wenigen Kbit/s aus (daher
"asymetrical"). Die Set-top-Box kann je nach Anbieter auch die Nutzung des
Internet mittels TV-Bildschirm ermöglichen. Dabei ist sowohl der Versand und Empfang von
e-mails möglich als auch das sogenannte "Surfen" im World Wide Web.
Der digitale Empfang von TV hat nur in jenen Ländern nennenswerte Anteile, in denen
digitales Pay-TV erfolgreich ist (ZERDICK et al., 1998, S. 286). Das sind vor allem die
USA, Frankreich und Spanien.
Teleshopping
Teleshopping oder auch Homeshopping genannt, ist jene Einkaufsform bei der vom
TV-Bildschirm aus Waren ausgewählt und über einen Rückkanal mittels Fernbedienung und
Set-top-Box bestellt werden. Derzeit werden die Bestellung überwiegend per Telefon oder
Postkarte abgewickelt. Ein deutsches Beispiel für einen Homeshopping Sender ist der vom
Privatsender Pro7 und dem Versandhaus Quelle AG gegründete Kanal namens HOT (Home Order
Television). Bis zum Jahr 2000 wollen die Betreiber einen Jahresumsatz von 300 bis 500
Mio. Mark erzielen. Aber selbst in den USA liegen nach mehr als zehnjähriger Anlaufzeit
die Umsatzzahlen im Teleshopping hinter den Erwartungen (vgl. HANSEN, 1996, 68).
Teletext
Punkto Reichweite ist Teletext sicherlich das wohl optimale interaktive Medium. Über die
Hälfte aller österreichischen Haushalte verfügen über einen Farbfernseher mit
Videorecorder und entsprechendem Decoder. Als Ausgabemedium ist Teletext allerdings sehr
beschränkt, weil er rein textorientiert und kaum grafikfähig ist. Pro Teletextseite
können maximal nur 24 Zeilen mit jeweils 40 Zeichen dargestellt werden. Langfristig
werden dem System keine weitreichenden Entwicklungschancen eingeräumt. Nur die relativ
geringen Kosten und die Tatsache, daß multimediafähige Systeme noch nicht
flächendeckend sind, könnten dem interaktiven Teletext zu mittelfristigen Erfolgen
verhelfen.
Vorteile des Interaktiven Fernsehens
Die Vorteile liegen primär in der flächendeckenden Verbreitung des Fernsehers.
Zusätzlich könnte die Set-top-Box, wenn diese internetfähig ist, neue Zielgruppen für
die Benutzung des WWW erschließen. Ob die Set-top-Box für Internetanwendungen
letztendlich genutzt wird, ist eine Frage des Bedienungskomforts und des
Ausbildungsstandes der Benutzer. Aufgrund der geringen Verbreitung dieses Mediums ist
derzeit schwer abzuschätzen, wie die zukünftige Nutzerakzeptanz aussehen wird.
Nutzungsbarrieren des Interaktiven Fernsehens
Nutzungsbarrieren sind in diesem Fall die Kosten wie z.B. für die Anschaffung der
Set-top-Box und die Benutzerfreundlichkeit des Systems.
Vielmehr als die technischen und kostenmäßigen Barrieren dürfte aber die Einstellung zu
Teleshopping eine Hürde sein. Eine 1995 durchgeführte Repräsentativerhebung für
Österreich ergab, daß der überwiegende Teil (63%) kein Interesse an Teleshopping hat,
auch dann nicht wenn dies gebührenfrei angeboten wird. Von den 37% der interessierten
Haushalten wollen fast die Hälfte keine zusätzlichen Kosten in Kauf nehmen. Drei Prozent
sind bereit bis zu ATS 200,- Spesen pro Bestellung zu zahlen, weitere drei Prozent würden
ATS 100,- zahlen, acht Prozent würden ATS 50,- und sechs Prozent würden maximal ATS 25,-
pro Bestellung zahlen (vgl. HANSEN, 1996, 68). Dies wird auch durch eine Studie des
deutschen Instituts für Markt- und Sozialforschung bestätigt. Demnach stehen 72% der
Befragten Kaufangeboten im Fernsehen kritisch gegenüber und sogar 84% möchten nicht auf
die sinnliche Erfahrung beim Einkauf verzichten.
4.7 Internetdienste
Aufgrund der besonderen Bedeutung der Internetdienste werden diese im folgenden
detaillierter besprochen
4.7.1 Wachstum und Marktdurchdringung
Die folgende Abbildung veranschaulicht das Wachstum der Rechner im Internet für Europa
und Deutschland. Die Zahlen stammen von der deutschen Domainname-Registrierungsstelle
De-Nic (http://www.nic.de/).
Abbildung 2: Zahl der Rechner im Internet
Für Österreich existieren derzeit keine exakten Angaben. Die genauen Zahlen für
Deutschland lauten 1.132.174 und für Europa 5.789.853 Rechner im Internet. Das Wachstum
der Rechner in Europa verdeutlicht die rasante Entwicklung des Internet. Derzeit ist noch
kein Ende dieses Aufwärtstrends in Sicht.
Während das Fernsehgerät noch einer Aufrüstung bedarf, steht mit dem PC durch die
schnelle Verbreitung immer leistungsfähigerer Rechner in den Unternehmen und Zuhause
dagegen bereits heute ein preiswertes Endgerät zur Verfügung, das eine multimediale
Kommunikation und damit die organische Verknüpfung der Individuen ermöglicht. Die
einfachste und preiswerteste, vor allem aber flächendeckende Verbindung der PCs erfolgt
über das Telefonnetz, sei es über einen herkömmlichen Telefonanschluß, sei es über
einen Anschluß mit ISDN-Qualität. Beide Anschlußarten sind für schmalbandige
Interaktionen ausreichend. Neben der geschäftlichen und privaten Kommunikation der
PC-Besitzer untereinander haben diese auch zunehmend Zugriff auf Angebote des Handels und
des Dienstleistungsgewerbes. Für diese ist es einerlei, ob am anderen Ende der Leitung
ein "interaktives Fernsehgerät" oder ein PC steht.
Betrachtet man die Ausstattung der Haushalte mit Multimedia-PCs, Modem und Internetzugang
so ergibt sich das folgende Bild11:
Abbildung 3: Ausstattung der Haushalte mit Multimedia-PC, Modem
und Internetzugang (Quelle: Integral - Fessl & GfK, 1999, Zerdick et al., 1998)
Obwohl die Marktdurchdringung mit PCs und Internetzugang in Europa und im speziellen in
Österreich noch nicht soweit fortgeschritten ist wie in den USA, ist der PC als Endgerät
für den Gebrauch von Telekommunikationsdiensten bei weitem stärker vertreten als die
Set-top-Box.
Während in Österreich heute bereits 22% der Privathaushalte einen Multimedia-PC besitzen
(mit CD-ROM Laufwerk und Soundkarte), die mit geringstem finanziellem Aufwand (Kosten für
ein Modem, das eine Vernetzung über das Telefonnetz ermöglicht, ab rd. ATS 1.000,-) für
die Telekommunikation eingesetzt werden können, haben digitale Fernsehempfänger und
multimedia-fähige Set-top-Boxen noch nicht eine Verbreitung erreicht, die für den
großflächigen Einsatz der neuen Kommunikations- und Informationsdienste erforderlich
wären. Die Ausstattung mit PCs allgemein hat in Österreich bereits eine
Marktdurchdringung von etwa 40 % aller Privathaushalte erreicht (vgl. Integral - Fessl
& GfK, 1999). Das rasante Wachstum diese Marktes wird auch durch die Entwicklung in
der Zahl der Internetzugänge von Privathaushalten verdeutlicht. Waren es Anfang 1998 noch
6%, so sind es Ende 1998 bereits 9% gewesen (vgl. Integral - Fessl & GfK, 1999).
Die folgende Abbildung zeigt die geschätzten Zahlen der Internetnutzer in Österreich und
in Deutschland, wobei es sich bei den österreichischen Zahlen um Intensivnutzer handelt.
Intensivnutzer sind solche, die das Internet täglich oder mehrmals pro Woche nutzen.
Zählt man dazu jene Nutzer, die das Internet ein paar Mal pro Monat oder seltener nutzen,
so sind dies in Österreich 1,23 Mio.
Abbildung 4: Zahl der Internetnutzer in Österreich und
Deutschland (Quelle: Integral - Fessl & GfK, 1999; Holtermann, 1998)
Innerhalb eines Jahres konnte sich die Zahl der intensiven Internetnutzer in Österreich
auf 710.000 mehr als verdoppeln! So dürfte kurz- und mittelfristig der PC auch für den
Privathaushalt das am weitesten verbreitete und ideale Endgerät für die moderne
Telekommunikation darstellen. Ob mittel- bis langfristig die Trennung von PC und
Fernsehgerät im privaten Bereich erhalten bleibt oder ein Gerät (gerade auch im Hinblick
auf die Möglichkeit der Nutzung eines hybriden Netzes) den Markt erobern wird, das beide
Funktionen miteinander vereint, ist derzeit noch offen, angesichts stetig sinkender
Hardwarepreise jedoch zu erwarten.
4.7.2 Marktpotential und Produkteignung für Elektronische Märkte im Internet
Eine aktuelle Studie des amerikanischen Food Marketing Institute über die Entwicklung des
Internets als Einkaufsmedium für Privathaushalte, bescheinigt dem Online-Shopping enorme
Zuwachsraten. Demnach soll der Online-Shopping Umsatz in der EU von 298 Mio U$ im Jahr
1998 auf rund 4.970 U$ im Jahr 2002 ansteigen. Dies entspricht einem Wachstum von nicht
weniger als 1.667%. Am besten geeignet für den Vertrieb über Internet sind demnach:
* Hard- und Software
* Unterhaltung (Bücher, CDs, Tickets)
* Reisen (optimale Vergleichbarkeit von Preis und Leistung!)
* Aktien
Diese Warengruppen kommen sogar auf über 80 Prozent des analysierten Umsatzes. Dennoch
widerspricht diese Studie der Annahme, daß sich das Internet nur für diese Produkte
eigne. Entscheidend für Umsatzerfolge sei vielmehr, mit Hilfe des Datennetzes eine
"nette Einkaufsatmosphäre zu schaffen, die dem Kunden (Mehr-) Werte gibt"
(RODE, 1998). Besonders im Internet gilt es, einzigartige unverwechselbare Produkte
anzubieten, die der Kunde bei der Konkurrenz nicht bekomme. Dann sei "die Ausweitung
des E-Commerce auf fast alle Produkte und Services unvermeidlich" (RODE, 1998). Diese
Hypothesen werden auch von einer Untersuchung über den europäischen Internet Markt von
Forrester Research unterstützt. Neben den eben erwähnten Warengruppen sehen die
Unternehmensberater ebenso für "Blumen, Kleidung und Lebensmittel gute Chance im
europäischen Teil des Internet" (N.N., 1998).
Der größte Anteil des Internet Umsatzes entfällt aber nicht auf jene Unternehmen, die
nur über das Internet ihre Produkte verkaufen. Sondern rund 60% des elektronischen
Umsatzes kommt jenen Unternehmen zu, die auch Katalogversand oder stationäre Läden
unterhalten (vgl. RODE, 1998). D.h. das für die erfolgreiche Abwicklung von
Elektronischen Geschäften bestehenden logistischen Strukturen immense Bedeutung zukommt.
Angesichts der hohen Telekommunikationskosten und ungenügender Bandbreiten in Europa
kommt dem Internet-Einkauf vom Büro aus große Bedeutung zu. Es ist zu vermuten, daß in
Zukunft viele Single-Haushalte und Haushalte mit Doppelverdienern aufgrund ihres knappen
Zeitbudgets das Internet vermehrt für Einkäufe nützen werden.
Mangelnde Ausbildung und zu hohe Kosten.
Interessanterweise enden nur 1,6 Prozent aller einzelnen Besuche in Online-Shops mit einem
Kauf. Aus Internet-Nutzern Käufer zu machen, ist nach Ansicht der Boston Consulting Group
(BCG) eine der wesentlichen Herausforderungen an alle Internethändler (vgl. RODE, 1998).
Ein weiterer "Mythos" dem die BCG-Studie widerspricht, ist der Glaube, daß den
höchsten Kostenanteil für eine Internet-Präsenz die Programmier- und Speicherkosten
einnehmen. Die weitaus höchsten Kostenanteil nehmen aber Marketing- und Werbeaufwendungen
ein. Die von BCG befragten Internethändler reinvestieren z.B. 65% ihres Umsatzes in die
Werbung (sowohl klassische als auch online), während es im Durchschnitt des US-Handels
nur vier Prozent sind.
Für den Businessbereich werden vor allem die hervorragenden Kommunikationsmöglichkeiten
über das Internet weiter an Bedeutung gewinnen. Folgende Bereiche werden dabei als
besonders zukunftsträchtig eingeschätzt:
* e-mail
* Bestellwesen (EDI via Internet)
* Intranet und Extranet; Durch das Internet können auch räumlich getrennte Standorte
eines Unternehmens sehr einfach in ein einziges EDV-Netz eingebunden werden (Intranet).
Werden darüber hinaus auch noch Lieferanten und Kunden in das Firmennetz hereingelassen,
spricht man vom Extranet. Diese Systeme sind nicht öffentlich zugänglich. So entstehen
geschlossene Betriebs- oder Brancheninformationssysteme. Der Hauptnutzen dabei: Flexible
Erweiterung des EDV-Netzes zu sehr geringen Kosten. Gerade in diesem Bereich werden für
die nächsten Jahre die größten Entwicklungspotentiale gesehen.
* Nutzung von Datenbanken und anderen Archiven
Besonders der Punkt Bestellwesen birgt für KMU's ein großes Potential. Das Internet
ermöglicht diesen ohne die großen Investitionen wie im klassischen EDI-Bereich EDI via
Internet durchzuführen.
4.7.3 Spezialthema: Verkauf von Lebensmitteln im Internet
Lebensmittel erfüllen die eben genannten Produktanforderungen nur zu einem sehr geringem
Teil. Besondere Problematik: Die Lieferlogistik. Manche Unternehmen entwickeln dazu einen
eigenen Zustelldienst (Meinl), andere nutzen bestehende Logistiklösungen (z.B. Billa
über EMS). Die Probleme dabei:
* Anwesenheit des Bestellers bei Lieferung
* Probleme bei kühlbedürftigen Produkten (Frischmilch)
* dichtes LEH-Netz; Einkauf im Geschäft ist vielfach einfacher als Internetbestellung
& Lieferung über Zustellservice
Konkrete Zahlen über die Akzeptanz der Konsumenten sind leider nicht erhältlich; nach
inoffiziellen Angaben dürfte die Akzeptanz jedoch sehr gering sein. Der tatsächliche
Nutzen für die Konsumenten ist einfach zu gering. Solange das Problem einer
konsumentenfreundlichen Logistik nicht gelöst ist, wird der Verkauf von Lebensmitteln im
Internet nur marginale Bedeutung haben. Hinzu kommt, daß die Anzahl der Internet-User
zwar rasant wächst, so "demokratische" Produkte wie Frischmilch aber immer noch
zum Großteil an Nicht-Internet-User verkauft werden. Anders sieht die Situation beim
Verkauf von Lebensmittelspezialitäten aus, die per Versand zugestellt werden können. So
liegen die Umsatzzahlen der Anbieter von Honigprodukten und Wein innerhalb Austrian
Country Market (http://www.lisa.at) zwischen ATS 30.000,- und ATS 50.000,- pro Jahr. Beim
Weinverkauf gibt es aber eine funktionierende Logistik, die innerhalb von drei Tagen die
Zustellung des bestellten Weines garantiert.
4.7.4 Vorteile des Internet
In Summe bietet das Internet eine Vielfalt an Möglichkeiten, die längst noch nicht alle
ausgenützt werden. Den größten Vorteil stellt sicherlich der offen Zugang sowohl für
Konsumenten wie für Unternehmen dar. Allerdings ist auch nicht jede Internet-Anwendung
wirklich sinnvoll. Deshalb sollte man sich bei der Realisierung solcher Projekte immer vor
Augen halten, daß es gelingen muß den Nutzern echte Vorteile gegenüber anderen Medien
anzubieten:
* Aktualität der gebotenen Information (z.B. real-time Börsenkurse)
* Einfache Suchfunktion
* Rascher Zugriff auf Daten die weltweit verstreut gespeichert werden
* Rasche Datenübertragung
* Jederzeitige Verfügbarkeit
* Professionelle Präsentation der Inhalte
Es werden nur solche Internetprojekte auf Dauer Erfolg haben, die sich auf die
wesentlichen Vorteile des Internets konzentrieren. Besonders der Aktualität der
angebotenen Informationen und dem Inhalt kommt besondere Bedeutung zu. Inhalte und nicht
die Technik sind der Grund, warum Menschen mediale Infrastrukturen nutzen und Unternehmen
Wertschöpfungsketten im Telekommunikationssektor überhaupt aufbauen können. Content
bleibt deshalb für den gesamten Medien- und Kommunikations-Sektor weiterhin Trumpf.
Leider ist aber oft weder der Inhalt noch die Präsentation zeitgemäß und kundengerecht
gestaltet. Eine soeben durchgeführte Studie in Deutschland stellt den dort ansässigen
Online-
shops ein schlechtes Zeugnis aus: Alte Technik, schlechte Navigation, kundenfeindliche
Zahlungssysteme so ließe sich deren Urteil zusammenfassen. 90 Prozent der untersuchten
Online-Shops arbeiten mit veralteter Technik, ergab eine Überprüfung der knapp 15.000
deutschsprachigen Einkaufszentren im World Wide Web, die der Internet-Berater in Touch
(Bad Homburg) durchgeführt hat. Durch moderne Technologien, mit denen sich der Kunde
besser im virtuellen Laden zurechtfindet, könnten die Internet-Geschäfte ihren Umsatz im
Durchschnitt verdoppeln, schätzt Geschäftsführer Frank-Michael Welsch-Lehmann aus
Erfahrungen in US-Shops. Ohne Änderungen prophezeit er den Shopbetreibern Einbußen bei
den Einnahmen von rund 35 Milliarden Schilling allein in diesem Jahr.
Hat der Kunde allen Hürden zum Trotz das richtige Produkt gefunden, legen ihm die
deutschen Online-Shops weitere Stolpersteine beim Bezahlen in den Weg. Nicht einmal bei 5
Prozent der Online-Läden kann der Kunde die Rechnung über ein elektronisches
Zahlungssystem direkt begleichen. Immerhin 40 Prozent der Shops akzeptiert wenigstens
Kreditkarten. Über die Hälfte der Shopbetreiber verläßt sich jedoch beim Kassieren
lieber auf herkömmliche Methoden wie Versand auf Rechnung, Nachnahme und Vorkasse.
"Wenn sich das nicht bald bessert, werden die US-Shops zügig den hiesigen Markt
erobern. amazon.de ist schon hier" (Pressetext.Austria, 1999).
4.7.5 Nutzungsbarrieren
Eine von der OECD unternommene zusammenfassende Analyse mehrerer Studien über die
Entwicklung des Electronic Commerce relativiert all zu optimistische Sichtweisen. Nur wenn
bestimmte Probleme wie Zahlungsunsicherheit im Netz, Ängste vor betrügerischen
Händlern, Datenschutz-Bedenken und die Kosten des Internet-Zugangs gelöst werden, wird
dem Internet-Handel signifikantes Wachstum zugesprochen. Starkes Wachstum prognostiziert
die OECD auf jeden Fall dem Internet-Handel im Bereich Business-to-Business, wo sie sogar
von einem zukünftigen Anteil am gesamten Internet-Umsatz in Höhe von 80% ausgehen (OECD,
1997b).
Zwei weitere wesentliche Nutzungsbarrieren, die im Grunde genommen, für alle bereits
erwähnten Telekommunikationsdienste zutreffen, sind die mangelnde Ausbildung und die
Kosten (vgl. OECD, 1997b). Letztere sind vor allem Ursache dafür, daß kaufkräftigere
Bevölkerungsschichten höhere Anteil bei Besitz von Computer und Zugang zum Internet
aufweisen. So besteht z.B. ein signifikant nachgewiesener Zusammenhang zwischen
Computerbesitz im privaten Haushalt und höherem Einkommen (vgl. OECD, 1997b, 18f.). D.h.
Hauhalte mit höheren Einkommen profitieren von den Segnungen des Electronic Commerce
stärker als Haushalte mit niedrigen Einkommen.
Deshalb sollte auch für jene Bevölkerungsschichten, die sich normalerweise den Zugang zu
modernen Netzwerken im privaten Haushalt nicht leisten können, alternative
Zugangsmöglichkeiten angeboten werden, wie z.B. auf kommunaler Ebene in Schulen,
Postniederlassungen, Telehäusern oder Bibliotheken.
Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen und in den Privathaushalten fehlt vielfach
das Wissen um die Möglichkeiten der neuen Informations- und
Telekommunikationstechnologien. Das liegt nicht zuletzt daran, daß häufig bei bislang
durchgeführten Pilotprojekte der Anwendungsbedarf dieser Nutzergruppen nicht ausreichend
berücksichtigt wurde. Dies wird von den Ergebnissen der sozialen Experimente in Dänemark
bestätigt. Die Technikentwicklung sollte immer von den betroffenen sozialen Gruppen
ausgehen, welche kleine und mittlere Unternehmer, Bauern, Hausfrauen, Pensionisten,
Arbeitslose sein können (Bauer und Latzer, 1993, S. 215ff.)12.
Eine vielfach kritisierte Eigenschaft des Internet oder des WWW ist die Schwierigkeit die
gewünschten Informationen rasch und zeitgerecht zu finden. Um unerfahrenen Nutzern über
diese Hürde hinweg zu helfen, empfiehlt es sich für die jeweiligen Pilotprojekte
Schulungsblöcke zum Thema Benutzung des Internet anzubieten. Eine andere Möglichkeit
wäre für die jeweiligen Bedürfnisgruppen oder Bereiche wie Behördenservice, Kultur und
Freizeit, Shopping, Gesundheit usw. benutzerfreundlich programmierte Portale für das WWW
anzulegen. Ein Portal ist in diesem Sinne nichts anderes als eine nach Themen geordnete
Hyperlink-Sammlung. Nach genau demselben Prinzip funktioniert der sehr erfolgreiche
Suchdienst Yahoo (http:(//www.yahoo.com/). Dies könnte relativ kostengünstig erfolgen,
da die Zahl der regionalen Dienste und Inhalte im WWW ständig zunimmt. Wichtig wäre zu
beachten, daß die jeweiligen Portale auf die Bedürfnisse der anzusprechenden regionalen
Benutzerschicht angepaßt sind, d.h. es sollten eigene Portale für Benutzer aus der
Großstadt, aus ländlichen Gemeinden usw. angelegt werden.
4.8 E-Commerce Anwendungen mit Vorbildcharakter
Die folgenden E-Commerce Projekte verstehen sich einerseits als Anregung für mögliche
Pilotprojekte in Österreich anderseits sollen sie eine Vorstellung von der
Unterschiedlichkeit der möglichen E-Commerce Anwendungen vermitteln.
4.8.1 Business-to-Business Anwendungen
Elektronische Waren- und Produktbörsen
Hervorragende Anwendungsfelder wären elektronische Waren- oder Produktbörsen wie z.B.
eine elektronische Börse zum An- und Verkauf von gebrauchten Landmaschinen oder von
handelsfähigen Erzeugnissen wie z.B. Getreide. Warum sollten Landwirte nicht per Internet
ihr Getreide nach Italien verkaufen? Problematisch wie bei allen Anwendungen ist in diesem
Fall im die Frage, wer ist der Betreiber, wie finanziert sich dieser und wer stellt die
Aktualität der Informationen sicher.
Ein bereits existierendes Beispiel ist das Extranet von Fruchtnetz
(http://www.fruchtnetz.de). Dabei handelt es sich um eine elektronische Warenbörse für
Obst- und Gemüsehändler aus Deutschland. 41 Erzeuger, Großhändler und Handelsfirmen
bieten ihre Produkte über Fruchtnetz an. Zielgruppe neben Lieferanten und Händlern aus
Deutschland sind in naher Zukunft Lebensmitteleinzelhandelsfirmen aus den Beneluxländern.
EDI mittels Internet
Der Leiter der Procter & Gamble Abteilung Customer Business Development Systems für
Europa - Rainer Thomas - äußerte sich anläßlich einer Tagung der Getränkewirtschaft
in Deutschland vor allem enthusiastisch über die Möglichkeiten, per Internet auch kleine
und technologieferne Unternehmen in EDI einzubeziehen. P & G sei an demnächst
startenden Internet-EDI-Projekten in Spanien und anderen Mittelmeer-Ländern sowie in
Skandinavien beteiligt.
Das Internet als technische Grundlage biete auch Chancen für eine verbesserte
ECR-Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel. P & G ist ein Teilnehmer des
Informationssystems TIE, das das britische LEH-Unternehmen Tesco zur Zeit mit seinen
Lieferanten aufbaut. Tesco gibt den Herstellern tagesaktuell den Einblick in die
Verkaufszahlen ihrer Produkte in jedem einzelnen Outlet und ermöglicht so schnelle
Reaktionen.
"Die Getränkewirtschaft hat das Potential von Electronic Commerce bisher nicht
ausgenutzt!" Das war einer der Kernsätze des Referates, mit dem der A.T.
Kearny-Spezialist Peter Cordes auf den Sommertagen in das Thema E-Commerce einführte.
Auch Cordes unterstrich, daß die Business-to-Business Umsätze per Internet in den
nächsten Jahren das ebenfalls steil ansteigende Online-Geschäft mit den Endkunden noch
weit übertreffen werden. Ähnlich wie Thomas forderte er die frühzeitige Einigung auf
weltweite Standards, um die EDIFACT-Normen einheitlich ins Internet zu übersetzen.
Jörg Rode, für E-Commerce zuständiger Redakteur der LZ, wies darauf hin, daß auch im
wegen der Logistik schwierigen Lebensmittel-Verkauf das Internet-Geschäft bereits
begonnen hat. So habe am Abend des Sommertage-Auftakts Karstadt My-World seinen
WWW-Zustelldienst für Food im Ruhrgebiet gestartet.
http://www.lz-net.de/mst/background/newmedianews/
4.8.2 Business-to-consumer
Lebensmittel für Mitarbeiter großer Unternehmen
Ein interessantes Pilotprojekt zwischen IBM und Landwirten aus dem Waldviertel ist derzeit
im Entstehen. Ziel des Projektes ist es, den Mitarbeitern von großen Unternehmen die
Möglichkeit zu bieten von ihrem Arbeitsplatz aus mittels PC Lebensmittel zu bestellen.
Der Testbetrieb soll vor Sommeranfang aufgenommen werden. Technologisch handelt es sich
dabei um ein geschlossenes Netzwerk, ähnlich EDI, bei welchem sowohl die Bestellannahmen
als auch die Zahlung (z.B. mittels E-cash) elektronisch abgewickelt werden soll. Geliefert
wird montags, mittwochs und freitags zwischen 17 und 18 Uhr. Die Bestellungen sollten am
jeweiligen Liefertag bis spätestens 12 Uhr abgesendet werden. In der Region werden
zentrale Logistiklager betrieben, zu welchen die Landwirte ihre Produkte anliefern. Die
Projektbetreuung erfolgt von der Firma Wallenberger & Linhard Regionalberatung GmbH,
Ansprechpartner ist Herr Gerhard Linhard, e-mail: gerhard.linhard@wvnet.at.
Ein Kiosksystem als virtueller Dorfladen
Die 1000-Einwohner-Gemeinde Bierde (in Deutschland in der Nähe von Walsrode) hat wieder
einen Supermarkt im Ort -- allerdings einen virtuellen. Es handelt sich dabei um ein
Pilotprojekt der Edeka-Handelsgesellschaft Minden-Hannover mbH, das in der alten Schule
des Dorfes realisiert wird.
Bereits in der Vergangenheit bestellten die Bewohner des Ortes über Ordersätze gemeinsam
Lebensmittel, die sie im rund 10 km entfernten E-Center abholten. Jetzt steht in der
ehemaligen Schule ein modernes Touch-Screen-Terminal der NCR GmbH, Augsburg, das
"alle Produkte und die Preise eines 600 qm großen Supermarktes" bietet.
Was vormittags bis 12 Uhr im neuen Laden der Dorfgemeinschaft bestellt wird, können die
Bewohner ab 17 Uhr dort abholen. Außerdem hat dieser ein kleines Frischesortiment
vorrätig, das ebenfalls über die Edeka bezogen wird. Kommissioniert und geliefert wird
die Ware vom E-Center Walsrode.
Unter dem Motto "keine Angst vor neuer Technik" informiert die Edeka per
Prospekt über ihr "EBIS -- Edeka Bestell- und Informationssystem". Per
Fingerdruck wird der Kunde zu einem elektronischen "Wegweiser" geführt und kann
sich dort über die verschiedenen Warengruppen (z.B. Brot und Kuchen, Fertiggerichte,
Süßwaren, Feinkost, alles für das Kind, Drogerie und vieles andere) informieren.
3 000 verschiedene Artikel können multimedial geordert werden. Mit Bild und Preis wird
jedes Produkt angezeigt und wandert, wenn der Kunde sich dafür entschieden hat,
automatisch in einen "Warenkorb". Dessen Inhalt und eine Zwischensumme des
getätigten Einkaufes läßt sich jederzeit abfragen.
Am Ende des Einkaufs wird dann der Einkaufswert und der Liefertermin genannt. Jeder Kunde
erhält eine persönliche Kundennummer.
Laut Reinhold Feith, Account Director bei NCR, handelt es sich bei der Installation noch
um ein Pilotprojekt der Edeka Minden-Hannover. Einsatzgebiete für den Kiosk bestünden
zum einen in unterversorgten Dörfern und Gemeinden, wo sie die klassischen Dorfläden
ersetzen könnten, aber auch in Tankstellen, Convenience Stores, Werkskantinen,
Verwaltungen und Krankenhäusern. http://www.lz-net.de/mst/background/newmedianews/
Der virtuelle Bauernmarkt - Austrian Country Market (ACM)
Generell sollte eine kommerzielle Web Site drei wichtige Bereiche abdecken: den Bereich
Business, den Bereich Information und den Bereich Unterhaltung (vgl. ELLSWORTH und
ELLSWORTH, 1995).
Der Bereich Business stellt im Falle des ACM die angebotenen Produkte und Dienstleistungen
dar. Das Produktsortiment umfaßt vor allem regionale Lebensmittelspezialitäten wie z.B.
Weine und Edelbrände, Kürbiskernöl, spezielle Honigsorten, Fleisch aus artgerechter
Tierhaltung, Geschenkkörbe, biologische Fruchtsäfte und vieles mehr. Im Bereich
Dienstleistungen findet der Konsument Urlaub am Bauernhof, ein biologisches Partyservice
(i.e. Tischlein Deck Dich) oder einen wöchentlichen Hauszustellungsdienst für Linz und
Wien. Der Bestellvorgang wird per Telefon, Fax oder e-mail abgewickelt. Für den Fall,
daß ein landwirtschaftlicher Anbieter über keine e-mail Adresse verfügt, werden die
einlangenden Bestellungen per Fax weitergeleitet. Die meisten Produkte werden mit Ausnahme
des Hauszustellungsdienstes per Versand zugestellt. Bezahlt wird per Nachnahme oder per
Zahlschein. Elektronische Zahlungssysteme sind derzeit in Vorbereitung.
Im Bereich Information findet der Konsument Kochrezepte, Adreßlisten von
landwirtschaftlichen Direktvermarktern oder von biologisch wirtschaftenden Betrieben sowie
Wissenswertes rund um das Thema Landwirtschaft, wie z.B. Informationen über die
Modepflanze Hanf oder aktuelle Beiträge zur Gentechnik-Diskussion.
Im Bereich Unterhaltung trifft der Konsument in Form eines Key Visual auf ein
intellektuelles Huhn namens Lisa, welches ihn durch den ACM begleitet. Lisa präsentiert
verschiedene Themen, Lisa stellt die monatliche Gewinnspielfrage, mit Lisa kann der
Konsument per Tastatur im Webchat Room13 in Echtzeit plaudern. Durch Lisa wird der Versuch
einer Markenbildung unternommen, um den ACM von zukünftigen Konkurrenzangeboten im
Internet emotional zu differenzieren.
Erfahrungen und Erfolgskriterien des virtuellen Bauernmarktes
Aufgrund der nunmehr dreijährigen Projektleitung des ACM ist es möglich die wichtigsten
Marketing-Erfahrung weiterzugeben. Die Spannweite der monatlichen Umsätze der einzelnen
Anbieter ist stark schwankend. Es gibt Anbieter mit sehr minimalen Umsätzen und andere
mit zufriedenstellenden Umsätzen wie ein Weinhauer oder der bereits erwähnte Landwirt
der Honigprodukte anbietet. Diese erwirtschaften im Jahr zwischen ATS 30.000,- bis
50.000,-. Bei aller Wichtigkeit von Umsatzzahlen, darf man als Web Site-Betreiber aber
nicht vergessen, daß diese nicht das einzige Erfolgskriterium einer Web Site sein dürfen
(vgl. ELLSWORTH und ELLSWORTH, 1995). Weitere Kriterien sind z.B. Besucheraktivitäten wie
e-mail Anfragen, Katalogbestellungen, Beschwerderaten, sowie die Berichterstattung in
anderen Medien oder eventuelle Auszeichnungen.
Um eine Vorstellung von der Größenordnung der obengenannten Kriterien zu vermitteln
hierzu ein paar Zahlen: 1998 langten rund 2.800 e-mails im ACM ein, was einem
Monatsdurchschnitt von rund 234 e-mails gleichkommt. Alleine Urlaub am Bauernhof
versendete im Monatsdurchschnitt 220 Kataloge in die ganze Welt.
Bezüglich der Berichterstattung ist zu erwähnen, daß im ersten Jahr nach Eröffnung im
WWW mehr als 50 Artikeln in Zeitungen und Magazinen, fünf Fernsehbeiträge und ein
Radiobeitrag zustande kamen. Ein wichtiges Kriterium stellen die Zugriffszahl dar, die der
Logdatei des Servers zu entnehmen sind. Im Unterschied zu Printmedien kann im Internet die
Zahl und die Dauer der Kontakte eindeutig gemessen werden. Im November 1998 erfolgten auf
die Internet-Seiten des ACM 33.000 Zugriffe von rund 9.000 Besuchern. Dies entspricht
einer mehr als 300%igen Steigerung der monatlichen Besucherzahlen im Vergleich zum
Vorjahr. Anhand dieser Zahlen kann man die Bedeutung des Internets als Werbemedium für
kleinere und mittlere Unternehmen ermessen.
Ein Marktforschungsinstrument, welches besondere Bedeutung für die Erfolgskontrolle hat,
ist die Kundenzufriedenheitsmessung. Die Ergebnisse daraus bilden eine wertvolle Basis zur
Erhöhung und Attraktivität der eigenen Web-site. Im folgenden werden einige Ergebnisse
daraus präsentiert (vgl. HAAS, 1998).
Kundenzufriedenheitsmessung zur Erfolgskontrolle
Im Januar 1998 wurden 851 e-mail Fragebögen an Besucher des ACM verschickt, wovon 96
aufgrund technischer Mängel die Empfänger nicht erreichten und 172 vollständig
beantwortet retourniert wurden. Das entspricht einer Rücklaufquote von rund 23%.
Zusätzlich zur Befragung per e-mail wurde über einen Zeitraum von 10 Tagen im ACM ein
Online-Fragebogen installiert. Die Installation des Online-Fragebogens erfolgte, um auch
Kunden zu erreichen, die gerade das erste Mal im ACM zu Besuch waren oder bisher noch
nicht über e-mail mit dem ACM in Kontakt getreten sind. Der Online-Fragebogen wurde von
73 Personen vollständig ausgefüllt. In Summe konnten 245 elektronische Fragebögen für
die anschließende Auswertung herangezogen werden.
Demographische Zusammensetzung
Betrachtet man die überwiegenden Anteile so läßt sich ein Kunde des ACM folgendermaßen
beschreiben. Er ist männlich (70%), rund 35 Jahre alt, lebt in einem 2 Personen-Haushalt
(32%), ist selbständig (27%) oder mittlerer Angestellter/Beamter (23%), verfügt über
ein monatliches Nettoeinkommen von ATS 25.000,- (27%) und benutzt das Internet
überwiegend während der Bürozeiten.
Letztgenannte Erkenntnis entstammt nicht der Befragung sondern einer Auswertung der
Zugriffsstatistik. So liegen die Tagesspitzen bei den Zugriffen einmal um 11 und 16 Uhr
herum (siehe Abbildung 5).
Abbildung 5: Zugriffe auf den ACM im Tagesverlauf (Durchschnitt der Monate 1-6, 1998)
Untermauert wird diese Vermutung durch eine Analyse der Zugriffe im Wochenverlauf. Hier
ist ein bis zu 40%iger Rückgang der Zugriffe an Sonn- und Feiertagen zu verzeichnen.
Vergleicht man die demographischen Zahlen mit dem deutschsprachigen WWW, so liegt
größtenteils Übereinstimmung vor. In Deutschland liegt der Anteil der Männer bei rund
77% und das Durchschnittsalter liegt bei 33 Jahren (vgl. FITTKAU und MAAß, 1997). Eine
Untersuchung über nordamerikanische Lebensmittel Web-sites berichtete hingegen einen
durchschnittlichen Frauenanteil von 40% (vgl. WHITE 1996). Dies ist ein weiterer Hinweis
dafür, daß der Internetgebrauch in den USA bereits breitere Bevölkerungsschichten
anspricht als in Europa.
Bezüglich des Einkommens ist zu bedenken, daß nur 88 von 245 Auskunftspersonen diese
Frage beantwortet haben. Deshalb ist auch ein direkter Vergleich mit den amerikanischen
Zahlen mit Vorsicht zu genießen. So ergab die achte WWW-Nutzer-Befragung, daß ein
durchschnittliches europäisches monatliches Haushaltseinkommen bei rund DM 7.400,- liegt
(vgl. PITKOW und KEHOE, 1998). Schon allein die Nivellierung durch die
Durchschnittsbildung, bezogen auf Europa, bedeutet einen zu großen Informationsverlust,
um hier aussagekräftige Vergleiche ziehen zu können. Leider stehen keine detaillierteren
Zahlen für Europa zur Verfügung.
Die Herkunft der Kunden des ACM
Da in der Server-Logdatei nicht nur die Uhrzeit sondern auch ein Kürzel für das
Herkunftsland des Besuchers zu entnehmen ist, kann man Auswertungen über die Herkunft der
Kunden anstellen. So greifen zwischen 60 und 80% der Besucher aus Deutschland, Österreich
oder der Schweiz auf das Angebot im ACM zu. Da der überwiegende Anteil der Internetseiten
deutschsprachig ist, ist dies nicht weiter verwunderlich. Abweichend von der üblichen
Geschäftserfahrung außerhalb des Internet sind jedoch die Kundenkontakte von Urlaub am
Bauernhof. Normalerweise stammen die Urlaub am Bauernhof-Interessenten zu 95% aus
Deutschland oder Österreich. Analysiert man die Anfragen und Katalogbestellungen bei
Urlaub am Bauernhof nach Herkunftsländern, so ergibt sich das folgende Bild (siehe
Abbildung 6).
Abbildung 6: Anfragen bei Urlaub am Bauernhof nach Herkunftsländern
Deutschland und Österreich fällt zwar immer noch der größte Anteil zu, aber bereits an
dritter Stelle sind mit 18% Anfragen aus den USA vertreten. Diese Auswertung
veranschaulicht die wesentlichste Stärke des WWW: die kostengünstige Erschließung neuer
Zielgruppen.
Einkaufsverhalten
Bezüglich des Interneteinkaufverhaltens lassen sich die Kunden des ACM folgendermaßen
charakterisieren. 54,7% der Kunden hatten bereits über das Internet eingekauft, und 73,8%
gaben an, innerhalb des nächsten Jahres im Internet einkaufen zu wollen. Vergleicht man
diese Zahlen mit den Ergebnissen des Internet-Panels (vgl. PITKOW und KEHOE, 1998), so ist
der Anteil der ACM-Kunden, die bereits über das Internet eingekauft haben,
erwartungsgemäß niedriger als der internationale Wert, welcher bei rund 68 % liegt. Rund
25% der Nichtkäufer gaben an, daß sie innerhalb des nächsten Jahres im Internet
einkaufen werden. Dieser Wert stellt ein nicht unbeträchtliches Marktwachstumspotential
dar. Auch dürfte die Kauferfahrung der meisten Kunden im Internet sehr positiv gewesen
sein, denn nur 3% der Käufer gaben an, daß sie innerhalb des nächsten Jahres nicht
über das Internet einkaufen werden.
In der Stichprobe gaben 18% an, daß sie im ACM bereits eingekauft hatten. 5% der
Besucher, die bisher im ACM noch nichts eingekauft hatten, sind aufgrund des ACM direkt zu
einem Bauernhof gefahren, um dort einzukaufen. Dies ist eine Bestätigung dafür, daß
Electronic Malls auch als Werbeplattformen für ihre Anbieter gesehen werden müssen.
Erkenntnisse aus der Zufriedenheitsmessung
Die Gesamtzufriedenheit kann nur einen ersten groben Hinweis auf die Einschätzung des ACM
aus Kundensicht geben. Im Durchschnitt beträgt die Gesamtzufriedenheit mit dem ACM 68
(die Skala reicht von 0 bis 100), dieser Wert befindet sich auf der Skala zwischen
"weder noch" (i.e. Wert 50) und "zufrieden" (i.e. Wert 75). Da 68
näher bei 75 liegt als bei 50, könnte dieser Wert als leichte Zufriedenheit
interpretiert werden. Zusätzliche Information über die Verteilung der
Gesamtzufriedenheit liefert die Standardabweichung von 18,5. Die Standardabweichung
besagt, daß 68% der befragten Kunden eine Gesamtzufriedenheit aufweisen, die zwischen
49,5 und 86,5 liegt. Somit befindet sich ein relativ großer Anteil der befragten Kunden
im Bereich der "Indifferenten" bis "fast sehr Zufriedenen".
Von einem Durchschnittswert der Gesamtzufriedenheit können aber noch keine
Handlungsempfehlungen oder Hinweise auf Verbesserungspotentiale abgeleitet werden. Dazu
ist es notwendig, die Beurteilung der einzelnen Leistungsmerkmale aus Kundensicht
heranzuziehen. Die abgefragten Leistungsmerkmale wurden in einer explorativen Vorphase
durch Kunden- und Experteninterviews, sowie durch Ableitung aus der Theorie gewonnen. Die
verwendeten theoretischen Teile behandelten wichtige Merkmale des Online Kaufverhaltens,
Merkmale von Versandkatalogen und Einkaufszentren sowie dem Netzwerk Navigationsverhalten
(vgl. HAAS, 1998).
Eine wichtige Kenngröße stellt der Mittelwert der Zufriedenheit mit dem jeweiligen
Leistungsmerkmal dar.
Abbildung 7: Zufriedenheitswerte mit einzelnen Leistungsmerkmalen (Teil
1) (alle Angaben in absoluten Werten; Mittelwerte Skala 0-100)
In Abbildung 7 sind jene Leistungsmerkmale zu sehen, die höhere Zufriedenheitswerte als
die Gesamtzufriedenheit (i.e. 68) aufweisen. Erfreulicherweise hat die Qualität der
Produkte den höchsten Zufriedenheitswert erzielt, gefolgt von der Übersichtlichkeit der
Homepage und der graphischen Gestaltung. Die folgende Abbildung zeigt die
Leistungsmerkmale, die unterhalb der Gesamtzufriedenheit liegen.
Abbildung 8: Zufriedenheitswerte mit einzelnen Leistungsmerkmalen (Teil
2)
(alle Angaben in absoluten Werten; Mittelwerte Skala 0-100)
Die Tatsache, daß die Bestellabwicklung, die Zahlungsabwicklung, die Lieferkosten und die
Zustelldauer schlechter beurteilt wurden, bestätigt die bisherigen Erfahrungen mit dem
WWW als Medium für Internet Marketing. Als Haupthindernisse für die erfolgreiche
Umsetzung des Internet Marketing im WWW wurden bisher in Europa vor allem die zu teure und
zu langsame Logistik und die Zahlungs- und Bestellabwicklung angeführt (HAAS, 1997).
Bestätigt wird dieses Ergebnis durch eine Auswertung der gesammelten Beschwerden. 4% der
Käufer haben sich nach dem Produktkauf beschwert, wobei davon 34% die zu lange
Lieferzeit, 22% die kaputte Lieferung und 16% eine falsche Lieferung beklagten. Diese
Tatsache hängt sicherlich damit zusammen, daß viele Direktvermarkter noch wenige bis gar
keine Erfahrungen mit dem Versand von Produkten gesammelt haben.
Eine regressionsanalytische Auswertung der Bedeutung der einzelnen Leistungsmerkmale
ergab, daß die Ease of Navigation (gebildet aus den Werten zu
"Übersichtlichkeit" und "Rasches Auffinden Infos") als wichtigstes
Merkmal einer Web Site eingestuft wurde. An zweiter Stelle steht die grafische Gestaltung
gefolgt vom Inhalt einer Web Site.
Verbesserungsmaßnahmen und Handlungsempfehlungen
Folgende Handlungsempfehlungen können nun für das Management des ACM formuliert werden:
1. Implementation einer benutzerfreundlichen Bestellabwicklung wie z.B. Drag and Drop
Shopping oder One Klick Shopping.14
2. Installation einer Vielzahl von Zahlungsmöglichkeiten wie Zahlung per Kreditkarte oder
E-Cash in Kombination mit sicherer Verschlüsselungstechnologie.
3. Kooperation mit Logistikpartnern zur Gewährleistung einer raschen und kostengünstigen
Warenzustellung.
4. Dezentralisierung der Informationseingabe in den ACM. Dies könnte ebenfalls mit Hilfe
einer Datenbank geschehen. Jedes Mitglied im ACM erhält einen per Paßwort geschützten
Bereich in der Datenbank. Ohne über HTML-Programmierkenntnisse verfügen zu müssen, kann
dann z.B. die zeitaufwendige Aktualisierung von Preislisten oder die Wartung eines
Veranstaltungskalenders von den Mitgliedern selbst übernommen werden. Dies hätte
sicherlich positive Auswirkungen auf die Menge und Aktualität an Informationen.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, daß das WWW bereits ein vielversprechendes
Kommunikationsmedium für die Vermarktung regionaler Lebensmittelspezialitäten und
Dienstleistungen darstellt, als neuer Distributionszweig ist es jedoch noch
entwicklungsbedürftig. Das rasante Wachstum des Mediums sowie der Einsatz neuer
Technologien zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit geben allerdings Grund zur
Hoffnung.
4.9 Schlußfolgerungen
Will man den Erfolg von Pilotprojekten in Elektronischer Märkte langfristig
sicherstellen, so hat man vor allem zwei Dinge zu gewährleisten:
Das Angebot der Inhalte und Informationen muß interessant sein und für den Benutzer
einen "Nutzen" bieten. Denn nur so kann das Erreichen einer "kritischen
Masse" von Benutzern und damit eine ausreichende Nachfrage sichergestellt werden.
Erst dann werden elektronische Märkte selbständig und ausreichend wachsen. Denn Ziel
eines jeden Pilotprojektes sollte nicht die Akquisition von Fördermitteln sein, sondern
die Entwicklung wirtschaftlich erfolgreicher Unternehmen.
Anders als bei Universitäten und sonstigen Forschungseinrichtungen muß die Nachfrage
nach Telekommunikationsdiensten bei den Wirtschaftsunternehmen und im privaten Bereich
angekurbelt werden. Dies könnte durch Pilotprojekte mit Multiplikator-Wirkung erfolgen.
Es gilt daher zunächst, diesen Markt auch mit Hilfe der marktgängigen
Übergangslösungen zu erschließen. Die von der Wirtschaft und im privaten Bereich
durchzuführenden Pilotprojekte sollen daher mit weniger anspruchsvollen und weniger
komplexen Telekommunikationsanwendungen beginnen, die noch nicht unbedingt
Glasfaserleitungen erfordern, aber eine schrittweise Steigerung der Komplexität vorsehen.
Um das Marktpotential auszuloten, ist es auch sinnvoll, nicht nur auf einen Endgerätetyp,
den PC oder das Fernsehgerät mit Set-top-box zu setzen, sondern parallel zu fahren.
Dadurch können unterschiedliche Kundengruppen mit unterschiedlichen Endgeräten und
unterschiedlichen Anwendungen erreicht werden.
An dieser Stelle scheint es angebracht mit den Worten des European Council of
Communication zu schließen: "Inhalte und nicht die Technik sind der Grund, warum
Menschen mediale Infrastrukturen nutzen und Unternehmen Wertschöpfungsketten im
Mediensektor überhaupt aufbauen können. Content bleibt deshalb weiterhin Trumpf; nicht
nur für die Medien, sondern für den gesamten Medien- und Kommunikations-Sektor"
(Zerdick et al., 1999).
5 Modell Zwettl
5.1 Gemeindestruktur
Die heutige Stadtgemeinde Zwettl entstand 1971 durch die Zusammenlegung der Gemeinden
Friedersbach, Gradnitz, Groß Globnitz, Jagenbach, Jahrings, Marbach/Wald, Oberstrahlbach,
Rieggers, Rosenau Dorf, Rosenau Schloß, Stift Zwettl, Unterrabenthan und Zwettl. Das Ziel
war eine Großgemeinde mit mehr als 10.000 Einwohner zu schaffen und damit eine
wirtschaftliche Größe zu erreichen und vor allem den Ertragsanteil an Bundessteuern
wesentlich zu steigern. Gleichzeitig wurde damit die flächenmäßig drittgrößte
Gemeinde Österreichs geschaffen. Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt 25.607,05 ha und
teilt sich auf folgende Nutzungen auf:
Baufläche
190,46
Verkehrsfläche
597,51
landwirtschaftliche Nutzfläche 14.418,09
Gärten
146,15
Wald
9.680,95
Gewässer
499,17
1900 lebten 13.617 Personen im Gemeindegebiet, seit dieser Zeit ist die
Bevölkerungsentwicklung ständig rückläufig und betrug 1991 - 11.427 Personen. Aktuelle
Zahlen bestätigen eine leicht positive Entwicklung in den letzten beiden Jahren. (1997
und 1998) 5.418 Berufstätige standen 1991 - 2.258 Pensionisten und Rentner gegenüber.
Nach Wirtschaftsbereichen teilten sich die Berufstätigen 1991 folgendermaßen auf:
Land- und Forstwirtschaft
1017
Produzierendes Gewerbe, Industrie
Bauwesen, Energie- und
Wasserversorgung
1.356
Handel, Tourismus, Verkehr,
Geldwirtschaft
3.045
Agrarquote
Gegenüber 1981 sank der Anteil der Beschäftigten im Bereich Land- und Forstwirtschaft
und zwar um 29,5 %. Die Agrarquote betrug jedoch nach wie vor, vor allem unter
Berücksichtigung der Zu- und Nebenerwerbslandwirte, über 30 % und ist somit ein
wesentlicher Wirtschaftsfaktor im Bereich der Gemeinde. 950 landwirtschaftliche Betriebe
waren 1991 registriert, davon 496 Haupterwerbsbetriebe und 443 Nebenerwerbsbetriebe. Die
Betriebe mit unter 30 ha Wirtschaftsfläche sind um durchschnittlich 20 % gesunken, die
Betriebsgrößen mit mehr als 30 ha sind um 70 % gestiegen.
Schulbildung
Die Schulbildung weist 1991 insgesamt 45 % mit Pflichtschulabschluß, 32 % mit
Lehrabschluß und 12 % mit Fachschulabschluß als höchste abgeschlossene Ausbildung aus.
Je 4 % haben Universität und berufsbildende höhere Schulen 3 % allgemein bildende
höhere Schulen absolviert.
Haushaltsgrößen
Die Größe der Haushalte wird 1991 folgendermaßen ausgewiesen:
15 % mit 5 und mehr Personen
19 % mit 4 Personen
18 % mit 3 Personen
24 % mit 2 Personen
23 % mit 1 Person
Pendler
1991 mußten aus der Gemeinde 1.344 Personen auspendeln, gegenüber 1981 ergab sich damit
eine Steigerung von 37,7 %, wobei in ein anderes Bundesland (meistens Wien) 470 Personen
auspendeln mußten und somit täglich mehr als 4 Stunden Wegzeit auf sich nehmen, bzw.
überhaupt Wochenpendler sind.
Betriebsgrößen
Nach Anzahl der Beschäftigten hatten 1991 von 470 Betrieben nur 14 Betriebe mehr als 50
Beschäftigte, der Großteil der Betriebe hatte zwischen 0 und 10 Beschäftigte (364
Betriebe).
Tourismus
Im Tourismus verteilen sich 1994 908 Betten auf 59 Betriebe, der Löwenanteil enfällt auf
die gewerblichen Vermieter. Nach einem enormen Einbruch im Jahr 1993 (61.287
Nächtigungen) konnten 1994 wieder 71.699 verzeichnet werden.
Quelle: Ein Blick in die Gemeinde Zwettl-Niederösterreich (Österreichisches
Statistisches Zentralamt)
5.2 Telematik - Ressourcen
Auf Grund der Struktur und Ausdehnung der Gemeinde ergeben sich überaus interessante
Ansätze für eine flächenmäßige Telematikversorgung.
Das Stadtgebiet ist auf Grund der Initiative des örtlichen Elektrobetriebs mit einem
Kabelnetz relativ gut erschlossen. Potentiell können 1.100 Haushalte erreicht werden, 570
nutzen dieses Angebot bereits.
30 TV-Programme sowie 18 Radioprogramme werden übertragen, ergänzt wird das Programm
durch das Angebot von W4TV, eines regionalen jeweils einstündigen Programms, das 14tägig
wechselt.
Das Kabelnetz ist derzeit nur "Einwegtauglich", ein Rückkanal (z.B. für
Internetnutzung) ist nur nach Austausch der Verstärker und entsprechenden Umbauten
möglich. Diese Investition ist für die Positionierung als Telemustergemeinde eine
Grundvoraussetzung. Idealerweise müßte ein Pilotversuch durch die Installierung eines
Local Area Networks im Rahmen des Projektes erfolgen. Nach derzeitigem Wissensstand würde
damit österreichweit ein innovatives Modell für eine höchstwertige telematisch
Versorgung im ländlichen Raum geschaffen.
Zwettl ist derzeit am ersten ADSL Praxisversuch der Telekom Austria beteiligt. Bei diesem
Pilotprojekt soll die Übertragung hoher Datenmengen auf Kupferleitungen erprobt werden.
Insgesamt 48 Personen haben die Möglichkeit diese neue Technik zu nutzen. Derzeit wird
hauptsächlich das Internet genutzt, übertragen wird weiters das gesamte regionale
Fernsehprogramm von W4TV, dieses ist selektiv abrufbar. Experimentiert wird mit der
Übertragung von Fernsehprogrammen wie z.B. Premiere.
Eine junge Dienstleistungsfirma hat im letzten Jahr Internetauftritte über ein
Einzelprojekt professionell gestaltet. Ausgehend von der Handwerkgruppe "Alle
Zwettler Spezialisten" konnte mittlerweile eine intensive Beteiligung von zahlreichen
Wirtschaftsbetrieben erreicht werden.
Im Gemeindegebiet von Zwettl hat das Telehaus Waldviertel sowie der regionale
Internetprovider WVNET seinen Sitz.
Das Telehaus Waldviertel als Teil des Waldviertel Managements ist seit 1993 mit der
Umsetzung der Telematikidee im ländlichen Raum befaßt und zählt mittlerweile zu den
gößten derartigen Einrichtungen in Österreich. Das Telehaus ist über den
Telematikverein NÖ an der Telehaus GmbH NÖ sowie direkt am regionalen Internet Provider
WVNET und am lokalen Radio W4 beteiligt.
Aus den bisherigen Erfahrungen lassen sich folgende Erfolgsfaktoren ableiten:
Bedarfsorientierte Inhalte
Die Erarbeitung von anwendernahen und bedarfsorientierten Angeboten ist normalerweise die
Grundlage aller Wirtschaftsprojekte. Im Telematikbereich wird diese Grundregel oft
übersehen, vor allem wenn Techniker ohne kaufmännisches Verständnis die Entwicklung
dominieren. Dieser Trend wird oft durch eine Technikeuphorie der Proponentengruppe
verstärkt.
Ein weiterer Kardinalfehler ist nach der Erarbeitung des jeweiligen Angebotes die völlige
Irrmeinung, der Markt müsse die Idee begeistert aufnehmen und anwenden. Mit dieser
Vorgangsweise ist das Scheitern der Telematikoffensive vorgezeichnet, das Sterben des
Konzeptes blockiert die weitere Entwicklung auf Jahre hinaus. (Das haben wir schon
probiert, aber es bringt nichts)
Bei der Umsetzung sind daher folgende Grundsätze zu beachten:
* Analyse des Bedarfs und Erarbeitung von praxisnahen und leicht verständlichen Angeboten
am besten unter Einbindung direkt betroffener Bevölkerungskreise. Bereits in diesem Teil
ist auf die möglichst "technikfreie" Formulierung zu achten und vor allem
sollten zielorientierte Begriffe verwendet werden (z.B. Ansprechen neuer Zielschichten
statt Erstellung einer Internetpräsentation)
* Vermarktung des Angebotes auf mehreren Schienen. Der Idealfall ist gegeben, wenn eine
aktive Gruppe mit einer konkreten Idee bereits bei der Umsetzung und Realisierung von der
jeweiligen Telematikinitiative unterstützt wurde. Dann ist bei positiven Abschluß des
Projektes die Vermarktung gegeben, die Anwendung wird genutzt, die Erweiterung liegt bei
der Einzelgruppe. Im Normalfall ist jedoch nach der Entwicklung des Angebotes die aktive
Vermarktung des Angebotes notwendig. Hier sind alle Grundsätze der Vermarktung
anzuwenden, die zielführendste jedoch auch aufwendigste Form ist die persönliche
Beratung die im Idealfall in einen konkreten Abschluß mündet. Die wichtigste Grundregel
bei der Vermarktung ist "Locken" statt "Treiben" (jeder darf
teilnehmen, aber keiner muß).
Niedrige Zugangsbarrieren
Sehr oft wird bei Telematikanwendungen ein vorhandenes, meist sehr hohes technisches
Verständnis und Wissen vorausgesetzt. Das Nichterkennen dieser Wissenslücke des
potentiellen Anwenders führt sehr oft zu einer inneren Blockade, die meist in
allgemeinen, ablehnenden Argumenten seinen Niederschlag findet. (Des brauch ma net, das
bringt nichts) Der Überwindung der technischen Barriere ist deshalb größtmögliches
Augenmerk zu schenken. Das beginnt bei der Präsentation und der schon erwähnten
Zielformulierung statt Abschreckung durch technischen Kauderwelsch.
Ein kleiner Keramikbetrieb konnte zum Beispiel als eines der ersten Mitglieder des
Telehauses gewonnen werden, weil ihm der Nutzen durch gemeinsame Werbeaktivitäten und der
Serviceleistungen bewußt war, ohne selbst PC-User zu sein. Seit rund 2 Jahren ist der
Betriebsinhaber auch EDV-Anwender, weil ihm über die konkreten Anwendungsmöglichkeiten
im Rahmen der Mitglieder des Telehauses die Sinnhaftigkeit der Telematik bewußt wurde.
Bei der Erstberatung muß der potentielle Anwender dort abgeholt werden, wo er steht.
Über die Telematikinitiative muß ihm eine breite Unterstützung geboten werden. (z.B.
Hilfestellung bei der Aktualisierung des Angebotes im Internet, Überleitung der e-mails
auf Fax. ect.) Idealerweise erfolgt diese Hilfestellung möglichst nah vor Ort.
Wenn die grundsätzliche Akzeptanz gegeben ist, spielt der Preis meist eine sekundäre
Rolle. Zur Erleichterung des Einstieges hat sich jedoch eine degressive Förderung für
die ersten 3 Jahre als zielführend erwiesen. Bei dieser Vorgangsweise steht der spätere
Endpreis bereits fest, damit weiß der Anwender welche Belastung auch später auf ihn
zukommt. Mit der Einstiegsförderung wird die Startphase wesentlich erleichtert.
Einbindung in überregionale Systeme
Während die Erarbeitung der Inhalte und Angebote möglichst nah am Ort des Geschehens
erfolgen soll und muß, ist für den Transport die Einbindung in landes-, bundes bzw.
EU-weite Systeme notwendig und sinnvoll. Ebenso ist auch für überregionale Anbieter von
Telematik-applikationen die Kundenbetreuung vor Ort ein wichtiger Erfolgsfaktor.
Durch derartige Kooperationen ist für beide Seiten ein Vorteil gegeben und somit die
Nutzung der Synergien auch normalerweise erfolgversprechend. Damit ist es auch für
kleinere Anbieter möglich, ihre Angebote in größere Systeme einzubinden, weiters wird
regionale Wertschöpfung gewonnen und damit ist die bestmögliche Nutzung telematischer
Anwendungen auch in peripheren Gebieten gegeben.
Diese Vorgangsweise wurde bei der Implementierung des "Touristischen
Informationssystems" in NÖ gewählt. Über eine Landesgesellschaft waren die
Telehäuser in die Umsetzung eingebunden. Damit konnte die Akquisition rasch
flächendeckend erfolgen, die Schulungen wurden vor Ort angeboten, im Gegenzug haben
Betriebe und Gemeinden rasch die Chance, sich auf einer österreichischen
Internetplattform zu präsentieren.
Einbindung von Forschung und Wirtschaft
Gerade im raschlebigen Telematikbereich ist es notwendig, die zukünftigen Trends zu
beobachten und die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Aus diesem Grund ist die
Kooperation mit Universitäten und Forschungsinstituten hier äußerst zielführend und
notwendig. Bei derartigen Partnerschaften ist für die Wissenschaft die praktische
Erprobung neuer Entwicklungen ein wichtiges Kriterium, die Telematikinitiativen
profitieren vom Wissensvorsprung der Wissenschaft.
Die Einbindung der Wirtschaft (Hard- und Softwareanbieter) muß auf Grund des enormen
Konkurrenzkampfes äußerst selektiv und vor allem objektiv erfolgen.
Bewährt hat sich die Erarbeitung eines möglichst detaillierten Pflichtenheftes und eine
weitestgehend offene Ausschreibung. Die Vergabe sollte auf Grund der Vielzahl der Optionen
von einem mehrköpfigem Gremium einer Punktebewertung erfolgen.
5.3 Projektziele
Die Nutzung von Telematikanwendungen soll möglichst flächendeckend angeboten werden. Um
eine möglichst breite Akzeptanz sicherzustellen soll Abfragemöglichkeiten über gewohnte
Medien wie Telefon, Fax und TV ein wesentlicher Schwerpunkt eingeräumt werden. Im Rahmen
von Themen- bzw. ortszentrierten Telematikrunden soll ein regelmäßiger
Erfahrungsaustausch und Anpassungsprozeß zwecks Erhöhung der Qualität, Quantität und
Akzeptanz erfolgen. Initiativgruppen sollen bei der Realisierung von telematikorientierten
Projektideen breite Unterstützung geboten werden.
Support und Help Desk sind wesentliche Schwerpunkte und sollen möglichst kundennah
angeboten werden. Um rasch die jeweiligen Zielgruppen zu erreichen, ist die
Bürgerbeteiligung bei der Gestaltung der Inhalte ein wesentliches Element. Vor allem
Kinder und Jugendliche sollen über die Schulen miteinbezogen werden.
Als Grundsatz gilt: Was ohne Telematik nicht gewünscht wird, hat auch mit Telematik keine
Chance auf Umsetzung.
Rechtsträger des Projektes soll ein von der Gemeinde dominierter Verein sein,. Der Verein
soll die Plattform für alle Initiativen, Interessenten, Interessensvertretungen die für
die Umsetzung notwendig sind, sein. Diese Plattform ist bei entsprechender Besetzung als
Ebene bei der Projektentwicklung und für das Lobbying ein wichtiger Erfolgsfaktor.
Um trotzdem geordnete Entscheidungsabläufe zu ermöglichen, muß der Vereinsvorstand die
Abwicklung der operativen Aktionen überwachen, die Durchführung der Aktivitäten wird am
besten als Werkvertrag an eine geeignete Organisation übergeben.
Die Erreichung der Projektziele ist auf Grund der fachlichen Untersütztung des vor Ort
situierten Telehauses Waldviertel bestens gewährleistet. Das Telehaus Waldviertel
verfügt durch die Einbindung in das Waldviertel Managment über eine jahrzehntelange
Erfahrung bei der Projektumsetzung. Speziell bei Telematikprojekten konnte seit Gründung
des Telehauses im Jahre 1993 fundiertes technisches organisatorisches Know How aufgebaut
werden. Der Schwerpunkt der bisherigen Arbeit lag bisher bei der Erarbeitung von
nutzerorientierten Applikationen und der Transport an die entsprechenden Zielgruppen.
Die zentrale Lage der Stadtgemeinde Zwettl inmitten der Region verspricht bei
erfolgreichem Projektverlauf eine rasche Verbreitung als Entwicklungsperspektive für den
ländlichen Raum. Durch die vorbildhafte Internetpräsentation und die Teilnahme am ADSL
Pilotprojekt ist eine positive Grundstimmung für telematische Anwendungen im Bereich der
Gemeinde gegeben. Die Umsetzung der Aktivitäten könnte eine wichtige Stärkung des
Grenzraumes als Vorbereitung auf die Osterweiterung bewirken.
Schwerpunkt Wirtschaft
Eines der Hauptziele ist die Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft. Dieses Ziel soll
vor allem durch eine Bündelung des gesamten Angebots der mittelständischen Wirtschaft
sowie der Landwirtschaft erreicht werden. Der Zugriff auf diesen virtuellen Regionsmarkt
muß auf möglichst vielen verschiedenen Schienen ermöglicht werden. Sowohl
Informationsmöglichkeit als auch Bestellungsabwicklung muß angeboten werden. Als
zentrale Einheit ist der Aufbau einer entsprechenden Logistik zu flächendeckenden
Versorgung ein vorrangiges Anliegen. Damit soll der Aufbau der Nahversorgung sowie die
Stärkung der regionalen Wirtschaft parallel erfolgen. Vor allem ältere und bedürftige
Menschen in den dezentralen, aber auch im städtischen Bereich könnten von dieser Schiene
profitieren. Hier ist allerdings für den Transport des Angebotes eine
"Übersetzungsstelle" vorzusehen, d.h. entweder muß diese Personengruppe
konventionell über Ausdrucke der einzelnen Angebote erreicht werden, oder unmittelbare
Bezugspersonen (Familienangehörige - hier vor allem Kinder oder Jugendliche oder
Altenpfleger) unterstützen bei Abfrage und Bestellung.
Zur Erhöhung der Akzeptanz könnte ein Bonussystem mit einem lukrativen Belohnungssystem
begleitend eingeführt werden (z.B. den 10 besten Kunden des Jahres werden 50 % des
Jahreseinkaufs retourniert).
Der Start für diese Applikation könnte als "Frühstücksservice" beginnen. Aus
einer Standardliste (Gebäck, Wurst, Milch, Zeitung , ect....) bestellt der Kunde bis 21
Uhr. Am nächsten Tag wird bis 7 Uhr die Bestellung zugestellt.
Nach punktuellen Umfragen wären bei diesem Angebot sogar technisch skeptische Menschen
bereit ins Internet einzusteigen und eine Zustellgebühr zu akzeptieren.
Die Erweiterung des Angebotes auf Zustellung von Waren des täglichen Bedarfes ist nach
positivem Abschluß der Pilotphase relativ leicht zu bewerkstelligen. In weiterer Folge
konnte bei entsprechendem Bedarf die Erweiterung auf die Zustellung von gastronomischen
Angeboten erfolgen.
Vorteile
* Stärkung der regionalen Wirtschaft
* Verbesserung der Nahversorgung
* Schaffung bzw. Sicherung von Arbeitsplätzen
Mögliche Probleme
* Koordinationsprobleme bei Einbindung von Landwirtschaft und Wirtschaft
* morgendlicher Auslieferungsstau (alle wollen um 7 Uhr die Ware haben)
* Akzeptanz von Technik und Zustelldienst
Das Telematikzentrum muß eine Clearingfunktion für alle Aufgaben wahrnehmen. Produkte
und Angebote die überregional interessant sind, sollen natürlich auch im Internet
angeboten werden.
Schwerpunkt Behördenservice
Die häufigsten Gemeindekontakte erfolgen bei Bauangelegenheiten sowie bei personellen
Veränderungen (Geburt, Heirat, Wohnungswechsel, ....) und bei Entsorgungsthemen.
Auf Grund der flächenmäßig großen Ausdehnung der Gemeinde Zwettl bedeutet die
Ausstellung einer Meldebestätigung für manche Gemeindebürger bis zu einer Stunde
Zeitaufwand, inklusive An- und Abreise. Der eigentliche Behördenkontakt erfordert davon
maximal 5 Minuten. Trotz besten Entgegenkommens der Beamten sind die Dienstzeiten auf die
Wochentage Montag bis Freitag und hier auf die Tageszeiten beschränkt.
Bei einer elektronischen Anforderung über e-mail könnte seitens der Gemeinde ein
24-Stun-denservice angeboten werden. Der Bürger fordert die Bestätigung zeitunabhängig
an, spätestens am nächsten Arbeitstag wird die Meldebestätigung ausgestellt und per
Post übermittelt.
Ein noch besserer Bürgerservice könnte durch die bereits praktizierte Ausstellung der
Meldebestätigung bei einer örtlichen Servicestelle (z.B. Ortsvorsteher) die wiederum mit
der Gemeinde vernetzt ist, erreicht werden. Hier gilt es noch die rechtlichen Probleme und
Fragen zu prüfen und zu klären. Analog dazu ist zu prüfen, welche weiteren
Behördenkontakte auf diese Art näher zu den Bürgern gebracht werden können.
Als erster Schritt sollte zumindest die Anforderung der benötigten Dokumente jedenfalls
über die angesprochene örtliche Servicestelle ermöglicht werden. Eine Ausdehnung dieses
Serviceangebotes auf andere Behörden, wie Bezirkshauptmannschaft bzw.
Interessensvertretungen wird im Rahmen des Projektes geprüft.
Der Beginn sollte modellhaft mit einer häufigen Anwendung erfolgen.
Die Präsentation des gesamten Dienstleistungsangebotes der Gemeinde wird im Rahmen des
Projektes erfolgen, da es sich dabei aber bereits um eine Standardanwendung handelt, wird
nicht näher darauf eingegangen.
Weitere Applikationen im Rahmen der Gemeinde könnte unter anderem die elektronische
Meldung von Veranstaltungen sein. Veranstaltungen werden meist von Personengruppen
organisiert. Innerhalb dieser Gruppen gibt es üblicherweise auch EDV-interessierte
Personen, somit ist es nur notwendig, entsprechende Formulare für die Meldung zu
erarbeiten und anzubieten. Damit ist die Erstellung eines aktuellen
Veranstaltungskalenders gegeben.
Im Bereich der Abfallentsorgung sind auf Grund der Mülltrennung und des damit verbundenen
Mehrtonnensystems sowie der verschiedenen Tonnengrößen laufende Änderungsmeldungen
gegeben. Durch digitale Übertragung ist wiederum Zeit- und Ortsunabhängigkeit bei den
Änderungsmeldungen das wichtigste Argument für den Bürger. Innerhalb der Gemeinde
könnte es bei automatischer Weiterleitung an den Entsorgungsbetrieb zu Einsparungen im
Verwaltungsbereich kommen.
Gemeindeeigene Förderaktionen (Solar, biogene Rohstoffe) könnten bei Verzicht auf die
Originalunterschrift rasch auch elektronisch abgewickelt werden.
Die oben angeführten Vorschläge sollen in Summe möglichst für die gesamte Bevölkerung
spürbare Verbesserungen bzw. Erleichterungen bringen, im besonderen sind die positiven
Auswirkungen für die weniger mobile Bevölkerung (alte und behinderte Menschen) spürbar.
Um vor allem bei älteren Menschen eine höchstmögliche Akzeptanz zu erreichen, sollen
vor allem die unmittelbaren Bezugspersonen entsprechend eingeschult werden, aber auch der
Transport der Inhalte über gewohnte und täglich benutzte Geräte (TV, Telefon) ist ein
wichtiger Garant für die Akzeptanz der Inhalte.
Vorteile
* mehr Bürgernähe
* zeitunabhängige Erledigung der Amtswege
* Zeitersparnis für den Bürger
* Telematikakzeptanz durch praktische Anwendung
Mögliche Probleme
* rechtliche Barrieren
* Datensicherheit
Schwerpunkt Holz
Das Thema Holz hat im Waldviertel natürlich einen besonderen Stellenwert. Deshalb soll
neben den oben genannten Servicediensten ein inhaltlicher Schwerpunkt auf den Bereich Holz
gelegt werden.
Die holzverarbeitenden Betriebe der Gemeinde Zwettl sind wie in der gesamten Region
Waldviertel von wenigen Ausnahmen abgesehen, nach EU-Kriterien Kleinstbetriebe mit 0 - 10
Beschäftigten. Gerade diese Betriebe verspüren in den letzten Jahren die zunehmende
Industrialisierung in dieser Sparte, dies vor allem deshalb, da für diese
Betriebsgrößen Investitionen in Automatisierung nicht rentabel sind. Ein weiteres
Problem sind mangelnde Marketingaktivitäten bzw. Akquisitionstätigkeiten. Der Zugriff
auf größere Aufträge ist wegen der Betriebsgrößen für den Einzelbetrieb nicht
gegeben.
Auf Grund bester persönlicher Kontakte der ansässigen Tischlereien wird punktuell und
meist auftragsbezogen bei Einzelprojekten bereits kooperiert. Auch im Bereich der
Außenkontakte herrscht ein Grundkonsens über die Auftragsverteilung auf die einzelnen
Betriebe.
Trotz dieser optimalen Grundvoraussetzungen scheitert auch hier, wie bei den meisten
Kooperationsprojekten, die konkrete Zusammenarbeit am Konkurrenzdenken. Im Rahmen des
Telematikzentrums könnte hier eine Charingfunktion für folgende Aufgaben wahrgenommen
werden:
Automatisierung
Der Ankauf einer CAD-Anlage ist für den Einzelbetrieb nicht rentabel, die anderen
Betriebe lehnen die Nutzung einer derartigen Anlage beim Mitbewerber ab, da bei der
Auftragsabwicklung oft persönliche Ideen und Konzepte preisgegeben werden müssen und
diese dann meist im PC gespeichert werden.
Nach einem Modell aus dem Textilbereich kann über eine neutrale Stelle ein Fullservice
von Planung bis zum Zuschnitt angeboten werden. Damit könnten Rationalisierungseffekte,
die sonst nur in großen Betrieben zum Tragen kommen, auch von kleinen Betrieben genutzt
werden.
Die wichtigste Funktion des Telematikzentrums besteht darin, als neutrale
Abwicklungsstelle für alle Wünsche der Betriebe zur Verfügung zu stehen. Die
eigentlichen Arbeiten könnten z.B. an einem Spezialbetrieb der nur CAD-Arbeiten
durchführt, ausgelagert werden.
Im Rahmen des Projektes sollen auch Recherchearbeiten zum Thema Holz durchgeführt werden,
hier vor allem Ausschreibungen aber auch sonstiges aktuelles Wissen zum Thema Holz und
Holzverarbeitung. Entsprechend der zugewiesenen Arbeitsschwerpunkte werden die
Informationen dem jeweils betroffenen Betrieb zugestellt.
Im Rahmen des Projektes müßte auch eine vertikale Vernetzung nach dem Motto: "Vom
Wald ins Wohnzimmer" erfolgen. Von der Forstwirtschaft über die Sägewerke bis zur
fertigen Veredelung muß die Vermarktung des Rohstoffes Holz bestmöglich organisiert
werden. Nach ersten Erfahrungen mit einer Holzbörse sollen diese Erkenntnisse in eine
praxistaugliche EDV-Lösung eingearbeitet werden.
Die oben beschriebenen Anwendungen sollen durch ein ab Herbst 1999 geplantes Holzkolleg
verstärkt und unterstützt werden.
Nach praktischer Erprobung der ersten Anwendungen sollen bei positivem Verlauf die
fachrelevanten Bereiche an eine geeignete Person oder Institution ausgelagert werden,
seitens des Telematikzentrums sollen nur mehr die telematikrelevanten Bereiche abgedeckt
werden.
Die Erweiterung dieser Angebote über die gesamte Region wird raschestmöglich angestrebt,
um dieses Service auch wirtschaftlich führen zu können.
Einen wirkungsvollen Internetauftritt zu gestalten gehört bereits wieder zu den
Kernkompetenzen des Projektes.
Vorteile
* praktische Anwendung von Telematik an einem regionsrelevanten Thema
* Stärkung der regionalen Wirtschaft
* Schaffung bzw. Sicherung von Arbeitsplätzen
* bei positivem Verlauf - Ausdehnung auf andere Branchen (Stein, Glas, ect....)
Mögliche Probleme
* innere Konkurrenzierung
* eigene Kreationen sind ausgelagert
Schwerpunkt Gründerzentrum Telematik und Telearbeit
Dienstleistungen im Bereich Telematik können bei Vorhandensein der entsprechenden
Infrastruktur grundsätzlich an jedem Ort erbracht werden.
Um auch in peripheren Regionen an der Wertschöpfung dieser boomenden Branche teilhaben zu
können, ist der Aufbau eines Gründerzentrums für Jungunternehmer im Telematikbereich
vorgesehen.
Innerhalb dieses Bereiches soll vorrangig nach Abklärung der geplanten Aktivitäten ein
maßgeschneidertes Paket an technischen und kaufmännischen Dienstleistungen angeboten
werden.
Der wesentliche Erfolgsfaktor ist bei Unternehmensgründung die Akquisition von
Aufträgen. Hier soll grundsätzlich dem Newcomer entsprechende Unterstützung geboten
werden. Angebotsbezogen und kundenorientiert werden gemeinsam mit dem Jungunternehmen die
entsprechenden Schritte gesetzt. Direct Mailing an vereinbarte Zielgruppen,
Gemeinschaftswerbung für mehrere Anbieter und Terminvereinbarungen für Firmenbesuche
werden in der praktischen Umsetzung Priorität haben. Potentielle Jungunternehmer würden
selbstverständlich auch von dem zu erwartenden medialen Interesse an dem Projekt
Telemustergemeinde profitieren.
Neben den Werbeaktivitäten sollen natürlich auch innerbetriebliche Serviceleistungen wie
Sekretariatsarbeiten oder Buchhaltung angeboten werden. Natürlich wird den
Gründungsbetrieben auch die technische Infrastruktur entsprechend des jeweiligen Bedarfs
zur Verfügung gestellt.
Gemäß der Philosophie von Telematikanwendungen kann der Start zwar an einem zentralen
Standort erfolgen, grundsätzlich muß jedoch die standortunabhängige Gründung neutral
geprüft werden.
Nach Ablauf der mehrjährigen Gründungsphase ist auf jeden Fall die Absiedlung des
Betriebes einzuplanen.
Vorteile
* neue Arbeitsplätze im Zukunftsbereich
* Kompetenzerweiterung in der Region
Mögliche Probleme
* Animation für Betriebsgründungen
* Akquisition der Aufträge
Neben der Auslagerung von Aufträgen als eine Form der Telearbeit soll im Rahmen des
Projektes auch die konkrete Auslagerung von Arbeitsplätzen geprüft werden. Hierbei ist
zu prüfen, ob der Dienstnehmer seinen Dienstsitz auslagern kann, will und darf. Diese
Kurzbegriffe sollen näher definiert werden
KANN: Die Arbeit muß auslagerbar sein, z.B. ein Portier oder Hauselektriker kann nicht
auslagern.
WILL: Auf Grund eines guten Betriebsklimas oder Furcht vor Verlust der sozialen Kontakte
und eventuellen Aufstiegschancen will der Betroffene nicht auslagern.
DARF: Bei geplanter Auslagerung ist natürlich der Konsens mit dem Dienstgeber
herzustellen.
Im Rahmen des Projektes sollen möglichst alle Pendler kontaktiert werden und nach obigen
Optionen befragt werden.
Denkbar ist auch, daß die Auslagerung mit der Gründung eines neuen Unternehmens erfolgen
kann. Damit hätte ein Jungunternehmer eine Basisauslastung bei wesentlicher Verbesserung
der Lebensqualität.
Vorteile
* Rückgang der Pendlerbewegung
* Verbesserung der Lebensqualität der Pendler
* Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft
Mögliche Probleme
* Akzeptanz bei Dienstgeber und Dienstnehmer
* Verlust des informellen Informationsaustausches
Schwerpunkt Ausbildung
Anwender
Als Begleitmaßnahme für das gesamte Projekt müssen zielgruppenspezifische Schulungen
und Beratungen den potentiellen Anwendern angeboten werden.
Bei entsprechendem Wissensstand ist die Nutzung der Anwendungen eher gegeben, vor allem
kann bei diesen Schulungen der Nutzen optimal transportiert werden. Für eine
kontinuierliche Entwicklung ist es unbedingt notwendig das Feedback der Schulungen nach
Möglichkeit wieder im Projekt zu berücksichtigen.
Besonderer Wert muß auf die Schulung von "Schlüsselnutzern" gelegt werden.
Darunter sind Anwender zu verstehen, die vorbildhaft die Optionen der Inhalte nutzen
wollen und vor allem in weiterer Folge als Multiplikatoren auftreten. Es muß gelingen,
diese Person möglichst flächendeckend zu etablieren, damit könnte die Akzeptanz
wesentlich erhöht werden und vor allem würde damit ein auf Nachbarschaftshilfe
basierender vor Ort Support aufgebaut werden.
Gründer
Nach Pressemeldungen des VÖSI (Verband österreichischer Softwareindustrie) fehlen
derzeit rund 6.000 Programmierer in Österreich.
Derartige Leistungen sind optimal für dezentrale Bearbeitung geeignet. Deshalb soll im
Rahmen des Projektes eine entsprechende Ausbildung angeboten werden. Zielgruppe sind
einerseits Schulabsolventen und Berufseinsteiger, aber auch arbeitslose Menschen und an
Weiterbildung interessierte Personen müssen berücksichtigt werden.
Ähnliche Ausbildungen werden derzeit hauptsächlich im Rahmen der konventionellen
Ausbildung (HTL, Uni, etc.) angeboten. Ein derartiges regionales Angebot könnte einen
enormen Qualitätsschub für das gesamte Waldviertel auslösen, mittelfristig müssen
damit auch spürbare, positive arbeitsmarktspezifische Effekte erkennbar werden.
Vorteile
* Höherqualifizierung in verschiedenen Ebenen
* Gesamtnutzen definieren - Osterweiterung
Vorgangsweise
Bei der Realisierung des Projektes ist als erste Stufe die Erarbeitung der konkreten
Inhalte unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Bevölkerung vorgesehen. Für den
Transport der Inhalte ist nach derzeitigem Wissensstand eine Intranetlösung das geeignete
Medium.
Um die Akzeptanz der Anwender zu erhalten, soll die Verbreitung im Stadtgebiet über das
Kabelnetz erfolgen, in den Katastralgemeinden sollen Interessenten gesucht werden, die
bereit sind, die Anwendungen zu testen und in weiterer Folge als Ansprechpersonen für
Support zur Verfügung stehen.
Die erfolgreiche Umsetzung ist von der Akzeptanz der Inhalte abhängig, das Abfragemedium
wird entsprechend dem Interesse genutzt, die beste und rascheste Breitenwirkung wird aber
sicher beim Transport über Telefon, Fax und TV erreicht.
Grundsätzlich soll das Projekt nach Ablauf einer 3 - 5jährigen Projektphase auch
wirtschaftlich selbständig überleben können, wobei die Bezahlung der Kosten vom
jeweiligen Nutznießer zu erfolgen hat. Für die Umsetzung sind 1 Projektleiter, 1
Techniker, 1 Sekretariatskraft sowie ein entsprechendes Arbeitsbudget notwendig. Die
geschätzten Jahreskosten betragen rund ATS 3 Millionen ohne Berücksichtigung der bei den
potentiellen Anwendern notwendigen Investitionen sowie dem Umbau des Zwettler Kabelnetzes.
Die Projektumsetzung in der Stadtgemeinde Zwettl könnte eine beispielhafte Wirkung für
den Einsatz von telematischen Anwendungen im ländlichen Raum ausüben. Diese
Entwicklungsperspektive ist für das Überleben von peripheren Regionen eine
Grundvoraussetzung im Bereich der Infrastruktur. Speziell für die Bewältigung der
zukünftigen Herausforderungen durch Änderung der Rahmenbedingungen für die nach wie vor
dominierenden Landwirtschaft (Agenda 2000) und bevorstehende Osterweiterung müssen
offensiv alle Chancen genützt werden.
Auf Grund der Kombination von kleinstädtischem Ballungsraum und flächenmäßiger
Ausdehnung der Gemeinde Zwettl sind konkrete Erkenntnisse für die Aufwertung von
peripheren Regionen zu erwarten.
Die vorhandenen Voraussetzungen und Vorarbeiten sind starke Erfolgsfaktoren um einen
optimalen Projektverlauf zu garantieren.
6 Modell Perchtoldsdorf
6.1 Gemeindestruktur
Einwohner: 14.176
inklusive Zweitwohnsitz-Perchtoldsdorfer: 17.789
(Stand 1. Februar 1999)
Fläche: 12,59 qkm
Baufläche: 104,61 ha
Verkehrsfläche: 114,93 ha
Landwirtschaftliche Nutzfläche: 229,50 ha
Gärten: 233,18 ha
Weingärten: 183,78 ha
Wald: 360,53 ha
Gewässer: 4,67 ha
Sonstige Fläche: 28,18 ha
Dauersiedlungsraum: 893,98 ha
Gebäude insgesamt (1991): 4.348
Wohngebäude mit 1 oder 2 Wohnungen: 3.274
Wohngebäude mit 3 bis 10 Wohnungen: 238
Wohngebäude mit 11 oder mehr Wohnungen: 38
Wohngebäude mit Sitz eines landwirtschaftlichen Betriebes: 59
Wohngebäude mit zusätzlich anderer Nutzung: 194
Nichtwohngebäude: 545
Wirtschaft
War Perchtoldsdorf früher ein landwirtschaftlich geprägter Ort, so hat heute nur noch
der Weinbau einige Bedeutung, Ackerbau und Viehzucht sind mit zunehmender
Siedlungstätigkeit fast völlig abgekommen.
Früher hat der Weinbau die Wirtschaft, das Sozialgefüge und die Lebensformen der
Ortsbewohner in entscheidender Weise beeinflußt. Das trifft heute sicherlich nicht mehr
zu. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe betrug 1990 117, davon waren 88
Haupterwerbsbetriebe. Die Tendenz ist nach wie vor leicht rückläufig.
253 Arbeitskräfte waren 1990 in der Landwirtschaft beschäftigt, überwiegend die
Betriebsinhaber selbst (106) und deren Familienangehörige (85).
Die Kulturflächengrößen liegen bei 60,7 % der Betriebe unter 2 ha, bei 33,3 % der
Betriebe zwischen 2 und 10 ha.
Im Vergleich zu den anderen Sektoren ist die Zahl der Handels- und Gewerbebetriebe relativ
hoch.
Die meisten von ihnen gehen aber über den Kleinbetriebscharakter nicht hinaus.
Als Standort von Industriebetrieben hat die Marktgemeinde Perchtoldsdorf nie größere
Bedeutung erlangt.
Der Fremdenverkehr hat in den letzten Jahrzehnten einen grundlegenden Wandel erlebt - vom
Langzeiturlaub (Sommerfrische) zum Kurzaufenthalt bzw. zum heute primär vorherrschenden
Tagesausflug mit anschließendem Heurigenbesuch.
1994 gab es im Ort 218 Fremdenbetten, 168 davon in gewerblichen Beherbergungsbetrieben.
(Quelle ÖSTAT, Fremdenverkehrsstatistik)
Gut ausgebildet ist in Perchtoldsdorf der tertiäre Sektor, der vor allem im Ortskern
konzentriert ist. Hier befinden sich die Zweigstellen der sieben im Ort vertretenen Banken
und Versicherungen.
Perchtoldsdorf verfügt über sehr gute Einkaufsmöglichkeiten.
Im Ortszentrum gibt es an die 80 Geschäfte, durchwegs kleinere Betriebe, die zeitgemäß
ausgestattet sind.
Arbeitsstätten (ohne landwirtschaftliche Betriebe)
1991 nach Beschäftigtengrößen
Arbeitsstätten insgesamt 523
unselbst. Beschäftigte
176
1
110
2 - 4
120
5 - 9
41
10 - 19
32
20 - 49
34
50 - 99
7
100 - 199
1
200 - 499
2
6.2 Telematik - Ressourcen
Seit 1994 hat die Marktgemeinde Perchtoldsdorf ihren innerörtlichen Verkehr auf neue
Beine gestellt: anstatt teurer und oft nicht sehr attraktiver Citybusse wurde das P`Taxi
eingeführt. Um öS 25,-- kann jedermann von einem beliebigen Punkt in Perchtoldsdorf zu
einem anderen fahren, um öS 30,-- auch zur Schnellbahnstation ins benachbarte Liesing
oder Siebenhirten. Bis zu vier Personen, die dieselbe Einstiegs- und Ausstiegsstelle
haben, können sich die Kosten für eine Fahrt teilen.
Die Marktgemeinde zahlt pro Fahrt eine Betrag von öS 28,-- an die Taxiunternehmer auf.
Dieses Service, das rund um die Uhr funktioniert, wurde von den Perchtolsdorfern und ihren
Gästen äußerst positiv angenommen. Schon kurz nach der Einführung wurden rund 10.000
Fahrten pro Monat gezählt, was sich bis heute kaum mehr verändert hat.
Seit Anfang Februar 1997 hat die Marktgemeinde Perchtoldsdorf die bisher gängigen
Taxibons durch eine neue Servicekarte ersetzt, die P`Card.
Um eine P'Taxi-Fahrt zu bezahlen gibt man die Karte einfach dem Fahrer, der in einem im
Fahrzeug eingebauten Terminal die Abrechnung vornimmt. Der Gemeindeanteil wird somit
automatisch entrichtet, die Kosten für die Fahrtarten werden vom Fahrgast bar bezahlt.
Auf Wunsch kann die Karte mit Bargeld aufgeladen werden und bargeldlos bezahlt werden.
Die P`Card hat in Perchtolsdorf auch weitere Funktionen, so erhält man finanzielle
Vergünstigungen bei einigen Einrichtungen der Gemeinde (Erholungszentrum) und
Serviceleistungen bei zahlreichen Perchtolsdorfer Betrieben. Die Kosten für die P`Card
betragen öS 30.-für Perchtoldsdorfer und öS 300,-- für Gäste.
Die P`Card - das System
Alle Perchtoldsdorfer und Perchtoldsdorferinnen (Haupt- und Nebenwohnsitzer), die das 7.
Lebensjahr vollendet haben, können eine P`Card beziehen. Vorgesehen ist, daß mehrere
Familienmitglieder eine P`Card haben, denn die Nutzungsberechtigung ist an Personen
gebunden (nicht an Haushalte).
Alle jene, die keinen Wohnsitz in Perchtoldsdorf haben, können eine P`Card-Gästekarte
erwerben. Diese Karte kostet öS 300,--/Jahr und bietet dieselben Vergünstigungen wie die
P`Card.
Die P`Card muß schriftlich beantragt werden. Antragsformulare bekamen alle
Haushaltsvorstände am 7. Jänner 1997 per Post zugesandt. Zusätzlich liegen Formulare am
Gemeindeamt und in der Raiffeisenbank auf.
Rund 3 Wochen nach Abgabe des Antrages kann die P`Card in der Raiffeisenbank
Perchtoldsdorf abgeholt werden. Bei der Abholung sind die Kartenkosten von öS 30,-- (öS
300,--) zu bezahlen.
Die P`Card kann verwendet werden
1. Als Zahlungsmittel für das P`Taxi:
Mit der P`Card kann direkt im Taxi bezahlt werden (=Gemeindeanteil von öS 28,--) die
Differenz von öS 25,-- bzw. öS 30,-- ist in bar oder auf Wunsch bargeldlos vom Fahrgast
zu bezahlen.
2. Als Ermäßigungskarte für Einrichtungen der Marktgemeinde:
Folgende Ermäßigungen pro vorgewiesener P`Card sollen gewährt werden:
* im Erholungszentrum Perchtoldsdorf:
ein Rabatt von öS 10,-- auf eine Vollpreiskarte
* beim Bücherkauf im Kulturreferat:
10 % Ermäßigung
* beim Eintritt in alle Perchtoldsdorfer Museen:
10 % Ermäßigung auf eine Vollpreiskarte
* beim Kauf von Karten für die Perchtoldsdorfer Sommerspiele:
10 % Ermäßigung auf eine Vollpreiskarte
3. Als Servicekarte bei Perchtoldsdorfer Wirtschaftbetrieben:
Sowohl den Inhabern einer P`Card als auch einer Gästekarte werden von einigen in
Perchtoldsdorf ansässigen Betrieben Preisermäßigungen gewährt.
4. Als Berechtigungskarte für bestimmte Einrichtungen:
Die P`Card berechtigt zur Benützung des Altstoffsammelzentrums. Für alle jene, die sich
des Systems der P`Card nicht bedienen wollten, wurde im Jahr 1997 eine kostenlose
Entsorgungskarte ausgegeben.
Die Gemeinde Gießhübl ist weiterhin am P`Taxi-System beteiligt. Es wurde eine
Gießhübl-Version der P`Card eingeführt, die für Gießhübler Bürger das volle Angebot
der Karte beinhaltet, ausgenommen jedoch die Vergünstigungen bei den Perchtoldsdorfer
Gemeindeeinrichtungen.
Die Raiffeisenbank Perchtoldsdorf, Wienergasse 9, 2380 Perchtoldsdorf ist Partner der
Marktgemeinde Perchtoldsdorf bei der Durchführung des P`Card-Systems. Die Leistungen der
Raiffeisenbank sind:
1. Etablierung einer Aufbuchungsstelle für die Verlängerung und Aufladung von
"P`Cards" (Hard- und Software) auf eigene Kosten
2. Ankauf und Installierung der für das Kartenausgabeprogramm notwendigen Hardware
3. Durchführung der Kartenbestellung, Auslieferung und Administration mit eigenen
Arbeitskräften in den Räumlichkeiten der Raiffeisenbank
4. Kostenbeteiligung an der Herstellung der Karten
5. Kostenbeteiligung an der Herstellung von Drucksorten
6. Überprüfung von Anträgen auf Ausstellung von P`Cards hinsichtlich Übereinstimmung
mit dem Melderegister der Marktgemeinde.
Um einen zügigen Bestell- und Verwaltungsvorgang zu ermöglichen, wurde von der Firma
Austria-Card ein EDV-Programm entwickelt, welches mittels einer zur Datenausgabe der
Marktgemeinde kompatiblen Datenerfassungsmaske die Ausgabe, Sperre, Suche etc. von
einzelnen Karten ermöglicht.
Die Raiffeisenbank hat im Zuge der Kartenbestellung und -auslieferung die Funktion eines
Dienstleisters im Sinne des Datenschutzgesetzes.
Die Raiffeisenbank hält Bestellungen, Lieferungen und Ausgabe von P`Card in ihrem
EDV-Programm fest und sorgt für die Übermittlung der Daten von bestellten Karten an die
Firma Austria-Card. Nach rund 14 Tagen erfolgt die Lieferung der bestellten Karten an die
Raiffeisenbank, die diese an die Besteller ausgibt, Bei Gästekarten erfolgt die
Datenerfassung direkt in der Raiffeisenbank, wobei die Daten der Gästekarteninhaber auch
der Marktgemeinde übermittelt werden.
In regelmäßigen - mindestens wöchentlichen - Abständen werden von den Taxiunternehmern
die in den Terminals gespeicherten Daten über erfolgte P`Taxi-Fahrten per Modem an einen
Zentralcomputer der Firma Taxi-Cash übermittelt. Die Firma Taxi-Cash sorgt in weiterer
Folge für die Erstellung von Rechnungen und Abrechnungsunterlagen für die einzelnen
Taxiunternehmer und die Marktgemeinde.
Für die Erstellung von Statistiken werden monatlich von der Firma Taxi-Cash Daten zur
Verfügung gestellt.
Wirtschaft setzt auf die P`Card
Die P`Card als neues und modernes Servicemedium in Perchtoldsdorf hat es auch der
Perchtoldsdorfer Wirtschaft angetan. Bereits 25 Unternehmen bieten ihren Kunden
Vergünstigungen oder besondere Leistungen an, wenn diese eine P`Card besitzen.
Der Kreativität der einzelnen Unternehmer werden seitens der Gemeinde keine Grenzen
gesetzt. Der Rahmen der verschiedenen Angebote reicht von Rabatten zwischen 3 und 20 % bis
hin zu kostenlosen Beratungen und Leistungen.
Martin Schuster, zuständiger Gemeinderat und Projektmanager der P`Card: "Die
Perchtoldsdorfer Wirtschaftstreibenden erhalten von uns ein Instrument, das wegen seiner
Funktion für das örtliche P`Taxi automatisch eine große Verbreitung hat.
Selbstverständlich sind wir aber auch daran interessiert, möglichst viele Geschäfte und
Firmen als Partner zu gewinnen, um wiederum die Karte noch interessanter zu machen."
Die P`Card ist jedenfalls das geeignete Instrument, die Ortsgebundenheit der
Perchtoldsdorfer und ihrer Gäste zu steigern. Sie dient sowohl als Marketingobjekt der
Wirtschaft als auch als Servicekarte der Marktgemeinde, die bei verschiedenen
Einrichtungen Preisnachlässe gewährt, und als Berechtigungskarte für eines der
modernsten und erfolgreichsten Ortsverkehrssysteme, das P`Taxi.
Auch die Perchtoldsdorfer Weinhauer sind mit der Neueinführung zufrieden, garantiert die
P`Card doch Ortsansässigen und - als Gästekarte - auch allen Besuchern den günstigen
und sicheren Heimweg.
Außerdem trägt man immer ein hilfreiches Erinnerungsstück an Perchtoldsdorf in der
Geldtasche.
Einkauf auf Rädern
Zur Versorgung der älteren Bewohner unseres Ortes sowie dauernd oder vorübergehend
behinderter Personen wurde mit September 1998 ein Zustellsystem für Einkäufe
installiert. Personen mit Wohnsitz Perchtoldsdorf ab dem 70. Lebensjahr sowie durch
Krankheit oder Unfall dauernd oder vorübergehend behinderte Personen, ebenfalls mit
Wohnsitz Perchtoldsdorf, können bei der Firma Spar, Aspettensiedlung an drei Wochentagen
(Montag, Mittwoch und Freitag) Einkäufe telefonisch bestellen, wobei der Warenkorb in
einer eigenen Liste festgelegt wurde.
Während der ersten Betriebsmonate wurden rund 40 Zustellungen/Monat durchgeführt.
Die Verrechnung der Einkaufsfahrt erfolgt ausschließlich über die P`Card, welche über
Auftrag der Gemeinde für diesen speziellen Servicedienst durch die Firma Taxi-Cash
freigegeben wird.
Das Taxiunternehmen verrechnet pro Zustellung einen Betrag von öS 50,-- inklusive
Umsatzsteuer. Davon wird ein Betrag von öS 25,-- von der Marktgemeinde Perchtoldsdorf
getragen. Der Berechtigte bezahlt ebenfalls öS 25,-- entweder in bar oder im Wege der
elektronischen Geldbörse.
Mehrwertdienste im Kabel
Information und Kommunikation sind die großen Themen der Zukunft. In diesem Zusammenhang
nimmt vor allem die Bedeutung der elektronischen Medien wie TV und Radio, Internet und
Telefon stetig zu. Das wichtigste Transportmittel dafür ist das Kabel. Auch in
Perchtoldsdorf.
Wer einen Kabelanschluß hat erhält für öS 59o,--/Monat den unbegrenzten Zugang zum
Internet inklusive Modem. Für sporadische Internetbesucher, die nur fallweise einen
kurzen Blick ins Netz riskieren, mag das nicht allzu verlockend erscheinen. Für Heavy
Users, Freiberufler oder Familien mit jugendlichen Kindern ist das hingegen eine echte
Mezzie. Hohe Übertragungsgeschwindigkeit, große Stabilität und der Wegfall sämtlicher
Telefongebühren machen das Internetangebot der KABELSIGNAL für Intensivnutzer äußerst
attraktiv.
Das große Interesse an Internet über Kabel TV zeigen auch die ersten Reaktionen aus
Perchtoldsdorf. Mehr als 20 % der Kabelhaushalte haben sich sofort für einen
uneingeschränkten Internetzugang angemeldet. Der große Vorteil ist nicht nur der
Fixpreis, sondern das voneinander unabhängige und gleichzeitige Nutzen von Fernsehen und
Internetsurfen ohne das Telefon zu blockieren.
Dazu gehört auch, das noch heuer ein weiters neues Service verfügbar sein wird, die
Telefonie über Kabel TV. Der große Vorteil des Telefonierens über das Kabel liegt in
der Gebührenersparnis. Die Verantwortlichen von KABELSIGNAL schätzen, daß ihre Kunden
bis zu
45 % weniger als bisher zahlen werden.
KABELSIGNAL startet ab Mai dieses Jahres in Teilen ihres Netzes einen Pilotversuch wo
Telefonie über Kabel TV angeboten wird. Nach positivem Abschluß sollen Telefondienste ab
der zweiten Jahreshälfte 1999 auch in Perchtoldsdorf angeboten werden.
6.3 Projektziele
Soziale Dienste
Das Perchtoldsdorfer Hilfswerk als sozial gemeinnütziger, überparteilicher Verein hat im
Jänner 1982 die medizinische Betreuung der Perchtoldsdorfer als Zweigverein des NÖ
Hilfswerkes übernommen. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, Menschen jene Hilfestellungen zu
geben, die sie in ihren unterschiedlichen Lebensphasen und -situationen benötigen.
Durch die effiziente Zusammenarbeit von ehrenamtlichen Funktionären, Angestellten und
derzeit 40 Mitarbeitern erfolgt die Hilfeleistung rasch, unbürokratisch und individuell
in den "eigenen vier Wänden".
Es werden zur Zeit 153 Perchtoldsdorfer und Perchtoldsdorferinnen rund um die Uhr - also
auch am Wochenende betreut, wobei jährlich ca. 30.000 Einsatzstunden geleistet werden.
Das Pflegeteam besteht aus 4 Diplomkrankenschwestern, einem Diplompflegehelfer, 24
Haushelferinnen und 12 Nachbarschaftshelferinnen. Es stehen derzeit acht Dienstfahrzeuge
zur Verfügung.
Für einen Ausbau des Pflegedienstes stehen 4 Varianten zur Diskussion:
Variante l
Mitarbeiter erhalten ein Lesesystem; dazupassende Software wird im Büro installiert.
Er werden Strichcodes erarbeitet, für diverse Tätigkeiten beim Kunden, Mitarbeiter
können mittels Lesesystem jede einzelne Tätigkeit erfassen, ebenso erfolgt die
Zeiterfassung.
Im Büro erfolgt die Datenweiterverarbeitung, Kunden und Ärzte erfahren vom Büro
jederzeit den aktuellen Kostenaufwand bzw. durchgeführte Tätigkeiten.
Variante 2
Es wird eine Datenbank angelegt. (Kunde, Krankengeschichte, Pflegeplanung,...)
Jeder Mitarbeiter erhält einen Laptop und die Ärzte erhalten eine Verbindung zu ihren
Computern (verschiedene Zugriffsberechtigungen). In weiterer Folge kann eine Verbindung
zum Roten Kreuz hergestellt werden.
Muss ein Kunde ins Krankenhaus, kann direkt beim Kunden ein Transport bestellt werden.
Beim Erstkontakt erfährt der Kunde sofort den Stundensatz (DGKP nimmt mittels Laptop
Kontakt mit dem Büro auf). Der Mitarbeiter gibt direkt beim Kunden die durchgeführten
Tätigkeiten ein (auf einer vorgefertigten Checkliste). Die Abrechnung erfolgt mittels
Datentransfer, es muß nicht mehr handschiftlich ausgeführt werden. Der Mitarbeiter kann
am Laptop das Bild des nachfolgenden Mitarbeiters aufrufen. Kundenwünsche können
eingegeben werden, die entweder sofort an das Büro weitergeleitet werden können oder
Information für den nachfolgenden Mitarbeiter enthalten können. Weiters erhält der Arzt
Information, wann das Diplompersonal wieder beim Kunden ist, sodaß die Kommunikation
verbessert wird (zum Vorteil des Kunden). Es können benötigte Medikamente oder
Veränderungen des Gesundheitszustandes des Kunden direkt zum Arzt weitergeleitet werden.
Der Kunde kann direkt vom Mitarbeiter über den aktuellen Kostenaufwand informiert werden.
Variante 3
Bei jedem Kunden liegt ein Laptop auf, wo jeder Mitarbeiter dieselben Möglichkeiten hat
wie oben beschrieben. Weiters hat der Kunde die Möglichkeit (soweit er mit der Technik
vertraut ist bzw. werden kann) direkt mit dem Büro Kontakt aufzunehmen und Wünsche bzw.
Anfragen bekanntzugeben. Die Laptops werden mit Voice-Modem ausgestattet, sodaß der Kunde
seine Wünsche verbal äußern kann.
Variante 4
Es werden beim Kunden Kameras und Laptops installiert, sodaß eine direkte Verbindung
zwischen Kunden, Mitarbeiter und Büro hergestellt wird. Hier stellt sich nur die Frage
inwieweit diese Variante die Privatsphäre des Kunden stört.
Ausbau der P`Card
Die bisher guten Erfahrungen mit der P`Card legen einen Ausbau dieses Systems in anderen
Bereichen nahe.
7 Modell Eschenau
7.1 Gemeindestruktur
Die Gemeinde Eschenau zählt knapp über 1.000 Einwohner und liegt in einem Seitental des
Traisentales, ca. 20 km südlich der NÖ Landeshauptstadt St. Pölten. Die besiedelten
Gebiete konzentrieren sich auf die Ortsteile Rotheau, am Eingang des Tales gelegen,
Steubach, Eschenau und Wehrabach.
Ein wichtiger Erwerbszweig ist die Landwirtschaft. Von den knapp 70 landwirtschaftlichen
Betrieben haben sich bereits mehr als die Hälfte dem organisch-biologischen Landbau
verschrieben. Forstwirtschaft (Hackgutgewinnung), Milchwirtschaft, Obstverwertung (Most,
Süßmost, Schnäpse, Marmeladen) und Fleischverwertung (Rind, Schaf, Lamm) zählen zu den
wichtigsten Einnahmequellen. Mehrere Gewerbebetriebe bieten Arbeitsplätze im Ort, der
überwiegende Anteil der Erwerbstätigen ist jedoch zum Auspendeln gezwungen. .
Der Anstieg der Bevölkerungszahl in der Prognose 2000 erklärt sich durch die zeitgleiche
Erschließung von fünf Hektar Bauland
Unternehmen (Branchen, Größe)
Ausbildungsstätten
* Volksschule, 4-klassig
* Telehaus Eschenau, Seminarraum mit 10 Kursplätzen
7.2 Telematik-Ressourcen
Im Jahre 1998 erfolgte die teilweise Neuverkabelung des lokalen Netzes sowie die
Umstellung der Ortsanbindung an das Glasfasernetz der Post. Seit diesem Zeitpunkt ist auch
eine problemlose ISDN-Verbindung für jeden Haushalt möglich. Die derzeitige Dichte von
Modemanschlüssen beträgt etwa 3 %. Der Regionsschnitt liegt in der selben Höhe. Diese
Dichte an Nutzern der Informationstechnologie wurde im Laufe eines Jahres erreicht. Das
Interesse, diese neuen Technologien zu nutzen, ist im vergangenen Halbjahr sprunghaft
angestiegen.
Vor acht Jahren wurde das Telehaus Eschenau gegründet. Es stellt zur Zeit die zentrale
Informationsplattform im Umgang bzw. Zugang zu den neuen Medien dar. Die Kernpunkte dieser
Dienstleistung für die Bevölkerung sind:
* Direkte Nutzung der Vorteile des Internets in den Räumen des Telehauses.
* z.B. Aufträge zu Recherchen im Internet (Suche in div. Börsen, Suche in
Gesetzestexten, Suche nach Projektunterlagen, Suche durch Schüler zu schulischen
Lehrinhalten, usw.)
* z.B. Zu Beginn des Interneteinstieges verwenden der e-mail-Adresse des Telehauses als
erste Form der Kommunikation über das Internet.
* Laufende Unterstützung und Hilfestellung der Nutzer bis hin zu Schulungen durch die
Angestellten des Telehauses, um das Wissen zu vermitteln, selbst Recherchen anzustellen.
* Selbständiger, freier Zugang im Telehaus zu den Ressourcen des Internets als Basis und
Animation zum Sammeln praktischer Erfahrungen, um in weiterer Folge die Vorteile dieser
Technologien zu Hause in vollem Umfang nutzen zu können.
In den Räumlichkeiten des Telehauses Eschenau und der Telehaus NÖ Ges.m.b.H stehen
insgesamt rund 220 m2 zur Verfügung. Im Seminarraum sind zehn Schulungsplätze mit
Internetanschluß vorhanden. Vier Arbeitsplätze - davon 2 Telearbeitsplätze befinden
sich in zwei angrenzenden Büroräumen. Zusätzlich wurde 1997 eine leerstehende
Räumlichkeit im Wohn- und Wirtschaftszentrum (30 m2) angemietet. Dort besteht die
Möglichkeit, drei weitere Telearbeitsplätze zu schaffen. Zur Zeit sind zwei an
ausländische Firmen vermietet, deren Arbeitnehmer in unmittelbarer Umgebung wohnen.
Derzeit sind 3 Teilzeitbeschäftigte zu je 20 Wochenstunden und ein Geschäftsführer fix
angestellt. Weitere 3 Personen sind als freie Mitarbeiter tätig (EDV-Trainer).
Beispiele aus dem Tätigkeitsbereich des Telehauses:
Bildungs- und Schulungsangebot
* allgemeine EDV-Information
* Grundkurse - Ein besonders starker Anstieg konnte in diesem Jahr bei Internetschulungen
registriert werden. Durch die nachbarschaftliche Atmosphäre werden die Hemmungen, den
ungewohnten PC zu benutzen, stark verringert.
* Anwenderkurse (kaufmännisch/technische Standardprogramme)
* fachspezifische Kurse
* z.B. TIScover (Tourismusinformation im Internet)
* Ferienworkshop für Schüler
* firmenbezogene Schulungen
* begleitende Betreuung für firmeninterne Mitarbeiterschulungsprojekte
* Regionale Schwerpunktschulungen - Die Zusammenarbeit mit dem AMS bei diversen Projekten,
wie Schulungen für Neueinsteiger bzw. Umschulungen konnte stark forciert werden.
EDV-Dienstleistungen
* Bereitstellung von EDV-Einrichtungen für lokale Anwender
* Desktop-Publishing für regionale Bedürfnisse (Gemeinsam mit Firmen der Umgebung werden
Bücher [Lebenserinnerungen, Gedichtbände usw.] Etiketten und Werbeunterlagen, sowie
Broschüren und Vereinszeitungen zu erschwinglichen Preisen erstellt und gebunden.)
* Vorstellung von Hard- und Software
* diverse Verwaltungsarbeiten für regionale und lokale Institutionen, Vereine sowie
Privatpersonen
* Vermittlung von EDV-Spezialisten bzw. von EDV-Problemlösungen
* Informationsbereitstellung durch Zugriff auf verschiedene Datennetze
* setzen von Buch- und Zeitungstexten
* von Gemeinden und Privaten werden kartographische Aufträge übernommen
Projektarbeit
* Erstellung und Pflege von verschiedenen Datenbanken
* z.B. Kulturdatenbank im TIScover
* Datenerfassung und -pflege für das Ökopunktemodell
* Arbeitsplatzschaffung im ländlichen Raum - vom Nebenverdienst bis zum
hochspezialisierten Full-time-Job
* Datenaufbereitung für private Unternehmen
Aus den bisherigen Erfahrungen lassen sich folgende Schlußfolgerungen ableiten:
Abbau der Schwellenangst
Die Scheu vor EDV und PC konnte teilweise durch den Standort des Telehauses in gewohnter
Umgebung und durch die Führung desselben von Leuten, die als ihresgleichen angesehen
wurden, entschärft werden. Es bestätigten auch immer wieder Kursteilnehmer, daß sie
z.B. nie in das nur 16 km entfernte WIFI oder in Volkshochschulen gehen würden. Oft nur
aus dem Grund den Erwartungshaltungen der Institute bzw. der Trainer nicht zu genügen
oder ohne perfekte Maschinschreibkenntnisse bei den Kurskollegen aufzufallen.
Nach Besuch der Grundkurse im Telehaus waren sehr viele überrascht, wie
verhältnismäßig einfach ein PC zu bedienen ist und danach stand auch einem Besuch in
vermeintlich höher qualifizierten Bildungseinrichtungen nichts mehr im Wege.
Sehr zufriedenstellend für Kursbesucher und Trainer sind nach wie vor Kurse, bei denen
sich die Teilnehmer selbst gruppieren und eine Teilnehmerzahl von ca. sechs bis sieben
Personen haben. Bei solchen Kursen ist der Anfangslevel und die Kurserwartung aller
Besucher meist gleich und der Trainer kann einheitlich die Gruppe betreuen.
Umfassende Information
Entscheidend ist die rechtzeitige Information von Gemeinden, Parteien und Organisationen.
Niemand darf sich zurückgesetzt fühlen.
Eine gezielte schrittweise pyramidenförmige Information, in der Reihenfolge
* Bürgermeister
* Gemeindeangestellte
* Gemeindevorstand
* Gemeinderäte
* Vereinsobmänner, Organisationsleiter, Projektleiter und deren Vorstände
wird im Endeffekt eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung bewirken.
Um eine größtmögliche Beteiligung zu erreichen, erfolgt die weitere Information der
Bevölkerung am besten und effizientesten wiederum im Rahmen ihrer gewohnten
Organisationsebene. Das heißt, die Erstinformation wird von den Obmännern, Leitern usw.
im Rahmen einer Vollversammlung vorgenommen und ist ein Tagesordnungspunkt einer
allgemeinen Versammlung.
Bei dieser Vorstellung muß das Interesse bereits soweit geweckt werden, daß sich Gruppen
zusammenschließen, die bereit sind, ca. vier Stunden an einer Vorstellung, bei der man im
Echtbetrieb die Möglichkeiten von PC, Modem, Internet, Intranet und vor allem deren
Vorteile darstellen kann. Daß dabei direkte Beispiele mit persönlichem Nutzen für den
Gemeindebürger verwendet werden, ist besonders wichtig. Denn die rasche Überzeugung
dieser Personengruppe wird das Interesse und die Bereitschaft weiterer Haushalte an einem
Mitmachen am Gesamtprojekt positiv beeinflussen.
Parallel dazu erfolgt die allgemeine Ankündigung des Projektes in der Gemeindezeitung um
die Haushalte vorzubereiten. Dazu sind auch lokale Zeitungen mit einzubeziehen, die mit
gezielten Artikeln ebenfalls zur Meinungsbildung beitragen.
Man muß aber zur Kenntnis nehmen, daß ein Einsatz von PCs bis zu einer erwünschten
Dichte, die ein ausschließliches Bearbeiten aller anfallenden Berührungspunkte zwischen
Ämtern, Behörden, Institutionen, Organisationen, Vereinen, Funktionären, Bürgern usw.
in der Gemeinde erlaubt, auf Anhieb bzw. im ersten Jahr des Projektes sicher nicht zu
erreichen ist.
7.3 Projektziele
* Die Gemeindevertretung selbst ist stark an diesem Projekt interessiert und auch willens,
selbst an Aufgabenstellungen mitzuwirken. Das heißt, die Betreuung der gemeindeeigenen
Serviceseiten wird selbst übernommen.
* Ersterstellung der Grundstruktur des Systems durch das Telehaus und den weiteren
Projektträgern. In der Folge soll eine Anpassung und Weiterentwicklung nach den im
Projekt gewonnenen Erkenntnissen erfolgen.
* Ein Aufbau eines Servers im Ort als Einwahlknoten in das Internet hätte den großen
Vorteil, daß die Betreuung sehr einfach ist und laufend vom eigenen Personal an die
tatsächlichen Bedürfnisse angepaßt werden kann. Weiters würde ein eigener Provider
nach Projektende als Einnahmequelle das, während des Projektes aufgebaute System
finanzieren und somit den übergangslosen Weiterbestand gewährleisten.
* Zur Zeit gibt es 460 Haushalte. Innerhalb der beiden nächsten Jahre kommen durch die
be- reits in Angriff genommene außergewöhnlich rege Bautätigkeit noch 150 neue,
großteils junge Familien hinzu. Gerade diese sind, wie bekannt ist, auf Grund der
Altersstruktur die potentiellen Internetbenutzer.
* Die Eingabe und Erfassung der Daten soll in der ersten Phase zentral (Telehaus)
erfolgen. Ziel ist es aber, daß nach Einschulung der Nutzer des Systems, diese ihre
Informationen selbst warten.
Schwerpunkt Wirtschaft
Besonders in der ländlichen Region werden die Kleingewerbebetriebe auf eine effiziente
Nutzung der Telekommunikation angewiesen sein. Das als "demokratisch"
bezeichnete Internet ist besonders geeignet, diesen Betrieben im Wettbewerb reelle Chancen
zu bieten:
* ihre Produkte gleichrangig zu bewerben und zu verkaufen;
* allfällige Standortnachteile werden durch das Internet in höchstem Maße ausgeglichen;
* bessere Überlebenschancen für die Betriebe und somit auch für die von ihnen
geschaffenen Arbeitsplätze;
* erschließen neuer Absatzmärkte;
* und dadurch letztendlich die Schaffung neuer Arbeitsplätze;
* Abwicklung von Bestellungen und Lieferungen mit minimalem Aufwand und größtmöglichem
Erfolg.
Das Internet als Werbefläche und Einkaufsort
* Präsentation des Betriebes im WWW
* elektronische Kommunikation per e-mail
* weltweiter Verkauf der eigenen Produkte
* aber auch weltweite Preisinformation für den Einkauf
Beispiele:
* Gasthaus: Tischreservierung, laufende Angebote, Veranstaltungsabende, Ruhetage
* Gewerbebetriebe: Entgegennahme von Aufträgen, Anforderung von Angeboten in Text und
Bild und rasche Rückübermittlung von Kostenvoranschlägen, schnellstes Senden von
Plänen, Skizzen, usw.
* Forstverband=Waldwirtschaftsgemeinschaft: Koordination des Maschineneinsatzes, Verkauf
der Hackschnitzel, da alle Haushalte erreichbar sind
* Erzeugergemeinschaft für Jungrinder-Beef: Benachrichtigung der Kunden über
Schlachttermine, Abholtermine, Bestellungen, Bestelllisten, usw., Homepage mit
Bestellfunktion und einer Kunden-mailing-list
* Öffnungszeiten von Dienstleistungsbetrieben (Kaufhaus, Telehaus, Bank, Post, usw.)
* Einige konkrete Fragen nach einer Erstinformation: "Sind Funktionärsaufgaben
übers Internet möglich?", "Können wir auch selbst die Daten der
Fernwärmeheizung einsehen?", "Können wir selbst die Daten des Windrades
kontrollieren?", usw.
* Landwirtschaft: Geburtenmeldungen, Verkaufsmeldungen, Ankaufsmeldungen bei der AMA,
Öpul Förderabrechnung
* Zugriff auf die neuesten Förderrichtlinien
Telearbeit
* Ein Aufbau eines Servers im Ort als Einwahlknoten in das Internet hätte den großen
Vorteil, daß die Betreuung sehr einfach ist und laufend vom eigenen Personal an die
tatsächlichen Bedürfnisse angepaßt werden kann. Weiters würde ein eigener Provider
nach Projektende als Einnahmequelle das, während des Projektes aufgebaute, System
finanzieren und somit den übergangslosen Weiterbestand gewährleisten.
Bestehende Vereine und Gemeinschaften in der Gemeinde als mögliche Nutzer
- Arbeitsgruppe der Bäuerinnen
- Baggergemeinschaft
- Bauernbund
- Brandhilfegemeinschaft
- Brennereigemeinschaft
- Chance für das Kind
- Direktvermarkter
- Dorferneuerungsverein
- Elternverein
- Feuerwehr Eschenau
- Feuerwehr Rotheau
- Forstverband=Waldwirtschaftsgemeinschaft
- Imkereiverein
- Jagdgesellschaft
- Jungrinderbeef
- Kameradschaftsbund
- Kirchenchor
- Kompostgemeinschaft
- Landjugend
- Mulchgemeinschaft
- Musikverein
- ÖAAB
- Pensionistenverein
- Pfadfinder
- Reitverein
- Schlacht und Verarbeitungsraum
- Seniorenbund
- Sportunion
- Stubenmusik
- Telematikverein NÖ
- Tennisclub
- Touristenverein
- Wirtschaftsbund
Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe in der Gemeinde
- Altenpflegeheim Hauser Rotheau 19
- Bank Raiffeisen Hauptstr.25
- Cafe Herta Hauptstr. 32
- Cafe Fürstenberg Rotheau 48
- Campingplatz Lee Moosrotte 1
- Consulting System Niese Steubach 27
- EU-Schlachthof Berger Rotheau 70
- Fernwärme Eschenau Inzenreithstr. 1
- Fleischerei Schweighofer Inzenreithstr. 1
- Gasthaus Lee Hauptstr. 34
- Gasthaus Wochner Rotheau 2
- Gasthaus Pils Rotheau 6
- Gasthaus Brichta Rothau 16
- Gerüstverleih G-Team Rotheau 68
- Jagastüberl Franzl Rotheau 72
- Jagd- und Fischereitreff Teicher Rotheau 72
- Kaufhaus Nagl Inzenreithstr. 1
- Kistentischlerei Kaltenbäck Rotheau 32
- Maler Wagner Zehethofstr. 21
- Maschinenhandel Gravogel Mühlweg 16
- Obst und Gemüse Bellfruit Sommer Rotheau 64
- Pension Moser Schulgasse 2
- Pfarramt Eschenau Kirchenweg 1
- Postamt Eschenau Inzenreithstr. 1
- Puppenbühne Walters Hauptstraße 9
- Regionalbüro Mostviertel Eschenau Inzenreithstr.1
- Sägewerk - Stiegenbau Wögerer Prinzbach 6
- Schaumannvertretung Enk Hauptstr. 21
- Schlosserei Braun Rotheau 1
- Schlosserei Gugler Mühlweg 8
- Schutzhütte Kaiserkogel Windbichl 25
- Telehaus Eschenau Inzenreithstr.1
- Telehaus NÖ Ges.m.b.H. Eschenau Inzenreithstr.1
- Volksschule Eschenau Schulgasse 1
Schwerpunkt Behördenservice
Durch 24-stündige Präsenz der Serviceangebote der Gemeinde und Behörden, ist der
laufende Zugang zu diesen Informationen gewährleistet (Holschuld). Bereits während
unserer Recherchen konnte festgestellt werden, daß sogar Förderungen auf Gemeindeebene
existieren, aber fast oder gar nicht in Anspruch genommen werden, weil sie niemand kennt.
* Förderungen der Gemeinde
Die Möglichkeiten, solche Förderungen in Anspruch zu nehmen, wird normalerweise nur
einmal - nach der Beschlußfassung - bekanntgegeben und sie geraten daraufhin in
Vergessenheit. Anspruchsberechtigte Personen, wissen in der Folge nicht über diese
Förderungen Bescheid.
Diese Anträge können interaktiv über das Internet gestellt werden.
Z.B. Schülerfahrtenbeihilfe, Geld für Schneeräumung auf Güterwegen, Maturaprämie und
Solarförderung, usw.
* Öffentliche Förderungen
Hinweise zu öffentlichen Förderungen werden über Links auf bestehende Serviceseiten
realisiert.
* Schaukasten im Internet
Infomaterial, welches bis jetzt im Schaukasten "verwaiste", kann auf einfache
und bequeme Art und Weise der Bevölkerung laufend angeboten werden.
z.B.:
- Verordnungen
- Abgaben bzw. Veränderungen bei Abgaben
- Versteigerungen
- Grundverkehrsbelange
- Rechnungsabschlüsse bzw. Voranschläge
- Einspruchsfristen
- Wahlergebnisse
- Sprechtage (Caritas, Hilfswerk, Volkshilfe, Notar)
- Sprechstunden der Funktionäre
- Einladungskurrenden
- Bauverhandlungen
* Die Gemeindetätigkeit im Internet
Laufende Information über:
- die Gemeinderatsbeschlüsse
- das Gemeindegeschehen
- die Arbeit des Vorstandes
- die Arbeit der Ausschüsse
- die Arbeit des Gemeinderates
- Projekte in der Gemeinde
* Online Gemeindenachrichten
* Dienstleistungen der Gemeinde
z.B.:
- Müllverordnung
- Abfuhrtermine
- Sondermüllsammelstellen und -termine
- Müll Trenn-ABC
* Interaktives Bestellen von
z.B.: Formularen, Müllsäcken, Altkleidersammelsäcken, usw.
Das Ausfüllen von Formularen kann zu Hause in Ruhe erfolgen. Außerdem stehen zu Hause
alle Unterlagen im Zugriff, die notwendig sind, um die Angaben korrekt zu machen. Die am
PC ausgefüllten Formulare können direkt auf elektronischem Weg retourniert oder
ausgedruckt werden.
Wenn die Problematik der elektronischen Unterschrift gelöst sein wird, ergibt sich eine
sprunghafte Steigerung der Anwendungsmöglichkeiten.
Einige Beispiele:
- Meldezettel
- Bestellmöglichkeit für Strafregisterauszug,
- Grundstückskatasterauszug,
- Baugrundliste,
- Sozialhilfeanträge
Gesundheit und Soziales
* Bestellung von Krankenscheinen
* Übermittlung von Befunden
* Bereitschaftsdienst von Dienstanbietern in der Gemeinde (Arzt, Apotheker)
Freizeit und Kultur
* Veranstaltungskalender
Jeder Gemeindebürger soll die Möglichkeit haben, seine Veranstaltungen selbst in den
Kalender einzutragen. Er kann sich sofort an den bereits vergebenen Terminen orientieren
und erspart sich viel Zeit und Mühe bei der Koordination der eigenen Termine.
* Öffentliche Verkehrsmittel in der Gemeinde; Fahrplantafel,
* Bäderbus
Bildung (Tele-Lernen)
* Zugang über das Internet zu Fernkursen
* Telehaus Eschenau
siehe Punkt 1.2 und 1.3
* Gemeindebibliothek
Verfügbarmachung der ca. 1.500 Titel über ein Register mit Schlagwortsuche.
Info über Neuzugänge
Mitsprache der Bürger bei Neubestellungen (Interaktiver Wunschkatalog)
Serviceeinrichtungen, die als Drehscheibe für die Betreuung von Pilotprojekten in Frage
kämen
* Regionalbüro Mostviertel -Büro für Dorf- und Stadterneuerung
* Telehaus Eschenau, Inzenreithstraße 1, 3153 Eschenau, Tel. 02762/67380
e-mail: telehaus.eschenau@netway.at
* Gemeindeamt Eschenau
* Telehaus NÖ Ges.m.b.H
8 Wartung und Aktualisierung von Informationen
Der Trend bei der Entwicklung von Informationssystemen geht seit langem in Richtung
"Trennen der eigentlichen Daten von deren Darstellung". Das heißt ein
Informationssystem besteht zunächst aus zwei Modulen:
* den eigentlichen Daten, z.B. als Datenbank organisiert (der Begriff SQL-Server tritt
hier häufig insbesondere in Zusammenhang mit dem Internet in Erscheinung)
* der Darstellung der Daten in unterschiedlicher Form (graphisch, als Liste, Bilder etc.)
Diese dem Nicht-Techniker vielleicht etwas willkürlich erscheinende Trennung hat sich
bewährt, und wird nun auch bei der Entwicklung großer Web-Sites (insbesondere auch bei
E-Commerce Systemen, elektronischen Marktplätzen, etc.) gezielt eingesetzt.
Die Strukturierung von Informationssystemen in den reinen Datenbestand und das Darstellen
der Daten erlaubt zunächst die Konzentration auf das Erarbeiten, welche Daten in einem
Informationssystem überhaupt vorhanden sein sollen, zu welchem Zweck, etc.
Für die unterschiedlichen Bedürfnisse können diese Daten dann unterschiedlich
angezeigt, unterschiedlich fein dargestellt werden.
Dies ist ein erster Schritt in die Richtung, keine Informations"inseln" zu
schaffen, sondern die einmal vorhandenen Daten und Informationen können mit
unterschiedlichen elektronischen Medien dargestellt werden, so z.B. auf einem Info-Stand
mit Touch-Screen, am PC am Gemeindeamt, als Web-Site am Internet, auf CD verschickt.
Jede Darstellungsform kann sich die Daten heraussuchen, die sie braucht, und die
entsprechenden Informationen möglichst aussagekräftig und für den jeweiligen Zweck
geeignet darstellen. Das heißt der Datenbestand ist eher universell, jede Institution
entscheidet, was sie in welcher Form anzeigen möchte.
Zum Beispiel können somit lokale oder regionale Informationen, die auch für einen
größeren Einzugsbereich relevant sind, an übergeordnete Stellen übermittelt werden und
dort genutzt oder in deren Informationssystem eingebunden werden. Diese übergeordnete
Stelle wird sich aus dem Datenmaterial diejenigen Daten herausfiltern, die jeweils
interessant sind und gegebenenfalls mit dem eigenen Darstellungssystem darstellen.
Ebenso können andere Institutionen auf die regionalen Daten verweisen.
Neben der reinen Trennung von Daten und Darstellung spielt aber auch die Struktur der
Daten selbst eine sehr wesentliche Rolle. Je nachdem ob bzw. in welcher Weise Daten
strukturiert sind, können Informationen mehr oder weniger einfach daraus herausgefiltert
werden.
Bestehen z.B. Daten über Veranstaltungen in einem ganzen Bezirk, so kommt es immer noch
auf deren Struktur an, ob bzw. wie einfach daraus ein Veranstaltungskalender für einen
bestimmten Ort, für ein bestimmtes Monat etc. herausfilterbar / anzeigbar ist. Im
Idealfall ist der Veranstaltungsort (etc.) ein "separater Eintrag", nach dem
sortiert und gefiltert werden kann.
Gewisse Informationen werden nur sehr lokal relevant sein, andere auch für einen weiteren
Umkreis (z.B. Bezirk, Land). Demgemäß sollte eine Struktur den Daten hinterlegt sein,
die es erlaubt, mit wenig Aufwand diese Daten auf Strukturen auf unterschiedlichen Ebenen
zugänglich zu machen.
Auch wenn dies zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht relevant erscheint, empfiehlt es
sich doch, dies bereits jetzt mitzudenken, um später möglichst einfach Erweiterungen zu
ermöglichen. Die Festlegung einer geeigneten Struktur erlaubt auch den einfacheren
Austausch von Daten. Das heißt ist so ein System einmal für eine Gemeinde fertig,
können die Daten ausgetauscht werden für andere Gemeinden, ohne von vorne beginnen zu
müssen.
Zu berücksichtigen ist auch, daß etliche Gemeinden bereits Informationen haben bzw.
derzeit erstellen, die dann leicht eingebunden werden / können / sollen.
Technisch gesehen ist eine strenge Vorgabe, in welcher Form Daten gespeichert werden
sollen, hilfreich und für etliche Anwendungen unumgänglich und zwingend notwendig.
Organisatorisch ist dies nicht immer leicht durchzusetzen und zu bewältigen. Hier kommt
aber die Trennung von Daten und Darstellung wieder zum Tragen. Zum einen können Daten von
einer Form in eine andere konvertiert werden, wenn dies aufgrund von "gewachsenen
Systemen" nicht anders möglich ist. Zum anderen kann jede Gemeinde, jede Institution
eine eigene Optik, eine eigene Darstellung wählen und trotzdem auf die gleichen Daten
aufsetzen.
Diese einheitliche Organisation der Daten bedeutet nicht, daß Daten zentral gespeichert
oder zentral gewartet werden sollen / müssen. Gerade wenn eine Datenbank der
"Speicherort" der Daten ist, können durchaus dezentrale Datenbanken oder
Datenbankserver zum Einsatz kommen, Daten als verstreut über ein ganzes System abgelegt
und gespeichert werden. Für den Benutzer erweckt das System den Eindruck eines Ganzen,
der Benutzer merkt nicht, daß Daten verstreut sind.
Bisher wenn von Daten die Rede war, waren immer Daten gemeint, die vorab eingegeben
werden, die den echten Informationsgehalt für den Anwender ausmachen.
Zwei weitere Gruppen von Daten sind jedoch auf ihre Weise genauso wichtig:
Statistische Daten, die Informationen über die Nutzung des Informationssystems geben.
Dies beginnt bei einfachen Werten, wie z.B. Anzahl der Zugriffe überhaupt, Anzahl der
Zugriffe auf bestimmte Informationen, Statistiken, welche Informationen (Seiten) werden
wie oft aufgerufen bzw. abgefragt, Verweildauer der Besucher auf den einzelnen Seiten,
für welche Seiten werden Hilfetexte besonders oft aufgerufen (erlaubt Rückschlüsse,
welche Informationen besonders interessant sind bzw. welche eventuell noch zu kompliziert
geschrieben sind).
Wo Informationen abgerufen werden können treten auch Fragen auf bzw. der Wunsch,
Kommentare, Anregungen etc. dazu abzugeben. Das heißt nicht nur die Möglichkeit des
Abrufens von Informationen sondern auch die Möglichkeit, durch Dialogboxen geführt oder
frei gestaltbar, als Benutzer etwas eingeben zu können. Von reinen Anregungen kann das
weiter reichen über die Anfrage nach Zusendung weiterer Informationen bis hin zur Eingabe
von Ansuchen etc. Auch wenn derartige Eingaben vorderhand nicht realisiert werden, sollten
sie mitbedacht werden.
Bevor auf mehr Details im allgemeinen eingegangen wird, möchten wir anhand einiger
Beispiele aufzeigen, was bei oder für die Aktualisierung der Daten zu beachten ist.
Beispiel 1: Darstellung einer Gemeinde
Nehmen wir an, jede Gemeinde soll auf gleiche Art und Weise zunächst auf einer Seite
vorgestellt werden. Die Inhalte werden vielleicht sein, ein Foto, Einwohnerzahl, Fläche,
etc. eventuell einige Zeilen "freier Text". Sind alle diese Daten in
strukturierter Form vorhanden und in der "Datenbank" an entsprechender Stelle
eingetragen, und zusätzlich der Rahmen für die Darstellung vorhanden, so werden diese
Daten ausgelesen und immer gleich dargestellt. Das heißt die Darstellung braucht nur
einmal realisiert werden und greift auf die Daten zu. Die Datenbank wird einmal entwickelt
mit Vorschriften und Routinen, wie Daten einzugeben sind. (Für die Eingabe der Daten
siehe weiter unten.) Eine Gemeinde, die sich somit auch auf diese Weise darstellen
möchte, braucht "nur" ihre Daten einzugeben.
Zum Beispiel ist das Tourismus-Informationssystem TisCover (www.tiscover.at) auf eine
derartige Systematik aufgebaut. Das regionale Informationssystem RIM (www.rim.at) ist
dagegen völlig unstrukturiert was die Trennung von Daten und Darstellung betrifft. Ein
anderes Beispiel einer sehr klaren Trennung von Daten und Darstellung ist im
"virtuellen Energiepark" (www.energiepark.at) zu finden.
Beispiel 2: Home-Page mit Terminankündigung
Auf einer Home-Page wird eine Veranstaltung angekündigt. Die Ankündigung ist unmittelbar
im Text eingegeben. Nachdem die Veranstaltung vorbei ist, denkt man mitunter nicht oder
nicht gleich daran, diese Ankündigung zu entfernen. Nach einigen Wochen erwecken
derartige Webseiten einen doch etwas "alten" Eindruck. Mit etlichen Systemen
(unter anderem MS FrontPage 98) zur Erstellung von Web-Seiten ist es möglich, Bilder oder
Dateien "nach Zeitplan einzubinden". Das heißt konkret folgendes: Der Abschnitt
mit der Ankündigung der Veranstaltung wird als separate Datei geschrieben und gespeichert
(oder als separater Eintrag in der Datenbank). Auf der entsprechenden Seite wird diese
Datei eingefügt mittels eines speziellen Aufrufs, der neben dem Dateinamen auch eine
Zeitangabe von / bis enthält, während welcher diese Datei angezeigt werden soll. Das
heißt die Information über die Veranstaltung wird ergänzt durch eine
Anzeige-Information; die Information getrennt von der Darstellung. Für den Benutzer
ergibt sich die gleiche Sicht. Für den Betreuer der Web-Seite besteht der Vorteil, daß
die Seite gestaltet werden kann, lange bevor es Sinn macht, die Veranstaltung auch
tatsächlich anzukündigen. Der Zeitrahmen für die Anzeige wird festgelegt. Um alles
andere kümmert sich das Darstellungssystem. In diesem Fall der Browser. Das heißt Daten
können auf diese Weise nicht "veraltern", der Benutzer bekommt den Eindruck,
daß die Seite ständig gewartet wird.
Neben der Strukturierung von Informationssystemen hat die Trennung von Daten und
Darstellung aber noch folgende nicht zu unterschätzende unmittelbare Vorteile:
* Daten können auf viele unterschiedliche Arten eingegeben werden. Es genügt, das
richtige Datenformat zu erhalten. Es können somit auch die unterschiedlichsten Systeme
und Plattformen verwendet werden, um die Daten einzugeben.
* Es können unterschiedliche Darstellungssysteme auf die gleichen Daten zugreifen. Dies
kann einerseits sinnvoll sein, wenn regionale und überregionale Stellen in
unterschiedlicher Feinheit die Daten darstellen wollen. Andererseits können bei
Neugestaltung einer Darstellung die Daten praktisch unverändert weiter verwendet werden.
* Der Datenbestand kann unabhängig von seiner Darstellung z.B. archiviert werden. Es
müssen nicht alle vorhandenen Daten angezeigt werden, sondern Daten können vorhanden
sein, die nur gewissen Teilnehmern zugänglich sind.
8.1 Wer speist das System - Möglichkeiten der Eingabe
Für die Eingabe der Daten gibt es sicherlich eine Unzahl von Möglichkeiten. Das Eingeben
der Daten / das Speisen des Systems ist sicherlich ein wichtiger Aspekt. Fast genauso
wichtig ist aber das aktuell halten von Informationen. Das heißt nicht mehr aktuelle
Informationen müssen auch wieder aus dem System entfernt werden. Das System muß nicht
nur gespeist, sondern auch gewartet werden. In gewisser Weise ist dieses aktuell halten
von Informationen, dieses Warten des Systems vielleicht sogar der aufwendigere Teil, weil
bewußt immer wieder das System bzw. die darin befindlichen Informationen durchforstet
werden müssen und nicht mehr aktuelle oder nicht mehr richtige Informationen gelöscht
bzw. korrigiert werden müssen. Für Daten, von denen bereits bei Eingabe bekannt ist,
wann diese veraltet sind - z.B. Terminankündigungen - ist dies mit einem "Einblenden
nach Zeitplan" zu bewerkstelligen.
Andere Daten - z.B. Einwohnerzahlen, Öffnungszeiten gewisser Institutionen - werden sich
auch von Zeit zu Zeit ändern, wobei aber nicht von vornherein absehbar ist, wann diese
Änderungen eintreten. Wir betonen dies hier so ausdrücklich und explizit, da ein Fehlen
von Informationen oft weniger auffällt als veraltete Informationen.
Ein derartiges System wird längerfristig nicht aktuell sein und bleiben können, wenn
sich nicht jemand darum kümmert, die Informationen aktuell zu halten. Das heißt in
regelmäßigen Abständen muß ein derartiges System durchgelesen und durchgesichtet
werden.
Voraussetzung dafür ist eine gut durchdachte und strukturierte
"Zugriffskontrolle". Das heißt neben den Vereinbarungen auf menschlicher oder
rechtlicher Ebene "wer darf was" und "wer muß was tun" braucht es die
technische Kontrolle und technische Berechtigung. Jemand der Daten eingibt, Daten löscht
oder verändert muß sich auch technisch als Berechtigter ausweisen. Ein bloßer Nutzer
des Systems darf nicht in die Lage kommen (auch nicht irrtümlich) Daten zu verändern
oder zu ergänzen.
Andererseits ist der Kreis derer, die Informationen eintragen möchten, oft nicht zu
unterschätzen. Das heißt eine Eingabe von Informationen im Prinzip durch
"jedermann" kann durchaus wünschenswert sein. Es muß jedoch auf jeden Fall
gewährleistet sein, daß nachvollzogen werden kann, wer hat was eingegeben. Damit ist es
auch möglich, derartige Informationen relativ rasch wieder zu entfernen.
Beispiel 3: Veranstaltungskalender
Im Idealfall kann jeder, der eine Veranstaltung weiß oder abhält, diese in den
Veranstaltungskalender eintragen. Aber wie gewährleisten, daß nur tatsächliche
Veranstaltungen eingetragen werden und diese korrekt. Irgendeine Art der Kontrolle ist
hier unumgänglich. Grundsätzlich gibt es zwei Zeitpunkte für die Kontrolle: bevor der
Eintrag überhaupt passiert oder freigegeben wird und nach der Freigabe des Eintrages.
Beides kann im jeweiligen Fall Sinn machen und berechtigt sein. Wichtig ist immer, daß
der Benutzer weiß, mit welcher Art von Information er es zu tun hat, bzw. wie sicher er
sich auf diese Informationen verlassen kann.
Gerade für Veranstaltungskalender bietet sich die Möglichkeit an, dem Benutzer ein
Werkzeug in die Hand zu geben, den Veranstaltungskalender mit Informationen zu speisen. Im
einfachsten Fall ist eine e-mail Adresse angegeben, an die der Benutzer die Information
schickt.
Diese e-mail kann nun auf unterschiedliche Art und Weise weiter behandelt werden: Zum
einen kann die e-mail an einen zuständigen Mitarbeiter gehen, der die e-mail liest und
die Daten in entsprechender Form an das System überträgt, falls dies überhaupt sinnvoll
ist.
Eine andere Möglichkeit ist, die e-mail automatisch abzuarbeiten. Das heißt die e-mail
geht durch einen Mailserver, der die "Betreff"-Zeile der e-mail auswertet und
die in der e-mail enthaltenen Daten entsprechend erfaßt. Voraussetzung dazu ist, daß der
"Betreff" der e-mail "richtig" ist. Dies kann bis zu einem gewissen
Grad dadurch gesichert werden, daß das "Betreff" bereits automatisch beim
Anklicken der e-mail-Adresse eingetragen wird. Andererseits muß die Information in der
e-mail vollständig sein, da sonst der Eintrag der Daten natürlich nicht vollständig
sein kann.
Etliche Veranstaltungskalender erlauben Einträge auf diese Art und Weise, wobei meist
irgendwo auf der Seite ein Hinweis besteht, daß die Einträge automatisch behandelt
werden und für Richtigkeit und Vollständigkeit keine Gewähr übernommen werden kann.
Es hat sich bewährt, zusätzlich zum automatischen Eintrag eine Kopie der Mail an einen
Mitarbeiter weiterzuleiten, der diese e-mails regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls
automatisch erfolgte aber unrichtige Einträge korrigiert oder gänzlich löscht.
Zwischen den beiden Extremen - vollständig durch Mitarbeiter erfassen und vollständig
automatisch erfassen - gibt es ein ganzes Spektrum von Möglichkeiten, insbesondere auch
Plausibilitätsschecks für das Eintragen (z.B. liegt das Datum in einem bestimmten
Bereich).
Für Gästebücher, Rubriken für Kommentare oder "Leserbriefe" ist die
Möglichkeit des Erfassens / Eingebens mittels e-mail und automatischer Abarbeitung
derselben recht zielführend. Gerade in diesen Bereichen sind möglichst viele Beiträge
meist erwünscht. Dennoch kann ein zusätzliches Mail an einen Betreuer nicht schaden, der
dieses zumindest sporadisch durch"blättert".
Eingabe der Daten vorort, direkt
Eine Möglichkeit ist sicherlich die Eingabe bzw. das Löschen von Daten unmittelbar in
der Datenbank selbst. Da dies nicht nur eher aufwendig sondern auch relativ
fehleranfällig ist, wollen wir auf diese Methode gar nicht näher eingehen. Praktisch
jede der folgenden Möglichkeiten ist dieser straight forward Methode überlegen.
Hinweisen wollen wir allerdings darauf, das im Falle daß Daten und Darstellungen nicht
getrennt sind, dies meistens die einzige Möglichkeit ist, den Datenbestand zu warten
(sowohl Dateneingabe als auch Löschen nicht mehr aktueller Daten).
Eingabe über spezielle Web-Sites, nur mittels Code-Word zugänglich
Eine elegante und benutzerfreundliche Möglichkeit der Eingabe von Daten ist, die
Einbindung der Eingabe in das System selbst. Sowie der Benutzer Daten liest und an den
dafür passenden Stellen, gibt es Links, die zu Dateneingabemasken verweisen. Diese Links
sind nur mit Kennwort zugänglich. Der Benutzer, der dieses Kennwort nicht kennt - keine
Zugangsberechtigung hat, kommt über diese Stelle nicht hinaus.
Für den berechtigten Benutzer, hat diese Möglichkeit der Dateneingabe und Datenwartung
den Vorteil, daß an inhaltlich passender Stelle auf die Daten zugegriffen werden kann,
d.h. wo man bemerkt, daß Daten geändert, gelöscht oder ergänzt werden sollen, besteht
in unmittelbarer "Umgebung" auch die Möglichkeit dies zu tun.
Der Energiepark (www.energiepark.at) ist hier wieder ein gutes Beispiel. Einige Seiten der
Web-Site des Energieparks sind am Ende angeführt.
Technisch verbirgt sich hinter derartigen Links meist eine Eingabemaske für die
Datenbank. Das heißt derartig erfaßte oder geänderte Daten werden unmittelbar in die
Datenbank geschrieben. Dabei ist es nicht notwendig, daß die Datenbank am gleichen Gerät
liegt, auf dem die Eingabe erfolgt. Es muß nur eine Verbindung dorthin bestehen.
In extremen Fällen, wo zwei oder mehrere Benutzer gleichzeitig an denselben Daten
Änderungen durchführen wollen. In der Datenbank ist dies so zu organisieren, daß die
Änderungen konsistent sind und eben die letzte Änderung erhalten.
Eingabe mittels e-mail
Die Eingabe mittels e-mail - entweder automatisch oder Mitarbeiter-geführt - haben wir
oben beim Beispiel des Veranstaltungskalenders bereits beschrieben.
Grundsätzlich ist dies sicher eine relativ sichere Möglichkeit der Dateneingabe, die im
wesentlichen aber eher für jene Bereiche geeignet ist, wo viele Benutzer oder Mitarbeiter
Daten eingeben und erfassen können sollen und die Eingabe zumindest teilweise automatisch
erfolgen soll, jedoch eine gewisse einfache Kontrollmöglichkeit bestehe. Unter
Kontrollmöglichkeit ist hier sowohl zu verstehen, daß kontrolliert werden soll, wer
Daten eingibt - über Absender der e-mail, bzw. auch wie gut oder häufig Daten eingegeben
werden und natürlich ob diese Daten sinnvoll und korrekt sind.
Eingabe mittels file-transfer
Das Erfassen der Daten an dezentraler Stelle und Übermittlung derselben ist zwar eine
grundsätzliche Möglichkeit. Von dieser Möglichkeit ist aber beim heutigen Stand der
Technik eher abzuraten, den beiden vorher genannten Möglichkeiten ist hier sicher der
Vorzug zu geben.
Im allgemeinen wird man sich nicht für alle Daten für die gleiche Eingabemöglichkeit
entscheiden. Je nach Art der Daten wird die Eingabe über spezielle Links (Punkt 2.) oder
über e-mail (Punkt 3.) erfolgen. Einige nur sehr selten bzw. wenn überhaupt zu ändernde
Daten werden eventuell nur von zentraler Stelle aus machbar sein.
Insbesondere muß es eine zentrale Stelle geben, die die einzelnen Zugriffsberechtigungen
verwaltet und vergibt.
Die oben beschriebenen Anforderungen an ein derartiges System sind mit "relativ
geringen" hard- und softwaremäßigen Anforderungen verbunden. Ein PC - im Idealfall
SCSI basiert, mit Windows NT-Server als Betriebssystem, SQL-Server, Internet Information
Server und Frontpage Erweiterungen würde bereits sämtliche Anforderungen erfüllen.
9 Technische Trends und Entwicklungen
Im folgenden soll auf Trends und Entwicklungen in der Informationstechnologie eingegangen
werden, die eine Einführung für den Benutzer einfach, sinnvoll und praktikabel machen.
Es werden die für den Anwender auf Gemeindeebene wesentlichsten technologischen Trends
und Entwicklungen angeführt.
* Schritte bei der Einführung von Informationstechnologie
* Vereinfachung der Anwendungen
* Mittel zur Verbesserung der Informationsauswahl
* Sicherheit der Daten
* Entwicklung von Kosten und Qualität
Anhand von Anwendungsbeispielen sollen Lösungen aufgezeigt werden, die helfen können.
9.1 Schritte bei der Einführung von Informationstechnologie
Damit bei der Einführung von Informationstechnologie im öffentlichen Bereich von Anfang
an die Bedürfnisse der unterschiedlichen Benutzergruppen miteinbezogen und die sinnvolle
und einfache Handhabung für sie nicht aus den Augen verloren wird, sollte ausgehend von
den Anforderungen der Benutzer in vier Schritten vorgegangen werden.
* Anforderungen erheben
* Prozesse durchleuchten
* Lösungen definieren
* Technologie festlegen
Da neue Technik in immer kürzeren Zeitabständen auf den Markt kommt, kann die Umsetzung
nicht mehr wie gewohnt vom Unternehmen oder der Behörde selbst gemacht werden, sondern
wird hochqualifizierten Spezialisten übertragen. Behörden und Unternehmen können sich
damit voll auf das Kerngeschäft konzentrieren.
Am Beginn sollte eine strategische Absichtserklärung stehen. Diese wird durch ein
Weißpapier (Blueprint Tele-Gemeinde) dokumentiert.
Es sollte vor der Einführung untersucht werden, was die Bevölkerung, die Wirtschaft und
die öffentliche Verwaltung erreichen will. Im Rahmen von Workshops mit den verschiedenen
Interessensgruppen, Studien oder Befragungen, werden die Bedürfnisse (Kommunikation mit
Gleichgesinnten, Selbsthilfegruppen, Verteilen und Suchen von Aufgaben wie Babysitter
etc., Bazar, Vereine, Initiativen, Informationen über Produkte und Dinge des
alltäglichen Bedarfes, etc.), Wünsche und Ziele erhoben.
Durch die Einbeziehung aller Betroffenen wird die Motivation gesteigert und
sichergestellt, daß der Nutzen von Anfang an im Vordergrund steht. Durch die Einbeziehung
aller kann die Einführung von Informationstechnologie auf eine breite Basis gestellt
werden.
Darauf aufbauend sollte untersucht werden, welche Geschäfts- und Verwaltungsprozesse
verändert und/oder neu organisiert werden müssen. Die Analyse der einzelnen Prozesse
bietet die Möglichkeit, Schwachstellen, Doppelgleisigkeiten etc. aufzuzeigen und neu zu
gestalten. Auf Basis dieses Schrittes können eventuell Kosten eingespart werden.
In einem weiteren Schritt sollte untersucht werden, welche Lösungen benötigt werden.
Dieser Schritt basiert auf den Erkenntnissen, die aus den vorangegangenen Schritten
gewonnen werden konnten. Damit soll sichergestellt werden, daß die Lösungen auf die
Bedürfnisse der zukünftigen Benutzer eingehen.
Erst im letzten Schritt sollte aufbauend auf die vorangegangenen Schritte untersucht
werden, welche technologische Infrastruktur verfügbar ist bzw. noch benötigt wird.
Ausgehend von den geforderten Lösungen, wird die vorhandene technische Infrastruktur
analysiert und der geforderten technischen Infrastruktur gegenübergestellt. Abhängig von
vorhandenen Budgets wird ein Implementierungsplan erstellt und umgesetzt.
Die nachfolgende Tabelle enthält jene Elemente, die für den Beginn einer Umsetzung des
Konzeptes Tele-Gemeinden in einem ersten Schritt erarbeitet werden müßten, um eine
projektmäßige Umsetzung dieses Vorhabens in seiner Gesamtdimension entscheidungsreif
abschätzen zu können (Identifikation und Zerlegung des Gesamtkonzepts in Bereiche, in
denen die neue Technologie wirksam wird).
AUFGABENBEREICH
INHALTSELEMENTE
Auswählen NÄCHSTE SCHRITTE Umsetzungsstrategie
Information, Status, Entscheider, Ziel
Abstecken des GESAMTRAHMENS
Zeit, Machbarkeit, Beteiligte, Ziel
Definition PLATTFORM für Tele-Gemeinde-Dienste
Infrastruktur, Sicherheit, Zugang, Arbeitsfluß
KOSTENRAHMEN skizzieren FINANZIERUNGSKONZEPT
Kostenelemente Budget, Wiederverwendbarkeit, Nutzen
Politische UMSETZUNGS Scenarien entwickeln
Aktionen Bund, Gemeinden, Industrie
Definition Bürger ZUGANGS Elemente
E-Unterschrift, Chipkarte, E-Bezahlung
Definition der LEISTUNGEN von / für TG
Bereiche, Priorität, Reichweite, Netzanbieter
Skizzieren Elemente der IMPLEMENTIERUNG
Projekte Teams, Vorgangsweisen, Ziel, Hauptaktivitäten
UMSETZUNGS- und BETRIEBSKONZEPT
Strategien, Bürgerbetreuung, erste Effekte, Knowledgemanagement
Definition des Tele-Gemeinde PARTNERSCHAFTS-Modells
Öffentliche Verwaltung, Firmen, Universitäten, International
Definition des Tele-Gemeinde BENUTZERKREISES
Bürger, Bund, Land, Gemeinden, Firmen, Ausbildung
MARKETING für Tele-Gemeinde Dienstleistungen und Nutzen
Medien, Firmen, Lobby Bund, BRANDING
TUTORING und UMSCHULUNGSKONZEPT
Betroffene Alternativen, Kosten, Vorgangsweisen, Medien
Tele-Gemeinde Zugang und Arbeitsplatz
WEB PC, WEB-TV, WEB-PHONE, Kiosk, Verteilung
Die schrittweise Umsetzung neuer nutzbringender Technologien wird meist auch die
Einbettung in bestehende Systeme erfordern. Einer Migrationsstrategie die sich primär an
den neuen Technologien zu orientieren hat, kommt daher ebenfalls eine entscheidende
Bedeutung zu.
9.2 Vereinfachung der Anwendungen
Die technische Entwicklung der Endgeräte für den Benutzer geht prinzipiell in Richtung
einfacher zu bedienende und kostengünstigere Hardware und Software.
9.2.1 Web-Screenphone
Die Verbindung von Telefon, Internet und e-mail System bietet das
"Web-Screenphone":
Man kann mit ihm telefonieren (auch schnurlos), Adressen und Telefonnummern abspeichern,
e-mails verschicken und empfangen, Faxe empfangen und versenden. Es ist auch
Anrufbeantworter und ermöglicht den Zugang zum Internet (World Wide Web - www). Die
Bedienung erfolgt mittels Antippen der entsprechenden Punkte direkt auf dem Bildschirm
(Touchscreen), Tastatur oder speziell eingerichteter Tasten (Buttons) und ist einfacher
als die eines traditionellen PC.
Die Oberfläche kann speziell auf die Bedürfnisse des Benutzers abgestimmt werden. Das
Screenphone hat mehr Funktionen als ein Telefon und ist einfacher zu bedienen als ein PC.
Die Entwicklung der Screenphones geht in die Richtung, daß Handys, PCs, Drucker,
Faxgeräte etc. angeschlossen werden können. Die für den Betrieb notwendige Software ist
modular aufgebaut. Der Benutzer installiert bei sich nur die für ihn notwendigen Module
bzw. diese werden in Form eines zentralen Service im Netz bereitgehalten und bei Bedarf an
die Endgeräte verteilt. Es bedarf lediglich sehr kleiner Softwarekomponenten, die
ständig auf dem Screenphone geladen sind, um die Grundfunktionen zur Verfügung zu
stellen.
Das Screenphone ist immer aktiv, hat geringen Platzbedarf und Konfigurationsaufwand, ist
handlich und robust. Um es zu bedienen sind keine PC-Kenntnisse erforderlich. Wenn mehrere
Benutzer ein Screenphone verwenden, ist eine Identifizierung (z.B. für die persönliche
Benutzeroberfläche oder die persönliche e-mail-Box) durch eine Identifizierungskarte
(Smart Card) möglich.
Mittels einer Kamera ("Web-Videophone") sind auch Videokonferenzen etc.
möglich. Für den Anschluß sind eine Telefon- und eine Stromsteckdose notwendig.
Einsatz im öffentlichen und privaten Bereich:
Aufbereitung von Informationen für die Bürger über Internet, mit der Möglichkeit zu
kommunizieren (e-mail).
* Informationsbroschüren über Internet bestellen
* Fragen per e-mail an den Bürgermeister oder andere Funktionäre stellen (Sprechstunde)
* Breitere Einbindung der Bürger in das Geschehen in der Gemeinde
* Diskussionsforen zu unterschiedlichen Themen
* Information über Angebote der Gemeinde für den Bürger
* Informationen von Unternehmen der Gemeinde
* Möglichkeit online Lebensmittel etc. in Geschäften des Ortes zu bestellen
(Home-Shopping), die zugestellt werden (dies ist vor allem interessant für alte oder
kranke Menschen, Mütter mit Kleinkindern etc.)
* Einbindung aller Vereine, Selbsthilfegruppen und Institutionen der Gemeinde
* Möglichkeit für die Bürger Kontakte zu knüpfen und Gleichgesinnte kennenzulernen
* Schnellerer und einfacherer Briefverkehr via e-mail
* Online Bazar für Dienstleistungen und Sozialdienste wie Altenbetreuung, Tagesmutter,
Kinderbetreuung, Reinigungsdienste etc.
* Aktuelle Nachrichten
* Veranstaltungshinweise
* Abwicklung der Gebühren- und Abgabenverrechnung (Kanal- und Müllabgaben, Gewerbesteuer
etc.)
* Online Formulare für die Abwicklung und Abkürzung der Wege zu öffentlichen Behörden
(Anmeldung zur Hochzeit, Ummelden des Autokennzeichens, Gründung eines Unternehmens etc.)
* Bereitstellung von elektronischen Telefonbüchern
* Homebanking (Kontostand abfragen, Überweisungen durchführen)
* Online Schulungen
* Online Abstimmung in der Gemeinde zu bestimmten Themen und Projekten
* Katastropheninformationen und Verhaltensregeln im Ernstfall
* Durch Gewinnspiele und Wettbewerbe das Interesse der Bürger an diesem neuen Medium
wecken
Einsatz im geschäftlichen Bereich: Zusätzlich werden hier geschäftliche Anwendungen
eingesetzt. Das "Web-Screenphone" ermöglicht den Mitarbeitern eines
Unternehmens auch von zu Hause aus zu arbeiten (Telearbeit).
Finanzierungsmodelle (monatliche Miete oder günstige Einmalzahlung) in Zusammenarbeit mit
Unternehmen (z.B. Banken, Telekom-Diensten, Internet-Anbietern, EDV-Herstellern etc.) und
begleitende Schulungsangebote ermöglichen den Einstieg für die breite Bevölkerung.
9.2.2 Web-TV
Der Zugang zum Internet über den Fernseher ist mittels des sogenannten Web-TV möglich.
Als Bildschirm dient der Fernsehschirm. Die Eingabe erfolgt über eine spezielle
Fernbedienung. Der Anschluß erfolgt über die normale Telefonleitung. Es ermöglicht den
Abruf von Informationen aus dem Internet und das Empfangen und Versenden von e-mails.
9.2.3 Kiosk-Systeme
Kiosk-Systeme sind Informationsstationen, die sich vor allem für die Aufstellung in
Foyers von Gebäuden oder auf öffentlich zugänglichen Plätzen (innerhalb und außerhalb
von Gebäuden) eignen. Es gibt sie je nach Anforderung in unterschiedlichen Ausführungen.
Die Bedienung erfolgt meist durch Berührung der Oberfläche (Touchscreen) oder speziell
eingerichteten Tasten. Bei Anschluß an das Internet spricht man auch von Internet Kiosks.
Speziell eingerichtete Sicherheitsschranken gewährleisten, daß der Benutzer sich nur in
den vom jeweiligen Anbieter des Kiosks gewünschten Internet-Seiten bewegt. Um
Telefonkosten zu sparen ist der Kiosk nur solange online im Internet, solange er benutzt
wird bzw. sofern die direkt am Kiosk System zur Verfügung stehenden Informationen nicht
ausreichen. Informationen können vor Ort ausgedruckt werden.
Es gibt eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten im öffentlichen Bereich:
* Touristeninformationen (Hotels, Fahrpläne, Sehenswürdigkeiten, Geschichte, Kultur
etc.)
* Straßenkarten
* Informationen über öffentliche Verkehrsmittel (Routen, Anschlüsse, Fahrpreise etc.)
* Aktuelle Verkehrsinformationen bzw. Umfahrungsmöglichkeiten bei Staus etc.
* Werbeplattform für ansässige Unternehmer
* Informationen der Gemeinde für die Unternehmen und Bürger
* Informationen der ansässigen Vereine und Institutionen
* Zugang zu Informationen aus dem öffentlichen Bereich
* Nachrichten
Die Informationen werden entweder gegen Entgelt oder kostenlos (durch Werbung finanziert,
Sponsoring etc.) zur Verfügung gestellt.
9.2.4 Personal Computer
Auch bei den Personal Computern (PC) geht die Entwicklung in Richtung kleinere, leichtere
und benutzerfreundlich zu bedienende Geräte. Ein Prototyp eines PC, der nicht größer
als ein Walkman ist, wobei Lautsprecher, Mikrophon und Bildschirm in einen Kopfhörer
integriert sind, wurde bereits entwickelt.
9.2.5 Network Station
Die Network Station bietet eine im Vergleich zum PC weniger wartungsintensive
(Softwareprogramme auf dem neuesten Stand halten, Computer gegen Viren schützen etc.)
Variante, Softwareanwendungen und das Internet oder Intranet zu nutzen. Die Programme
laufen auf einem zentralen Server und werden dort gewartet.
Die Network Station bietet aber in Verbindung mit Maus, Tastatur und Bildschirm eine neue
Möglichkeit für Anwendungen, die hohen Datensicherheitsanforderungen, wie der
Öffentliche Bereich unterliegen, und eine effiziente Alternative zu älteren
Arbeitsstationen und PCs suchen.
9.2.6 Personal Digital Assistant (PDA)
Der Personal Digital Assistant (PDA) ist nicht größer als ein Taschenrechner und bietet
sämtliche Funktionen eines Personal Computers. Externe Geräte wie Drucker etc. können
angeschlossen werden.
Anwendungsmöglichkeiten:
* Terminkalender
* Adreßbuch
* Tabellenkalkulation
* Textverarbeitung
* E-mail und Internetzugang über eine Telefonleitung (Telefonsteckdose oder Mobiltelefon)
* Läuft auf Basis aller gängigen PC-Betriebssysteme
Der Vorteil liegt vor allem in der Handlichkeit bzw. der geringen Größe und dem geringen
Gewicht (ca. 350g).
9.2.7 Smart Card
Kundenkarten, Bankomatkarten, Telefonwertkarten, Elektronische Geldbörse (Quick) etc.
werden unter dem Überbegriff "Smart Card" zusammengefaßt. Sie bieten eine
immer größere Anzahl von Anwendungsmöglichkeiten.
Der Vorteil darin, daß man einem gewissen Benutzerkreis ein einheitliches
Identifizierungs- und Zahlungsmittel zur Verfügung stellen kann.
* Studentenkarte (Zugang zur Bibliothek, Universitätskantine, Getränkeautomaten etc.)
* Karte für öffentliche Verkehrsmittel
* Telefonwertkarte
* Karte für Patienten
* Kundenkarte
* Zugangskarte zu Kiosk-Systemen
* Zugangskarte zu Gebäuden
* Mitarbeiterausweis
* Personalausweis
* Karte für Einrichtungen in der Gemeinde
* Karte für Vereine und Institutionen
9.2.8 Prozeßorientierte Bildungskonzepte (POB)
Prozeßorientierte Bildungskonzepte sind ein neues Lernsystem, bei dem die Dauer der
Ausbildung um bis zu 45 %, die Ausbildungskosten um bis zu 30 % gesenkt werden können.
Die Ausbildungsqualität kann erfahrungsgemäß von Klassen-Niveau auf Coaching-Niveau
gesteigert werden.
Das POB-Konzept ist ein individuelles, auf die Bedürfnisse einer Firma oder Behörde
abgestimmtes Produkt. Es beruht auf einer Analyse der Änderungen eines Prozesses, einer
Anwendung oder eines Verhaltens innerhalb einer Firma oder Behörde. Die Analyse fließt
in ein Gesamtkonzept ein, woraus individuelle Ausbildungspläne für die Mitarbeiter
erstellt werden.
Die Erarbeitung der Prozeßorientierten Bildungskonzepte erfolgt durch ein Team bestehend
aus: Instruktoren, Lernpsychologen, Didaktikern, Projektleitern, Konzeptionisten,
Drehbuchautoren, Multimedia-Programmierern, Graphikern, Administrations-Kräften für
Schulungslogistik.
Ein Beispiel für die sinnvolle Anwendung der Ausbildung nach dem POB-Konzept wäre die
Einführung elektronischer Akte statt Papier, wobei gegebenenfalls tausende Mitarbeiter
geschult werden müßten.
Durch Prozeßorientierte Bildungskonzepte lernt jeder die für seine Tätigkeit innerhalb
einer Firma oder Behörde notwendigen Themen nach internen Arbeitsabläufen ohne
Prüfungsangst.
In den Selbstlernprogrammen werden tatsächliche Arbeitsabläufe und Prozesse dargestellt
und das "Try & Error" Prinzip eingesetzt.
Durch die Analyse der Zielgruppen lernt jeder Mitarbeiter nur die Themen, die seinem
tatsächlichen Arbeitsgebiet entsprechen. Besonderen Anklang bei Mitarbeitern und
Betriebsrat findet die Tatsache, daß es keine Tests mehr gibt.
Der Mitarbeiter vermittelt sich die Grundprozesse an seinem Arbeitsplatz PC selbst, indem
er seine täglichen Arbeitsabläufe durcharbeitet.
Das Zertifikat ist die Eintrittskarte zum abgestimmten Workshop. Die Homogenität der
Gruppe und die passende Didaktik ermöglicht es dem Trainer, tiefergehende Abläufe mit
den Mitarbeitern zu trainieren.
Für individuelle Anforderungen einzelner Mitarbeiter dient persönliches Coaching am
Arbeitsplatz.
9.2.9 Sprach- und Bewegungserkennung
Es wurden Softwareprogramme entwickelt, die sowohl die Spracheingabe als auch -ausgabe
ermöglichen. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig.
* Erstellung von Texten (direkte Spracheingabe oder via Diktaphon)
* Interaktive Schulung
* Vorlesen von Texten und Nachrichten
Computer, die Gestensprachen erkennen und verarbeiten können, sind in Entwicklung.
9.3 Sicherheit der Daten
Seit der Einführung des World Wide Web /WWW - dies entspricht der graphischen Darstellung
des Internet-Zugangs) 1991 haben sich auf Internet basierende Dienste, wie zum Beispiel
der elektronische Geschäftsverkehr von reinen Ideenansätzen zu wirklichen Anwendungen
entwickelt: Internet-Benutzer können in Katalogen blättern, daraus Produkte oder
Informationen bestellen und diese auch elektronisch bezahlen.
Elektronische Post oder auch Informationen werden zwischen Privatpersonen, Wirtschaft und
den öffentlichen Dienstleistungsanbietern versendet. Dieser rege elektronische
Briefverkehr ersetzt auch mehr und mehr Papier und Fax.
In gleicher Weise könnte aber das Internet dem Mißbrauch Tür und Tor öffnen, da das
Netz von Anfang an nie für erhöhte Sicherheit für die oben genannten Anwendungen
konzipiert war - es diente eben vor allem dem freien weltweiten Informationsaustausch.
Derzeit sind erst ein paar sehr spezifische Sicherheits-Anwendungen weltweit in
Verwendung. Nicht zu vergessen wäre, daß es für viele Bereiche noch keine Regulative
gibt.
Stolpersteine bei der Einführung neuer Anwendungen sind sowohl zum Teil unbegründete
Ängste, aber auch begründetes Mißtrauen in die Sicherheit wie:
* Verlust der Privatsphäre (der gläserne Mensch)
* Manipulationen
* Ausspionieren von Daten, Datendiebstahl
* Verlust von Informationen
* Überhäufung mit elektronischem Werbematerial (spamming)
* Übertragung von elektronischen Viren
* Vandalismus
9.3.1 Zutritt zum System
Bei einem anonymen Zugang muß sich der Benutzer dem Internet gegenüber nicht
identifizieren. Der daraus resultierende Vorteil besteht darin, daß keine eindeutige
Zuordnung des Internet-Benutzers zu einer "wirklichen" Person möglich ist, die
Anonymität der Person bleibt absolut gewahrt. Der Benutzer kann Kontakt zu
Gleichgesinnten, Interessens- und Selbsthilfegruppen aufnehmen, mit anderen Benutzern
plaudern (chatten), ohne sich identifizieren zu müssen.
Diese "absolute Anonymität" gilt aber nur für den Einsatz bei öffentlichen
Internet-Zugangssystemen, wie beispielsweise bei Kiosken. Wenn der Benutzer sein privates
Terminal verwendet, so ist dieses ebenso einem Internet-Namen (Server-Rechner) zugeordnet.
Somit könnte der Benutzer unter Umständen mit Hilfe des Anbieters des Internet-Dienstes
identifiziert werden.
Aber alle Interaktionen, die eine Identifizierung von Natur aus zwingend notwendig machen,
wie beispielsweise der elektronische Bankzugang oder die Nutzung von Meinungsumfragen,
erfordern die Identifikation des Benutzers in einer bestimmten Weise und können daher
nicht anonym abgewickelt werden.
9.3.2 Vertrauensbasis
Viele Sicherheitsaspekte, wie für die die Benutzung von elektronischen
Bezahlungsmöglichkeiten erforderlich, werden gerne überbewertet. Ein Beispiel wäre der
Einsatz von Kreditkarten im Internet. Wieso sollte die Verwendung dort unsicherer sein als
beim normalen Einkauf? Auch in einem Geschäft vertraue ich dem Verkäufer meine
Kreditkarte an, ohne aber seine Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen.
Dies gilt auch für andere Belange: muß ich meinen Partner im Internet persönlich
kennen, oder gelten hier andere Regeln?
All dies erfordert ein Umdenken des Internet-Benutzers: wem kann, wem will ich vertrauen?
Der Benutzer muß unterscheiden lernen, welche Dienstleistungen im Internet zu seinem
Vorteil sind, welche nur mit Vorsicht anzuwenden und welche überhaupt abzulehnen sind.
Diese zu lernende Eigenverantwortung kann dem Anwender nie ganz genommen werden, doch
stehen Hilfsmittel zur Verfügung, um Entscheidungen leichter treffen zu können, wie:
* Digitale Unterschrift
* Authentifizierung von Nachrichten
* Verschlüsselung von Daten
Bei der digitalen Unterschrift ist die Person im Internet eindeutig identifizierbar. Damit
kann dem Anwender eine Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung geboten werden, ob er
der jetzt identifizierten Person auf der Gegenseite vertrauen möchte.
Beim Briefverkehr im Internet wird dem Benutzer die Möglichkeit gegeben, festzustellen,
ob der Brief wirklich vom angeführten Absender verschickt worden ist und ob der Inhalt
bei der Übertragung nicht nachträglich manipuliert wurde (Authentifizierung).
Die digitale Verschlüsselung bietet dem Benutzer hinsichtlich Privatsphäre die
Möglichkeit, Nachrichten, Briefe und Interaktionen mit der Gegenstelle nur den
gewünschten Personen einsehbar zu machen. Die Übertragung dieser Daten ist vor
Manipulationen, Diebstahl und unbefugtem Zugriff (Dateneinsicht) sicher.
Mit dem modernen Sicherheitsstandard SET für PC Transaktionen bietet das Internet bei der
Verwendung von Kreditkarten bereits höhere Sicherheit, als heute im täglichen Einsatz
üblich ist.
Beim Einsatz von SET sieht der Verkäufer nicht einmal die Daten der Kreditkarte, die
verschlüsselt übertragen werden. Nur die Bank, die in den Verkaufsvorgang mit einbezogen
wird, überprüft die Berechtigungen bzw. Identität von Käufer und Verkäufer.
Für den Verkäufer wird damit sichergestellt, daß die Daten der Kreditkarte in Ordnung
sind und daß ihm der Verkaufspreis gutgeschrieben wird.
Der Käufer kann sicher sein, daß die Identität des Verkäufers festgestellt wurde -
womit er auch seine Ware erhalten sollte - und daß die Daten seiner Kreditkarte nicht in
unbefugte Hände gelangt sind.
9.4 Mittel zur Verbesserung und Vereinfachung der Informations-Auswahl
Im Internet (world wide web - www) wird eine unüberschaubare Fülle von Informationen
angeboten.
Es ist für den Anwender problematisch, die gewünschte Information innerhalb kürzester
Zeit in der von ihm gewünschten Form zu finden.
Der Anbieter von Informationen sollte es als Herausforderung ansehen, seine Informationen
im Internet so aufzubereiten, daß diese möglichst rasch von möglichst vielen
potentiellen Kunden gefunden und angenommen werden.
Für den Anbieter spielen folgende Punkte eine wesentliche Rolle:
* Kenntnis über seine Zielgruppe (Käuferverhalten etc.)
* Zielgruppenorientierte Aufbereitung seiner Internet-Seiten (Design, Animation, Bilder,
Videos, Farben etc.)
* Eintrag in den Suchmaschinen im Internet
* Das Messen der Anzahl der Internet-Zugriffe, der Nutzung bestimmter Informationen bzw.
das Erkennen eines Anwenderprofils
* Das Messen der Verweildauer bei einzelnen Inhalten
* Ständiges "Marketing" seiner Internet-Seiten
* Erreichen eines Image und Wettbewerbsvorteils gegenüber dem Mitbewerber
* Der Nutzen für Kunden muß erkennbar sein
Im folgenden soll auf den Nutzen für den Anwender eingegangen werden:
9.4.1 Personenbezogene Selektion
Der Nutzen für den Anwender besteht darin, daß er schnell und einfach die richtigen
Informationen erhält.
* Sogenannte "Suchmaschinen" im Internet unterstützen dabei. Durch Eingabe
eines oder mehrerer Suchbegriffe werden Internet-Seiten aufgelistet, auf denen die
Informationen zu finden sind. Mit speziellen Suchmaschinen (z.B.: für den öffentlichen
Bereich) können die Inhalte eingegrenzt und damit auf die Bedürfnisse des Interessenten
besser abgestimmt werden.
* Intranets (geschlossene Netzwerke z.B. innerhalb von Behörden) geben einen Rahmen vor,
innerhalb dessen sich der Benutzer bewegen kann. In einem "Gemeinde-Intranet"
können auf die Interessensgebiete der Bürger abgestimmte Informationen abgerufen und
ausgetauscht werden.
* Anbieter mit unterschiedlichen Angeboten gehen dazu über, ihre Angebote im Internet
nach den jeweiligen Anwenderprofilen (z.B. Altersgruppen, wie Kinder, Erwachsene bzw. alte
Menschen oder Geschlecht, Hobbies, oder Wohngebieten etc.) aufzubereiten. Dadurch fühlt
sich der Benutzer persönlich angesprochen und informiert.
* Es gibt Softwarepakete speziell für den öffentlichen Bereich, die einen Rahmen bieten,
der die Bürger mit der Öffentlichen Verwaltung verbindet und den Informationsfluß in
beiden Richtungen ermöglicht. Benutzerfreundliche und graphische Oberflächen erleichtern
den Zugang zu den angebotenen Informationen.
* Übersichtliche Inhaltsverzeichnisse, eindeutige Suchbegriffe und sprechende Bilder auf
den Seiten, erleichtern das Auffinden von Informationen.
* Video- und sprachunterstützte Seiten, die auf das jeweilige Profil des Anwenders
eingehen, helfen dem Anwender zu den von ihm gewünschten Informationen zu gelangen.
* Spezielle und leicht zu merkende Einwahlnummern ins Internet erleichtern das Auffinden
der gewünschten Informationen. Der öffentliche Bereich könnte ein Nummernsystem oder
ein Zahlen-/Buchstabensystem (nach Bund, Land, Gemeinde etc. oder für Notrufe etc.)
festlegen, das den Bürgern einen schnellen Zugang ermöglicht.
* Anwendungen mit nützlichen Adressen im Internet (Bookmarks), Tools und Anleitungen zur
Suche im Internet, erleichtern das Auffinden der gewünschten Informationen, Informationen
werden gefiltert, kategorisiert, personalisiert und übersichtlich dargestellt.
9.5 Entwicklung von Kosten und Qualität
9.5.1 Entwicklung der Kosten
Fortschrittliche Anwendungen, die sich der modernen Netze bedienen, bestehen meist aus
mehreren bis vielen Programmen, die auf unterschiedlichen Serverrechnern, die miteinander
kommunizieren, durchgeführt werden. Endbenutzergeräte greifen über
Telekommunikationsleitungen auf diese Serverrechner zu, bereiten Informationen für die
Ausgabe auf und zeigen sie auf Bildschirmen an.
Für die Entwicklung der Kosten sollte ein differenzierter Ansatz gewählt und die
einzelnen Komponenten separat betrachtet werden.
Hardware (Server-Rechner, Router, das sind Rechner, die für die Datenübertragung im
Netzwerk sorgen, sowie Endbenutzergeräte)
Preise für Hardware unterliegen schon seit Jahrzehnten einem dramatischen Verfall. Es
kann davon ausgegangen werden, daß auch in Hinkunft für eine gewisse Leistungseinheit
jährlich ein Preisrückgang von etwa 30 % realistisch ist, wie dies in den letzten 20
Jahren beispielsweise bei Großrechnern der Fall war.
Diese Entwicklung steht - durch immer komplexer werdende Anwendungen mit Verarbeitung von
Bildern und Graphiken - allerdings das Erfordernis immer mächtigerer Rechner und
Arbeitsstationen entgegen. Der Mehrpreis für die mächtigeren Rechner kann allerdings den
generellen jährlichen Preisverfall nicht kompensieren, so daß zu Recht angenommen werden
kann, daß auch in Zukunft mächtigere Rechner einen niedrigeren Preis als heute
verfügbare, schwächere Rechner haben werden.
* Software: Der Kostenanstieg für die Entwicklung und Wartung von Software wird durch den
Einsatz effizienter Entwicklungswerkzeuge sowie durch die immer größere Anzahl an
verkauften Software (Betriebssoftware und Anwendungssoftware) Lizenzen wettgemacht. Die
Prognose lautet also, daß die Preise für Software im allgemeinen gleich bleiben.
* Services (Dienstleistungen für Planung, Installation, Adaption und Wartung der Software
bei den Anwendern). Da diese Leistungen fast ausschließlich Personalkosten umfassen, muß
auch in Zukunft mit leicht steigenden Preisen gerechnet werden.
Besonderes Augenmerk sollte auf die Entwicklung der Kosten bei der Wartung der dezentralen
Server-Rechner und Arbeitsstationen gelegt werden. In der allgemeinen Tendenz zur
Dezentralisierung werden häufig die Kosten für Wartung (Analyse und Fehlerbehebung von
Hardware und Software, Installation neuer Softwareversionen, generelle Inventarführung
etc.) der dezentrale Komponenten unterschätzt.
Ein Ausweg aus diesem Kostendilemma kann effizientes System-Management sein (z.B. Fehler
von Komponenten werden durch in die Hardware eingebaute Sensoren erkannt und an der
zentralen Leitungsstelle angezeigt; neue Software - Versionen werden von der Zentrale
über die Leitungen verteilt und in den dezentralen Rechnern automatisch installiert -
womit gewährleistet ist, daß alle dezentralen Rechner gleichzeitig identische
Software-Versionen haben.
Ein weiter Schritt zur Reduktion der Wartungskosten für dezentrale Geräte kann die
Installation von Network Stations sein. Die Network-Station stellt eine im Vergleich zum
PC weniger wartungsintensive Variante dar. Programme werden auf zentralen Server-Rechnern
gehalten (und gewartet) und nur vor dem Zeitpunkt der Durchführung auf die Network
Station geladen.
* Übertragungskosten (Kosten für Telekommunikations-Leitungen): Obwohl die Preise für
Kommunikationsleitungen seit der Deregulierung der Telekommunikationsdienste deutlich
gesunken sind, zählen diese Kosten in Österreich zu den höchsten in Europa.
Mit verschärftem Wettbewerb kann erwartet werden, daß die Leitungskosten weiter sinken
werden. Andererseits muß mit der zunehmenden Übertragung nicht nur von Text, sondern
auch von Images, graphischen Darstellungen, Faksimile etc., wie es beispielsweise im
Internet oft verwendet wird, mit stark steigendem Bedarf an Leitungskapazitäten gerechnet
werden.
Durch das Erfordernis für höhere Leitungskapazitäten wird die Einsparung durch
niedrigere Leitungskosten teilweise kompensiert werden.
9.5.2. Qualität
Die weitere Entwicklung der Qualität sollte aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden: Die
technische Qualität der eingesetzten Geräte und Programme, sowie die Qualität der
Anwendungen hinsichtlich des Nutzens für den Empfänger der Leistungen.
* Die im modernen Netzverbund eingesetzte Hardware und Software unterliegt einerseits
einer rasanten Weiterentwicklung und damit Verbesserung und Vereinfachung in der
Anwendung, womit die angebotenen Leistungen einem immer größer werdenden
Bevölkerungskreis zugänglich werden. Andererseits werden Hard- und Software durch die
rasch steigenden Mengen an zu übertragenden bzw. zu verarbeitenden Daten aller Art wie
Text, Bilder (Images), Graphiken, Sprache oft an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit
gebracht, womit ein Ansteigen von Fehlern und Fehlverhalten verbunden sein kann.
Die weitere technische Entwicklung berechtigt zu der Annahme, daß sich die Qualität und
Einfachheit der Bedienung weiter verbessern wird, was die Grundlage für die weite
Verbreitung und Annahme der angebotenen Leistungen ist.
* Als wichtigstes Kriterium für Qualität der neuen Dienstleistungen mittels moderner
Netze wird der Nutzen für den Endbenutzer bleiben. Auch wenn die Technik vollendet und
die Bedienung einfach wie ein Telefon ist. Wenn der Nutzen für die Person an dem
Endgerät nicht deutlich ersichtlich und kalkulierbar ist, wird die Akzeptanz bescheiden
bleiben.
Einer sorgfältigen und umfassenden Analyse und Planung der neuen Dienstleistungen über
Netzwerke sollte höchste Priorität beigemessen werden.
Folgende Fakten sollten dabei besonders beachtet werden:
* Der Vorteil für den Endbenutzer muß in Form von erspartem Geld, gesparter Zeit, durch
Amtsstunden nicht limitierter Zugang zur Dienstleitung, ersparte Wege, etc. erkennbar
sein.
* Die Leistung muß von einem möglichst großen Bevölkerungsanteil angenommen werden
können, denn schließlich werden die Kosten von allen Einwohnern der Gemeinde getragen.
* Einfacher Zugang zur Dienstleistung, alle Kommunikation muß in deutscher Sprache sein.
* Einfache und effiziente Auswahl der gewünschten Themenkreise.
* Ausfilterung von unsinnigen oder sittenwidrigen Informationen.
* Schutz der privaten Daten im Kommunikationsnetz.
* Schutz des Copyright (z.B. durch digitale Wasserzeichen).
10 Zusammenfassung und Schlußfolgerungen
10.1 Zusammenfassung
Charakteristika der Informationsgesellschaft:
* Raum und Ort: die digitale Kommunikation ist nicht mehr an bestimmte Orte gebunden. Die
Raumüberwindung fällt weg.
* Zeit: Auf der ganzen Erde sind Informationen zeitlich (real time) zwischen Anbieter und
Nachfrager zu empfangen.
* Masse: Die Quantität an Informationen, die abrufbar, bearbeitbar, versendungsfähig
ist, hat praktisch keine Begrenzung mehr.
* Komplexität: Auf dem Rechner sind Wirkungszusammenhänge in einer Komplexität
darzustellen, wie es bislang nicht einmal denkbar war.
Die Stärke der weltweiten Netzgemeinde, auf nahezu jede Frage eine Antwort zu bieten, ist
zugleich ihre Schwäche. Im Gegensatz zu früher liegt das Hauptproblem heute nicht mehr
in der Beschaffung, sondern in der Auswahl von Informationen. Wer es versteht, aus der
Fülle von Fakten und Daten die besten Informationen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen
Ort zu haben, wird erfolgreich sein.
Die Informationstechnologie eröffnet neue Perspektiven der Weiterbildung. Lernen auf
Distanz wird an Bedeutung gewinnen. Die Erfahrung lehrt, daß dabei eine Reihe von
Hindernissen zu überwinden sind:
* Die Lehrkräfte haben zu wenig Kompetenz im Bereich Neuer Medien.
* Die Teilnehmer haben kein oder nur geringes Interesse.
* Die Infrastruktur für die Nutzung Neuer Medien ist unzureichend.
* Es steht keine oder eine nur unzureichende Benützungsberatung zur Verfügung.
* Die Erwartungen, die an die Neuen Medien gestellt werden, sind zu hoch.
Die Telearbeit ist in Österreich noch relativ wenig verbreitet. In Europa gibt es die
meisten Telearbeiter in Großbritannien (560.000) i.e. 2,5 % der Bevölkerung. Dagegen
arbeiten nur 120.000 Arbeitnehmer in Deutschland auf Telearbeitsplätzen. Ein ähnlich
niedriger, wenn nicht sogar noch niedrigerer Anteil, dürfte wohl auch in Österreich zu
verzeichnen sein.
Pilotversuche zeigen, daß bei Telearbeit soziale Komponenten wichtig sind, denen in der
Konzeptionsphase oft zu wenig Bedeutung beigemessen wird.
Als größtes Hindernis für Telearbeit haben sich bei Untersuchungen die Führungskräfte
erwiesen. Für einen Vorgesetzten, der im Betrieb gerne stolz durch die Reihen seiner
Untergebenen geht, sind virtuelle Mitarbeiter wenig befriedigend.
Vielversprechend scheinen die Möglichkeiten bei der Abwicklung von Geschäftsbeziehungen
über einen elektronischen Marktplatz (e-commerce). Für den Mittelstand entstehen neue
Perspektiven. Die Informationstechnologie macht eine Präsentation kleiner Spezialisten
auf dem weltweiten Marktplatz möglich. Eine Studie der OECD relativiert allerdings all zu
optimistische Sichtweisen. Nur wenn bestimmte Probleme wie Zahlungsunsicherheit im Netz,
Ängste vor betrügerischen Händlern, Datenschutz-Bedenken und die Kosten des
Internet-Zugangs gelöst werden, wird dem Internet-Handel signifikantes Wachstum
zugesprochen. Starkes Wachstum prognostiziert die OECD auf jeden Fall dem Internet-Handel
im Bereich Business-to-Business, wo sie sogar von einem zukünftigen Anteil am gesamten
Internet-Umsatz in Höhe von 80 % ausgehen.
Wenig Erfahrung gibt es im Bereich Bürgerservice. Interessant ist das Beispiel der
Stadtverwaltung von Bologna/Italien. Die Stadt ermöglicht ihren Bürgern das
Internet-Surfen zum Preis eines Ortsgesprächs. Die vernetzten Bologneser erhalten eine
eigene Adresse für den elektronischen Briefkasten, können an Foren teilnehmen,
Newsletter abrufen, lokale Nachrichten einsehen und Anfragen stellen, die an die
zuständigen Ämter weitergeleitet werden.
Die Stadt Münster/Deutschland informiert auf der Web-Seite des Standesamtes über alle
Formalitäten des Heiratens sowie über freie Termine. Zudem stellt die Stadt jedem
Bürger einen kostenlosen Zugang zum Internet mit eigener e-mail-Adresse zur Verfügung
und ermöglicht Privatpersonen und Vereinen eine Web-Seite, also einen kostenlosen
Auftritt im Netz. Darüber hinaus kann man in Münster Formulare nicht nur per Internet
bestellen, sondern sogar am eigenen Computer ausfüllen. Dann allerdings müssen die
Dokumente ausgedruckt und unterschrieben in einem Briefumschlag an die Verwaltung gesandt
werden. "Sobald es eine Möglichkeit der elektronischen Unterschrift gibt, werden wir
jedoch Dienstleistungen wie das An- oder Abmelden via Internet anbieten", sagt die
Oberbürgermeisterin.
Die dänische Kleinstadt Naestved rühmt sich, weltweit den ersten Versuch durchzuführen,
eine ganze Stadt an das Internet zu bringen. Derzeit besitzen 53 % der Bewohner einen
eigenen PC und 21 % verfügen über einen Internetanschluß. Die Stadtregierung ist mit
all ihren Ämtern und Organen in das Informationsnetz eingebunden. Seit kurzem
funktioniert der Kommunikationsfluß sogar in beiden Richtungen. Speziell ausgerüstete
PCs für seh- und schreibbehinderte Menschen helfen diesen, sich ins kommunikative
Geschehen der Stadt zu integrieren. Gleiches gilt für die älteren Stadtbewohner.
Die Erfahrung lehrt, daß die Wartung und Aktualisierung von Informationen von
entscheidender Bedeutung ist. Der Trend geht in Richtung "Trennen der eigentlichen
Daten von deren Darstellung".
Notwendig ist eine klar strukturierte "Zugriffskontrolle".
Neben den Vereinbarungen "wer darf was" und "wer muß was tun" braucht
es die technische Kontrolle und technische Berechtigung. Jemand der Daten eingibt, Daten
löscht oder verändert muß sich auch als Berechtigter ausweisen. Ein bloßer Nutzer des
Systems darf nicht in die Lage kommen (auch nicht irrtümlich) Daten zu verändern oder zu
ergänzen.
Die technische Entwicklung der Endgeräte geht in Richtung einfacher zu bedienende und
kostengünstigere Hardware und Software.
Mit zunehmendem Wettbewerb kann erwartet werden, daß die Leitungskosten weiter sinken.
Andererseits muß mit der Übertragung nicht nur von Text, sondern auch von graphischen
Darstellungen etc. mit einem steigenden Bedarf an Leitungskapazitäten gerechnet werden.
Durch das Erfordernis für höhere Leitungskapazitäten wird die Einsparung durch
niedrigere Leitungskosten teilweise kompensiert werden.
Die Verbesserung der Datensicherheit macht Fortschritte. Derzeit sind aber erst einige
wenige sehr spezifische Sicherheits-Anwendungen weltweit in Verwendung. Für viele
Bereiche gibt es noch keine Regulative.
Für die Umsetzung von Pilotprojekten empfiehlt es sich, an bewährten Erfahrungen
anzuknüpfen. Zu den Pionieren der Tele-Idee in Österreich zählt das Waldviertel
Management. Seit 1993 beschäftigt sich das Telehaus Waldviertel mit der Umsetzung der
Informationstechnologie im ländlichen Raum. Aus diesen Erfahrungen könnte man aufbauen.
Projektziel ist eine möglichst flächendeckende Nutzung von Telematikanwendungen im
Umfeld der Stadtgemeinde Zwettl - von Behördenservice über Telearbeit und Telelernen bis
zum elektronischen Marktplatz.
Die Gemeinde Perchtoldsdorf, eine typische Stadt- Umland-Gemeinde, hat im Feber 1997 die
P`Card als elektronisches Zahlungsmittel eingeführt. Zunächst wird die P`Card für das
P`Taxi sowie als Berechtigungskarte für bestimmte kommunale Einrichtungen verwendet.
Projektziel ist der Ausbau dieser Servicekarte für weitere Dienste, insbesondere auch im
sozialen Bereich.
Von den rund 2.300 Gemeinden in Österreich liegen nahezu die Hälfte in einer
Größenklasse bis 1.500 Einwohner. Die Gemeinde Eschenau repräsentiert diese
Größenklasse und hat reiche Erfahrung bei der Umsetzung der Informationstechnologie.
Projektziel ist ein umfassendes Modell für das gesamte Gemeindegebiet mit dem besonderen
Schwerpunkt Behördenservice, Kleingewerbe und Landwirtschaft.
Auch die Gemeinde Wien beschäftigt sich mit der Umsetzung der Informationstechnologie. In
einigen Außenbezirken wurden Telezentren eingerichtet, die als Drehscheibe dienen für
die Umsetzung verschiedener telematischer Dienste.
10.2 Schlußfolgerungen
Jede Branche und jede Region wird sich gemäß ihrer eigenen Dynamik wandeln. Dieser
Wandel wird mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und Intensität vor sich gehen. Es gibt
keine einheitlichen Prognosen, die allgemein gültig wären. Wohl aber lassen sich aus den
bisherigen Erfahrungen einige strategische Konsequenzen ableiten:
Barrieren, die einer breiten Anwendung der Informationstechnologie im Wege stehen, lassen
sich im Wesentlichen in vier Gruppen zusammenfassen:
* personelle und soziale Barrieren
* institutionelle und rechtliche Barrieren
* technische Barrieren
* ökonomische Barrieren
Ausgehend von den Erwartungen der Benutzer sollte schrittweise vorgegangen werden:
Anforderungen erheben, Prozesse durchleuchten, Lösungen definieren, Technologie
festlegen.
Die technische Ausstattung liefert die Grundlage. Die Einstellung der Bevölkerung und die
damit verbundene Bewußtseinsbildung ist aber die Voraussetzung, damit von dieser
Grundlage Gebrauch gemacht wird.
Entscheidend ist daher die rechtzeitige Information. Niemand darf sich zurückgesetzt
fühlen. Dabei sollte man die Teilnehmer nicht drängen, sondern "einladen".
Jeder kann, keiner muß teilnehmen!
Bei der Information auf Gemeindeebene hat sich eine schrittweise Vorgangsweise bewährt:
Bürgermeister, Gemeindeangestellte, Gemeindevorstand, Gemeinderäte, Vereinsobmänner,
Organisationsleiter, Projektleiter und deren Vorstände. Bei der Mitwirkung der
Bevölkerung ist darauf zu achten, daß Kinder und Jugendliche über die Schulen
frühzeitig in die Projekte einbezogen werden.
Wichtiger Grundsatz: Eine Maßnahme führt dann zum Erfolg, wenn sie für alle Beteiligten
Vorteile bringt.
Bei der Darstellung von Projekten sollten Beispiele gewählt werden, die den persönlichen
Nutzen aufzeigen. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Entscheidend für den Erfolg
sind praktische Beispiele mit möglichst wenig Technik. Für den Kunden ist es
zweitrangig, wie eine Verbindung funktioniert oder wie das Innenleben eines Computers
aussieht. Entscheidend ist der praktische Nutzen. Man muß eine Lösung anbieten und nicht
nur eine Technik.
Es erweist sich als zweckmäßig, gerade in der Anfangsphase eines Projektes die
Erwartungshaltung nicht zu hoch zu schrauben. Die Technik ist ein Hilfsmittel, kein
Wundermittel. Jede noch so perfekte Technik kann den persönlichen Kontakt nicht ersetzen.
Wenn die grundsätzliche Akzeptanz gegeben ist, spielt der Preis meist eine sekundäre
Rolle. Zur Erleichterung des Einstieges hat sich jedoch eine degressive Förderung für
die ersten drei Jahre als zielführend erwiesen.
Die Erfahrung lehrt, daß für den Erfolg von Pilotprojekten eine zentrale (und
kompetente) Anlaufstelle unbedingt erforderlich ist. Diese Drehscheibe kann das
Gemeindeamt sein, ein Telehaus oder Telezentrum oder eine sonstige regionale
Serviceeinrichtung. Jedenfalls muß diese Stelle in der Lage sein, technische
Hilfestellung zu leisten, bei der Umsetzung der Projektziele unterstützend und
kontrollierend mitzuwirken, Schulungen durchzuführen, den Erfahrungsaustausch zu
koordinieren etc.
Gerade im raschlebigen Telematikbereich ist es notwendig, künftige Trends zu beobachten
und die entsprechenden Schlüsse zu ziehen. Aus diesem Grund ist die Kooperation mit
Universitäten und Forschungsinstituten bei der Durchführung von Pilotprojekten
zielführend und notwendig.
Zehn Schritte bei der Umsetzung von Pilotprojekten
Bewußt wird kein Schwerpunkt hervorgehoben, weil jeder dieser Schritte für den Erfolg
eines Pilotprojektes unentbehrlich ist.
* Ausgangslage analysieren
* klare Ziele festlegen
* Lösungen definieren
* Technologie festlegen
* rechtzeitig und umfassend informieren
* Zeit- und Finanzrahmen abstecken
* personelle Ressourcen klären
* bewertbare Ergebnisse definieren
* Drehscheibe sicherstellen
* wissenschaftliche Begleitung vorsehen
11 Autorenverzeichnis
Haas Rainer Dr.
BrainBit Marketing - Haas & Meixner OE
E-mail: haas@brainbit.com
Hinkel Thomas
IBM Government Solutions
E-mail: hinkel@at.ibm.com
Lanner Sixtus Dr.
Institut Ländlicher Raum
E-mail: e-mail lanner@teleaktiv.co.at
Mayerhofer Josef
Waldviertler Projektmanagement Telehaus
E-mail: josef.mayerhofer@wvnet.at
Meixner Oliver Dr.
BrainBit Marketing - Haas & Meixner OEG
E-mail: meixner@brainbit.com
Reiter Barbara Mag.
IBM Consulting Group
E-mail: barbara_reiter@at.ibm.com
Steiner Egon Mag.
IBM Consulting
E-mail: atssof19@at.ibm.com
Stifter Sabine Doz.Dr.
Telearbeits- und Seminarzentrum GmbH
E-mail: stifter@cyber.at
Wögerer Franz
Telehaus Eschenau
E-mail: telehaus.eschenau@netway.at
Zepf Elmar Univ.-Prof.Dr.Ing.
Universität der Bundeswehr München
E-mail: elmar.zepf@magnet.at
1 Der Begriff Open Distance
Learning hat bereits Eingang in den deutschsprachigen Raum gefunden und wird
üblicherweise mit "Offener Fernunterricht" übersetzt. Damit ist nicht zuletzt
die Emanzipation des Lernenden vom Lehrenden zu verstehen, da dieser die Möglichkeit hat,
in interaktiven multimedialen Wissensspeichern, wie dem World Wide Web, das Material
seiner Bildung zu suchen und zu finden und mit Experten darüber per Telekommunikation
diskutieren kann (vgl. REITER, 1996). In diesem Sinne wird er unabhängig von der Meinung
und dem Know-How des Lehrenden und kann zusätzliche Meinungen einholen.
2 "Ein MUD ist ein System, in dem viele Benutzer (daher Multi
User) in einer virtuellen Welt (Dimension) über das Internet miteinander kommunizieren
und interagieren können. Viele dieser MUDs verstehen sich allerdings eher als Multi User
Dungeon, in dem eine Art Rollenspiel mit vielen Benutzern in einer Welt voller Monster und
Rätsel im Vordergrund steht. Um in ein MUD zu gelangen, benötigt man einen Telnet -
fähigen Client, mit dem man die Verbindung zum MUD-Server herstellt, wobei das normale
Telnet die einfachste aber auch unbequemste Art ist, da nämlich die Kommunikation
hauptsächlich über Texte, die vom Server bzw. anderen Benutzern über das Netzwerk
geschickt werden, und Kommandos, die man selber schickt, bewerkstelligt wird. Dabei kann
es allerdings leicht zu Verwirrung kommen, wenn viele Benutzer Texte schicken, und das
Textfenster wie wild nach oben scrollt, oder man bekommt die Texte gerade dann, wenn man
sein nächstes Kommando tippt, und verliert den Faden. Es gibt daher eine Vielzahl von
Clients , die z.B. ein vom Ausgabe-Fenster getrenntes Eingabefeld, oder andere reservierte
Felder haben, wodurch eine wohltuende Ordnung erreicht wird. Ebenso gibt es schon die
ersten Graphik-fähigen Clients, z.B. den BSX-Client von Bram Stolk" (vgl.
http://www.edvz.sbg.ac.at/~samson/fhis/mud/kurz.htm).
3 Im Prinzip muß es sich nicht immer um Personen handeln. Zwar
stehen hinter jedem Informationsinhalt Menschen, doch ist es heute durchaus üblich, im
Zuge der Automation und Vereinheitlichung von Routinehandlungen auch mit
"Maschinen" zu kommunizieren. Ein Beispiel hierfür stellen die automatisch
generierten Antwort-Emails, die z.B. auf Einträge, die in Suchregistern vorgenommen
wurden, an den Adressaten zur Bestätigung der Einträge geschickt werden.
4 Ursprünglich diente das Internet militärischen Zwecken und
wurde recht bald von Wissenschaftlern in der ganzen Welt als ideales Medium zur
Distribuierung von Forschungsergebnissen aufgegriffen. Daher war es absolut ausreichend,
einfache Textdateien zur Verfügung zu stellen, so wie dies im heute antiquiert anmutenden
Gopher-Netzwerk weltumspannend gelang.
5 Letztere konnte auch dadurch reüssieren, daß sie sich den in
diesem Bereich begehrten Domain-Namen "www.online.edu" frühzeitig sichern
konnte - die eigentliche Erstellung der Lehrmaterialien allerdings vor allem der mit ihr
kooperierenden University of Paisley in Schottland überläßt (vgl. o.V. 1997b).
6 Nur für nordamerikanische Studenten zugänglich
7 http://www.hypernews.org/HyperNews/get/hypernews.html
8 Basic Support for Cooperative Work; http://bscw.gmd.de/
9 http://webboard.oreilly.com/
10 Bis auf die
Tatsache, daß der norwegische Teilnehmer anfangs keine Tonübertragung hatte und auf eine
Tafel im Hintergrund durch den Satz darauf aufmerksam machte: "We don't hear
anything!"
11 EU5 in obiger Abbildung beinhaltet Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien
und Spanien
12 Ein interessantes Ergebnis am Rande dieser Telekommunikationsprojekte in Dänemark war
das Problem, daß die Arbeitslosen nach Ausbildung für die Region überqualifiziert
waren.
13 "WebChat lets you have real-time conversations with other people on the World Wide
Web. On a WebChat page you can see what other people on the page are typing ... and send
multimedia information back and forth, live" (STERNE, 287f, 1997).
14 Diese Art des Einkaufens ist z.B. bei www.amazon.com realisiert worden. Der Besucher
wählt einfach per Mausklick das Buch aus, welches er bestellen möchte. Wenn er bereits
in der Electronic Mall eingekauft hat, erkennt ihn die Datenbank und er braucht nur noch
am Ende seines Besuches die Bestellung auf seinen Namen zu bestätigen, und der Einkauf
ist abgewickelt.